Nahost-Konflikt

22. Juli 2014 01:06; Akt: 22.07.2014 01:11 Print

Häuserkampf in Gaza fordert hohen Blutzoll

Die israelische Bodenoffensive entwickelt sich zum Häuserkampf. 25 israelische Soldaten sind bereits ums Leben gekommen. Bei den Palästinensern starben 500 Menschen - viele davon Kinder.

Zum Thema
Fehler gesehen?

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon und US-Aussenminister John Kerry reisten angesichts der dramatischen Lage im Gaza in die Region. Beide wollen auf eine Einstellung der Kampfhandlungen hinarbeiten. Ein Treffen zwischen Kerry und Ban soll nach ägyptischen Angaben noch am Abend stattfinden. Der UNO-Sicherheitsrat verlangte eine sofortige Waffenruhe und den Schutz von Zivilisten. «Wir sind sehr besorgt um die Zivilisten im Kampfgebiet», hiess es in New York.

Eine Entspannung der Lage ist jedoch nicht in Sicht. Es könnten noch schwere Tage bevorstehen, kündigte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine Ausweitung der Offensive an. «Wir werden so lange weitermachen wie nötig», sagte er.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Hamas-Führer Chaled Maschaal forderten bei einem Treffen in Katars Hauptstadt Doha ein Ende der «israelischen Aggression» und eine Aufhebung der Blockade des Gazastreifens. Sie vereinbarten zudem, die Gespräche über eine Waffenruhe mit den verschiedenen palästinensischen Gruppen und den internationalen Partnern fortzuführen.

Spital unter Beschuss

Selbst Spitäler geraten mittlerweile ins Visier. Bei israelischem Artilleriebeschuss einer Klinik kamen nach palästinensischen Angaben vier Menschen ums Leben und etwa 50 wurden verletzt. Ein Grossteil der Opfer gehörten zum medizinischen Personal der Klinik in Dir el Balah, sagte der Leiter der Rettungsbehörden im Gazastreifen, Aschraf al-Kidra.

Unter den getöteten sind viele Kinder Bei einem israelischen Luftangriff auf ein Haus im Zentrum der Stadt Gaza wurden nach palästinensischen Angaben acht Menschen getötet, die Hälfte Kinder gewesen. In Rafah wurden neun Mitglieder einer Familie getötet, darunter vier Minderjährige.

Hamas-Kämpfer getötet, Tunnel gefunden

Bei Gefechten im dicht bewohnten Viertel Sadschaija sind in der Nacht zehn Hamas-Kämpfer getötet worden, teilte der israelische Militärsprecher Peter Lerner mit. Mindestens zehn weitere bewaffnete Palästinenser wurden demnach bei einem versuchten Anschlag getötet. Sie waren durch Tunnel aus dem nördlichen Gazastreifen nach Israel vorgedrungen, wie es hiess.

In Sadschaija seien mehrere Tunnel gefunden worden, sagte Lerner. Die Tunnel führen unterirdisch auf israelisches Gebiet und sollen für Anschläge und Entführungen genutzt werden. Seit Beginn des Bodeneinsatzes am Donnerstag nahm die Armee nach eigenen Angaben 20 Palästinenser fest.

Hoher Blutzoll

Auf israelischer Seite übersteigt die Zahl der Toten bereits die Verluste bei der Operation «Gegossenes Blei», die im Januar 2009 endete. Damals waren zehn Soldaten und drei Zivilisten getötet worden, bis Montagabend sind es bereits 25 Soldaten und zwei Zivilisten.

Die Zahl der getöteten Palästinenser wurde am Nachmittag mit etwa 550 angegeben, darunter nahezu 100 Kinder. Mehr als 3300 Menschen wurden bereits verletzt und bis zu 200'000 Menschen sind nach palästinensischen Angaben in dem abgeriegelten Küstenstreifen auf der Flucht. Im Gazastreifen leben rund 1,8 Millionen Menschen.

Zu Berichten der radikalislamischen Hamas über einen entführten israelischen Soldaten sagte Militärsprecher Lerner: «Wir können es nicht ausschliessen.» Man prüfe den Vorfall weiter. Der israelische UNO-Botschafter Ron Prosor hatte die Angaben der Hamas, die auch den Namen und eine persönliche Erkennungsnummer veröffentlichte, zuvor als unwahr dementiert.

(ann/sda)