Nahost-Konflikt

09. Juli 2014 16:34; Akt: 09.07.2014 21:45 Print

«Iron Dome» – Israels eiserner Schutzschild

170 Raketen der Hamas hat Israel seit Dienstag abgefangen – dank «Iron Dome». Das Abwehrsystem lässt sich die israelische Regierung Hunderte Millionen kosten.

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Derzeit schiessen Hamas-Mitglieder Hunderte Raketen von Gaza aus auf israelische Städte ab. Laut «Haaretz Online» waren es seit Dienstag 170 Geschosse. Darunter sind auch Langstreckenraketen, die das gut 70 Kilometer vom Gazastreifen entfernte Tel Aviv sowie Jerusalem erreichten. TV-Bilder zeigten, wie das israelische Militär mindestens zwei Raketen über Tel Aviv vom Himmel schoss.

Gemäss dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA befinden sich zurzeit auch 240 Schweizer Reisende in Israel. Dass Raketen jedoch tatsächlich in Tel Aviv oder Jerusalem einschlagen, ist unwahrscheinlich.

Denn für den Abschuss der Hamas-Raketen zuständig ist das mobile israelische Raketensystem «Iron Dome». Ein Schutzschild, der nach Angaben der israelischen Armee feindliche Raketen mit einer Erfolgsrate von 90 Prozent abschiesst. Mittels Radar werden die Raketen der Hamas im Umkreis von rund 70 Kilometern erfasst, die Flugbahn der Geschosse berechnet und diese schliesslich mit einer drei Meter langen und 90 Kilogramm schweren israelischen Tamir-Rakete abgeschossen.

429 Millionen Dollar von den USA

Der hohen Erfolgsquote des eisernen Schutzschilds stehen die enormen Kosten gegenüber: Eine Tamir-Rakete kostet rund 40'000 Dollar, eine Qassam-Rakete der Hamas hingegen nur wenige hundert. Der «Iron Dome» verschlingt so Hunderte Millionen Dollar. Erst im März 2014 sicherten die USA Israel zu, insgesamt 429 Millionen Dollar für den «Iron Dome» zur Verfügung zu stellen. Um die Sicherheit Israels zu gewährleisten, braucht es gemäss Armee insgesamt 13 mobile Abwehrsysteme. Jedes davon kostet rund 50 Millionen Dollar.

Das «Iron Dome»-System wird von drei israelischen Firmen betrieben. Rafael Advanced Defense Systems produziert die Tamir-Raketen; Elta, ein Luftfahrt-Konzern, stellt das Radar her, und mPrest Systems das Kommando- und Kontrollsystem. Während des Konflikts im Jahr 2012 wurden gemäss «Guardian» innerhalb von drei Tagen 245 Raketen durch den «Iron Dome» abgefangen.

Trotz des «eisernen Schildes»: Einen hundertprozentigen Schutz vor einem Raketeneinschlag gibt es nicht. So heulten in den vergangenen Tagen in Jerusalem, Tel Aviv, Haifa und in den Ortschaften Beerscheva, Aschkelon und Aschdod immer wieder die Raketen-Warnsirenen. «So schlimm wie heute war es noch nie», sagte der ARD-Korrespondent Markus Rosch im «Nachtmagazin». Es gebe Raketenalarm im Minutentakt. Rosch erlebte seit 2006 drei Kriege in Nahost.

Hier holte eine Tamir eine andere Rakete vom Himmel:

(Quelle: YouTube/idfnadesk)

So funktioniert der «Iron Dome»:

(Quelle: YouTube/AFP news agency)


(bat)