Nahost-Konflikt

16. Juli 2014 05:59; Akt: 16.07.2014 11:52 Print

100'000 Menschen in Gaza sollen Häuser verlassen

Nach dem Nein der Hamas zum ägyptischen Vermittlungsplan weitet Israel seine Offensive im Gazastreifen aus. Davon betroffen sind 100'000 Palästinenser.

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Israels Armee rief nach dem Scheitern des Vermittlungsplans am Dienstag die Menschen im nördlichen und östlichen Gazastreifen zum Verlassen ihrer Häuser auf. Der Appell betraf die Stadt Beith Lahija und die bei Gaza-Stadt gelegenen Vororte Schidschaija und Seitun. Dort leben gut 100'000 Menschen. Schon am Dienstag hatte sich die Lage gefährlich zugespitzt, nachdem binnen weniger Stunden ein Dreipunkteplan zur Beendigung der Gewalt fehlgeschlagen war.

Die Hamas lehnte den Vorschlag aber ab und feuerten auch nach Beginn einer zwölfstündigen Phase zur Deeskalation Dutzende Raketen auf Israel ab. Israel ging zunächst auf den Kairoer Plan ein, liess dann aber am Nachmittag mehr als ein Dutzend Luftangriffe fliegen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drohte zuletzt mit einer Bodenoffensive im Gazastreifen und hat Tausende Soldaten an der Grenze zu dem Gebiet zusammengezogen.

USA gegen Bodenoffensive

Doch ein solcher Schritt dürfte den Blutzoll auf beiden Seiten dramatisch erhöhen. Zudem befürchtet Israel, sich in der mit 1,7 Millionen Einwohnern dicht besiedelten Region militärisch zu verheddern. Auch die USA seien der Ansicht, dass «niemand einen Bodenkrieg sehen» solle, sagte Aussenamtssprecherin Jen Psaki in Washington.

Nach Angaben des israelischen Militärs feuerten Extremisten aus dem Gazastreifen seit dem geplanten Beginn der Waffenruhe etwa 125 Raketen ab. Polizeiangaben zufolge wurde ein israelischer Zivilist getötet, der Soldaten nahe des Gazastreifens Essen bringen wollte. Es ist das erste israelische Opfer bei den seit einer Woche andauernden Kämpfen. Im Gazastreifen wurden nach palästinensischen Angaben mehr als 203 Palästinenser getötet, rund 1520 weitere wurden verletzt.

Vorschlag für Waffenruhe nicht akzeptabel

Ein hoher Funktionär der den Gazastreifen kontrollierenden Hamas, Sami Abu Suhri, verteidigte die Ablehnung des ägyptischen Vorschlags für eine Waffenruhe. Dieser sei nicht akzeptabel, sagte er der Nachrichtenagentur AP. So sei seine Bewegung zum Dreipunkteplan nicht konsultiert worden. Die Hamas fordere von Israel und Ägypten Zusagen für eine Lockerung der Blockade des dicht bevölkerten Gazastreifens, sagte ein Berater von Hamas-Führer Chaled Maschaal, Osama Hamdan.

US-Aussenminister John Kerry kritisierte die Hamas scharf wegen des Ignorierens der Waffenruhe. «Ich kann gar nicht stark genug das Vorgehen der Hamas verurteilen», sagte er in Wien. Die USA würden sich ihrerseits weiterhin für eine Waffenruhe einsetzen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an die Hamas, hinsichtlich des ägyptischen Vorschlags zu kooperieren, wie ein UN-Sprecher sagte.

Abbas verliert massiv an Einfluss

Der palästinensische Präsident Abbas wird am Mittwoch in Kairo zu Gesprächen mit Staatschef al-Sisi erwartet. Im Anschluss will Abbas zu Unterredungen mit ranghohen Politikern in die Türkei reisen.

Seit Beginn des Konflikts wirken er und seine vom Westen unterstützte palästinensische Autonomiebehörde jedoch isoliert und einflusslos.

(ann/sda)