Behörden greifen durch

07. Juli 2014 05:16; Akt: 07.07.2014 12:40 Print

Sechs Israelis nach Mord an Teenager verhaftet

Nach dem Mord an einem palästinensischen Teenager haben Ermittler sechs israelische Verdächtige festgenommen. Sie würden verhört, erklärten die israelischen Behörden.

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Sechs junge Männer aus dem Raum Jerusalem haben israelische Behörden verhaftet. Sie befänden sich in Gewahrsam, teilten die israelischen Behörden am Sonntag mit. Die sechs werden verdächtigt, den 16-Jährigen Mohammed Abu Chdeir umgebracht zu haben. Inzwischen vermuten auch die Behörden, dass die Mörder aus nationalistischen Motiven gehandelt haben.

Unter den Verhafteten befinden sich auch Minderjährige. Ein Auto, das von den Verdächtigen benutzt wurde, sei sichergestellt worden. Auf ihre Spur sei man bei Ermittlungen zu einer versuchten Entführung gekommen, die möglicherweise im Zusammenhang mit dem Mord an dem Teenager steht. Bei der versuchten Entführung soll es sich laut israelischen Medienberichten um einen neun Jahre alten Jungen handeln.

Mutter zweifelt an den Behörden

Die verkohlte Leiche des 16 Jahre alten Abu Chdeir wurde am Mittwoch gefunden. Er war nach vorläufigen Autopsieergebnissen bei lebendigem Leibe verbrannt worden. Palästinenser hatten von Anfang an einen Racheakt israelischer Extremisten für den Mord an drei israelischen Jugendlichen unterstellt.

Die Mutter des Getöteten begrüsste die Festnahmen, zweifelte aber an den israelischen Ermittlern. «Sie werden sie nur befragen und dann wieder entlassen», sagte sie. Sein Vater Hussein sagte, selbst wenn ganz Israel festgenommen würde, werde das seinen Sohn nicht zurückbringen.

Netanjahu: «Mord ist Mord»

Der israelische Präsident Schimon Peres betonte dagegen am Sonntag, die Behörden würden die Tötung des Jungen restlos aufklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. «Wenn Juden zu Killern werden, werden sie vor Gericht gestellt wie jeder andere Killer», sagte Peres in der Stadt Sderot.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mahnte zur Ruhe und kündigte ein hartes Vorgehen auch in den eigenen Reihen an. «Wir werden es nicht zulassen, dass Extremisten – ganz gleich auf welcher Seite – die Region aufheizen und Blutvergiessen verüben», sagte er in einer Fernsehansprache und fügte an: «Mord ist Mord, Aufwiegelung ist Aufwiegelung – und wir werden gegen beides aggressiv vorgehen.»

Angriffe auf beiden Seiten

Zuvor hatte es tagelang gewaltsame Proteste von Palästinensern wegen Abu Chdeirs Tods gegeben. Nach seinem Begräbnis am Freitag zogen sich die Proteste bis zum Samstag hin. Begonnen hatte die jüngste Zuspitzung mit dem Verschwinden der drei israelischen Jugendlichen im Westjordanland am 12. Juni. Ihre Leichen waren Anfang dieser Woche entdeckt worden. Israel macht dafür die radikalislamische Hamas verantwortlich, die den Gazastreifen dominiert.

Von dort wurden in den vergangenen Tagen immer wieder Raketen und Mörsergeschosse auf Israel abgefeuert. Am Wochenende waren es nach israelischen Angaben 29. Daraufhin schlug das israelische Militär zurück und flog nach eigenen Angaben zehn Orte im Gazastreifen an. Ziel waren demnach unter anderem Raketenwerfer und eine illegale Waffenmanufaktur.

Dabei sind nach Angaben von palästinensischen Ärzten mindestens acht Menschen getötet worden. Vier weitere sind verletzt worden. Ein für die Notfalldienste im Gazastreifen zuständiger Sprecher sagte vor Journalisten, sechs Palästinenser seien bei einem Luftschlag in der Stadt Rafah ums Leben gekommen, zwei weitere seien verletzt worden.

(ann/sda)