Nahost-Konflikt

15. Juli 2014 08:01; Akt: 15.07.2014 14:58 Print

Israel setzt Luftangriffe nach Feuerpause fort

Die von Israel einseitig akzeptierte Waffenruhe in Nahost scheint nicht zu halten. Nachdem einem Raketenbeschuss Israels, steht der Gazastreifen wieder unter Beschuss.

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Die von Israel einseitig akzeptierte Waffenruhe in Nahost scheint nicht zu halten. Die Armee habe als Reaktion auf den Raketenbeschuss Israels aus dem Gazastreifen ihre Angriffe auf das Palästinensergebiet wieder aufgenommen, bestätigte eine Armeesprecherin in Tel Aviv am Dienstag.

Israels Sicherheitskabinett hatte am Morgen einem ägyptischen Waffenruhe-Vorschlag zugestimmt. Die im Gazastreifen herrschende Hamas lehnt die Initiative bislang ab. Militante Palästinenser feuerten seitdem Dutzende von Raketen auf Israel ab.

Die israelische Zeitung «Haaretz» berichtete unter Berufung auf einen ranghohen israelischen Repräsentanten, der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe die Armee daraufhin angewiesen, wieder Ziele im Gazastreifen anzugreifen. Es seien «harte Schläge gegen Terrorziele in Gaza» genehmigt worden.

Netanjahu hatte zuvor eine Verstärkung der Angriffe im Gazastreifen angedroht, sollte die radikal-islamische Hamas die Waffenruhe nicht einhalten.

Ägypten mit Friedensplan

Nach einer Woche heftiger Gefechte zwischen Israel und der palästinensischen Hamas mit mindestens unternahm Kairo einen Versuch um Frieden zu stiften: Ägypten hat einen Dreipunkte-Plan für eine Waffenruhe präsentiert. Das israelische Kabinett hat den Plan akzeptiert.

Die radikal-islamische Hamas lehnte den Plan der Ägypter hingegen ab. «Ein Waffenstillstand ohne eine Einigung (mit Israel) ist ausgeschlossen», sagte Hamas-Sprecher Fausi Barhum am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. «In Zeiten des Krieges lässt man nicht die Waffen ruhen, um anschliessend zu verhandeln.» Die Hamas habe kein offizielles Angebot erhalten, fügte Barhum hinzu. Auch der bewaffnete Arm der Hamas, die Essedin-al-Kassam-Brigaden, lehnte den Vorschlag ab. Das Blutvergiessen unter den Palästinensern werde nicht umsonst sein. Der Vorschlag Ägyptens sei «nicht die Tinte wert, mit der er geschrieben ist».

Druck auf die Konfliktparteien

Bei einer Dringlichkeitssitzung zum Gaza-Konflikt forderten die Aussenminister der Arabischen Liga Israel und die Hamas dazu auf, den ägyptischen Vorschlag umzusetzen. Auch die US-Regierung und der Sondergesandte des Nahost-Quartetts, Tony Blair, begrüssten die Initiative aus Kairo.

Die Zahl der Toten im Gazastreifen stieg unterdessen auf 194. 1400 Menschen seien binnen einer Woche bei den massiven israelischen Luftangriffen verletzt worden, teilte der Leiter der palästinensischen Rettungsdienste, Aschraf al-Kidra, mit. Nach UNO-Angaben sind viele der Opfer Frauen und Kinder. Laut dem UNO-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) suchten 17'000 Menschen in von ihm geführten Schulen Zuflucht.

Fahrplan und Feuerpause

Der hohe Blutzoll verstärkt den internationalen Druck auf die Konfliktparteien, die Kämpfe zu stoppen. Dazu legte Kairo nach langem Ringen am Montagabend einen Fahrplan vor, der zum Dienstagmorgen ab 8 Uhr (MESZ) greifen solle: Erster Schritt sei eine Feuerpause, die binnen zwölf Stunden von allen Seiten vorbehaltlos angenommen werden solle, teilte Ägyptens Aussenministerium mit.

Anschliessend soll über den Eintritt von Waren und Personen in den abgeriegelten Gazastreifen verhandelt werden.

(sda)