Grenzstreit

06. Juni 2011 13:33; Akt: 07.06.2011 17:18 Print

Ägypten kriegt kalte Füsse am Gazastreifen

von Kian Ramezani - Eigentlich haben die Ägypter ihre Grenze zum Gazastreifen dauerhaft geöffnet. Ganz wohl ist ihnen dabei nicht. Aus Angst vor Extremisten lassen sie nur wenige passieren.

Palästinenser machen ihrem Unmut Luft, nachdem sie am Samstag am Grenzübergang Rafah zurück in den Gazastreifen geschickt wurden. (Video: Youtube/jehadx)
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Die Aufregung – Freude auf Seiten der Palästinenser, Unmut bei den Israelis – war gross, als die ägyptische Militärregierung am 28. Mai den Grenzübergang Rafah zum Gazastreifen öffnete und damit die vierjährige Blockade des von der Hamas kontrollierten Palästinensergebiets beendete. Beobachter werteten den unerwarteten Schritt als Ausdruck der Versöhnung zwischen den rivalisierenden Fatah und Hamas sowie der veränderten aussenpolitischen Prioritäten im post-revolutionären Ägypten. Eine Woche später wird zunehmend deutlich, dass sich die Angelegenheit wesentlich komplizierter gestaltet als angenommen.

So dürfen nur Frauen sowie Männer unter 18 und über 40 einreisen. Die Risikogruppe junger Männer, die den Hauptteil potentieller Grenzgänger ausmachen dürfte, braucht hierzu ein Visum. Ägypten hat am vergangenen Donnerstag erklärt, lediglich 350 bis 400 Menschen pro Tag passieren zu lassen. Mehr Bewegungen könne die technische und logistische Infrastruktur in Rafah derzeit nicht bewältigen.

Scharmützel nach einseitiger Schliessung

Am vergangenen Samstag kam es schliesslich zum Eklat: Ägypten machte den Grenzübergang dicht, angeblich wegen Unterhaltsarbeiten. Daraufhin kam es zu einem Scharmützel mit rund 200 Palästinensern, die stundenlang vergeblich in der Sonne auf die Ausreise gewartet hatten. Am Sonntag entschied die Hamas, den Grenzübergang ihrerseits zu schliessen.

«Wir wollen von der ägyptischen Führung wissen, ob die Reiseerleichterungen immer noch bestehen», wurde Hatem Oweida, Chef der Hamas-Grenzbehörde, von Reuters zitiert. «Wir wollen wissen, wie viele Leute pro Tag passieren dürfen und wir verlangen von unseren ägyptischen Brüdern, dass sie die Abwicklung beschleunigen.» Sein Mitarbeiter Salameh Baraka sagte laut der israelischen Zeitung «Jerusalem Post», dass die Zahl 400 zu tief sei und in Rafah problemlos 1000 Personen pro Tag abgefertigt werden könnten.

Druck der USA und Israel?

Über die Gründe, warum die Ägypter plötzlich kalte Füsse bekommen haben könnten, wird seither wild spekuliert. Deren Beteuerungen, das Problem sei rein technisch-logistischer Natur, mag niemand so richtig glauben. Erste Erklärungsversuche zeigten in Richtung Washington und Jerusalem, die Kairo unter Druck gesetzt haben sollen, der radikal-islamischen Hamas nicht zu weit entgegen zu kommen.

In eine ähnliche Richtung zielt die Vermutung, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas habe Ägypten bei seinem Besuch in Kairo vergangene Woche um die Reisebeschränkungen gebeten. Damit wolle er einen Popularitätsschub der Hamas zu Ungunsten seiner Fatah-Fraktion verhindern. Diese hat die Anschuldigungen vehement zurückgewiesen.

Angst vor Destabilisierung des Sinais

Einige Beobachter sehen in der ägyptischen Haltung hingegen eigene Interessen im Spiel. Demnach regulieren sie den Zustrom der Palästinenser derart streng, um die ohnehin fragile Sicherheitslage im Sinai nicht weiter zu gefährden. In den vergangenen Wochen und Monaten kam es hier wiederholt zu gewalttätigen Zusammenstössen zwischen verfeindeten Beduinenstämmen sowie zwischen Demonstranten und Polizeikräften. Gerüchten zufolge fahnden ägyptische Sicherheitskräfte im Sinai zudem nach Al-Kaida-Mitgliedern, die sich die schlechte Sicherheitslage zu Nutzen machen wollen.

Eine originelle, aber wenig glaubhafte Erklärung sieht die Schuld bei der Hamas. Diese soll um ihre Investitionen in Schmuggeltunnels besorgt sein und deshalb die Grenzbewegungen durch Rafah künstlich tief halten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Adrian am 07.06.2011 19:48 Report Diesen Beitrag melden

    unbeliebte Palästinenser

    Die arabischen Staaten benützen nur die Palästinenser, um gegen Israel zu wettern. Jedoch sind sie unbeliebt bei den Nachbarn und diese wollen keinesfalls mehr Flüchtlinge in ihren Ländern haben.

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  • Thomas am 07.06.2011 19:48 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffnung ?

    gebt Ihnen die Golanhöhen und das Wasser zurück. Und akzeptiert als Verhandlungsgrundlage einen Staat in den Grenzen vorm 6 Tage Krieg. Man trifft sich in der Mitte. Es kann nur besser werden.

  • Free Palästina am 09.06.2011 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Kalte Füsse?

    Was heisst hier kalte Füsse? Israel währe ohne Amerika niemand. Ägypten hat eines der besten Militärs im Nahost und das weiss Amerika, denn die yankees selber haben sie aufgerüstet ;). Wenn Palästina nicht anerkennt wird, dann wirds nie Frieden geben, fragt mal die orthodoxen Rabbis? Israel ist ein Mythos und gab es früher auch nicht! Bitte Geschichtsuntericht besuchen, die behaupten, Israel gab es früher schon!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Free Palästina am 09.06.2011 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Kalte Füsse?

    Was heisst hier kalte Füsse? Israel währe ohne Amerika niemand. Ägypten hat eines der besten Militärs im Nahost und das weiss Amerika, denn die yankees selber haben sie aufgerüstet ;). Wenn Palästina nicht anerkennt wird, dann wirds nie Frieden geben, fragt mal die orthodoxen Rabbis? Israel ist ein Mythos und gab es früher auch nicht! Bitte Geschichtsuntericht besuchen, die behaupten, Israel gab es früher schon!

    • Robi am 27.06.2011 11:52 Report Diesen Beitrag melden

      Geschichtsunterricht??

      1. Es gibt Israel jetzt! 2. Bis jetzt haben die Isrealis auch ohne Amerikaner jeden Angriff auf Ihr Land abgewehrt. 3. Wenn es im gegensatz zum Königreich "Israel" (ca.1000 v.Chr.) etwas noch nie gegeben hat, dann ein Land namens Palästina, ausser du meinst damit den Namen für eine Gebiet unter fremden Mandat, wie es die Römer ja dazumals nannten.

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  • Marius Schneider am 08.06.2011 06:30 Report Diesen Beitrag melden

    Klein wenig Geschichtskunde tät hier not

    Geht einmal auf Wikipedia unter dem Begriff Palästina suchen: Als Palästina - Bevölkerung Palästinänser - bezeichnet man ein Gebiet vom heutigen Israel, Golan, Gazastreifen, Westjordanland bis und mit Jordanien!

    • Urs Schöner am 08.06.2011 10:04 Report Diesen Beitrag melden

      @Marius Schneider

      Wenn ich mir Bilder von Menschen aus diesem Gebiet anschaue, kann ich zwischen Palästinenser und Israelis keinen Unterschied erkennen (mal abgesehen von der Armut der Palästinenser). Ein Bruderkrieg, als ob Bern und Luzern gegeneinander Kieg führen würden.

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  • Thomas am 07.06.2011 19:48 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffnung ?

    gebt Ihnen die Golanhöhen und das Wasser zurück. Und akzeptiert als Verhandlungsgrundlage einen Staat in den Grenzen vorm 6 Tage Krieg. Man trifft sich in der Mitte. Es kann nur besser werden.

  • Adrian am 07.06.2011 19:48 Report Diesen Beitrag melden

    unbeliebte Palästinenser

    Die arabischen Staaten benützen nur die Palästinenser, um gegen Israel zu wettern. Jedoch sind sie unbeliebt bei den Nachbarn und diese wollen keinesfalls mehr Flüchtlinge in ihren Ländern haben.

    • Robi am 27.06.2011 11:55 Report Diesen Beitrag melden

      nur Marionetten

      Du hast es genau erkannt die Palästinenser waren seit jeher nur ein politisches Druckmittel. Deshalb hatt man Sie ja auch niergends reingelassen als Sie 1947 geflüchtet sind.

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  • Christoph Rüegg am 07.06.2011 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Vollmundigkeiten

    Ich lach mich schlapp! Wo sind nun all die lautstarken Israelgegner, die dachten, dass Ägypten einseitig die Grenzen öffnet und damit den unkontrollierten Terror aus Gaza zu sich reinlässt?

    • Christian Richter am 07.06.2011 20:47 Report Diesen Beitrag melden

      Terror?

      Wer terrorisiert hier wen? Das ist hier die Frage. Palästinenser werden seit X Jahren unterdrückt und ausgelaugt! Und die Zionisten bauen munter weiter auf palästinensischem Gebiet. Darf doch nicht wahr sein, dass sich Menschen wie Christoph so enorm blenden lassen. Ganze Hilfsflotten werden von den Zionisten geentert! Haubtsache Gaza geht drauf. traurige Gesellschaft.

    • Esra S. Wyler am 07.06.2011 20:53 Report Diesen Beitrag melden

      Vollmundigkeiten

      Was Sie, Herr Rüegg, mitIhrem Kommentar aussagen wollen ist völlig schleierhaft. Klar ist jedoch, dass unter dem Umständen und dem Terror im und um den Gazastreifen Menschen beidseitig der Grenzen leiden. Darüber zu lachen zeugt nicht gerade von grossem Verständnis.

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