Unrechtsstaat Nordkorea

19. Dezember 2011 16:19; Akt: 19.12.2011 18:09 Print

Der alltägliche Horror in Kims Reich

von Peter Blunschi - Kim Jong-Il wurde im Westen oft als Witzfigur betrachtet. In Wirklichkeit gibt es in Nordkorea nichts zu lachen: Hunger und Unterdrückung sind die traurige Realität.

Reportage über unterernährte Kinder in Nordkorea. (Video: Reuters/YouTube)
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Es ist der wohl schlechteste Kim-Witz überhaupt: Nordkorea hat sowohl den Zivilpakt wie auch den Sozialpakt der Vereinten Nationen unterzeichnet. Die beiden Abkommen verpflichten zur Einhaltung grundlegender Menschenrechte. Kein Staat ist davon weiter entfernt als Nordkorea. Unter der Herrschaft von Familie Kim wurde das Land nicht nur vom Rest der Welt abgeschottet, es gilt auch als das totalitärste System auf dem Planeten.

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Kim Jong-Il ist tot. Glauben Sie, dass der komplett abgeschottete Staat Nordkorea sich jetzt langsam öffnen wird?
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Nach 60 Jahren Kommunismus kann das Land nicht einmal die grundlegenden Bedürfnisse seiner Bevölkerung befriedigen. Vor allem in den ländlichen Gebieten leiden die Menschen an permanenter Unterernährung. Das Problem begann mit dem Kollaps der Sowjetunion vor 20 Jahren, als auf einen Schlag der wichtigste Handelspartner wegfiel. Mehrere schwere Überschwemmungen führten ab Mitte der 90er Jahre zu einer verheerenden Hungersnot, der nach internationalen Schätzungen bis zu einer Million Menschen zum Opfer fielen.

40 000 Kinder akut unterernährt

Seither hat sich das Problem nie mehr wirklich entschärft, nicht zuletzt aufgrund chronischer Misswirtschaft. Die internationale Hilfsbereitschaft war zuletzt jedoch eher am Schwinden. Nachbar Südkorea nimmt seit der Wahl des Hardliners Lee Myung-Bak zum Präsidenten eine deutlich kritischere Haltung ein. So soll der Norden im Hinblick auf den 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il-Sung im April 2012 gezielt Nahrungsmittel horten. Weiter wird kritisiert, dass Nordkorea seine wenigen Devisen primär für das Militär ausgibt.

Ein Reporter des humanitäre Newsdienstes AlertNet durfte deshalb im Oktober erstmals die wichtigste Landwirtschaftsregion bereisen. Sein Befund ist alarmierend: Vor allem Kinder leiden unter Mangel- und Unterernährung (siehe Video). Die UNO-Kinderhilfswerk UNICEF schätzt, dass jährlich rund 40 000 nordkoreanische Kinder «akut unterernährt» sind. Auch die UNO zeichnete im Oktober ein bedenkliches Bild: Sechs Millionen Menschen sind im isolierten Land von Hunger bedroht – das wäre etwa jeder vierte Einwohner.

Horror in Kims Gulag

Der Hunger ist jedoch nur ein Aspekt der Misere: Wer es wagt, dem System Kim zu widersprechen, wird drakonisch bestraft. Es gibt in Nordkorea etwa sechs grosse Straflager und weitere zwölf bis fünfzehn «Umerziehungslager». In diesen findet zusätzlich zur Sklavenarbeit in Fabriken, Bergwerken oder Landwirtschaft noch ideologische Indoktrinierung statt. Wer nicht genügend leistet oder sonst negativ auffällt, muss mit dem Schlimmsten rechnen, in Form von Folter und öffentlicher Hinrichtung.

Aufgrund der ohnehin schlechten Nahrungsmittellage leben die Gefangenen zudem meist am Rande des Hungertods. Kang Cheol-Hwan, der zehn Jahre im Straflager Yodok verbracht hatte und nach Südkorea flüchten konnte, schilderte gegenüber der BBC die düstere Realität: «Wir waren dermassen unterernährt, dass wir Ratten und Regenwürmer gegessen haben, um zu überleben.» Rund 30 Prozent der Gefangenen seien gestorben.

Kang sass laut BBC wegen «politischer Verbrechen» seiner Familie im Lager. Sippenhaft ist für politische Gefangene in Nordkorea die Regel. Oft werden mehrere Generationen gemeinsam eingesperrt und verbringen den Rest ihres Lebens im Lager. Das Gulag-System wurde in den letzten Jahren ständig ausgebaut, wie Satellitenbilder zeigen. Ein UNO-Sonderberichterstatter bezifferte im Oktober die Zahl der Lagerinsassen auf bis 200 000.

Chinesische Handys als Infoquelle

Selbst wer ein halbwegs «normales» Leben führen kann, muss mit zahlreichen Einschränkungen klar kommen. So dürfen Nordkoreaner ihren Wohnort nur mit Erlaubnis der Behörden verlassen. Fernseh- und Radiogeräte werden von der Regierung verteilt und dürfen nicht verändert werden. Trotzdem empfangen viele Menschen heimlich Programme aus dem Süden. Werden sie dabei ertappt, sind laut Amnesty International lange Gefängnis- und Lagerstrafen die Regel. Der Zugang zu Internet und Mobilfunk ist stark eingeschränkt.

Trotz brutaler Repression wollen sich immer weniger Nordkoreaner mit den Verhältnissen abfinden. Tausende versuchen jedes Jahr, ins Ausland zu flüchten, was nicht einfach ist, denn die Grenze nach Süden ist hermetisch abgeriegelt. Viele versuchen es über China, wo sie riskieren, erwischt, zurückgeschafft und ins Lager gesteckt zu werden. Auch werden immer mehr chinesische Handys nach Nordkorea geschmuggelt. Sie ermöglichen zumindest in der Nähe der Grenze über das chinesische Netz eine Kommunikation mit der Aussenwelt.

Für Schlagzeilen sorgte der Fall eines Fabrikarbeiters, der Anfang 2010 öffentlich hingerichtet worden war. Er hatte mit einem China-Handy Informationen über das Leben im Norden an einen nach Südkorea geflüchteten Freund übermittelt. Solche Episoden zeigen, dass der nordkoreanische Beton zumindest kleine Risse aufzuweisen beginnt. Hoffnungen auf einen raschen Wandel nach dem Tod von Kim Jong-Il sind dennoch nicht angebracht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Böhnisch am 20.12.2011 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Horde von Vollidioten?

    Ich stelle fest, dass sich in den Kommentaren dieser "Zeitung" noch immer eine Horde von Vollidioten findet, welche glaubt, den Steinzeit-Kommunismus von Korea (und früher auch von Kambodscha) verniedlichen zu müssen. Ich kann es nicht fassen, dass es in unserem, angeblich zivilisierten Land, noch solche Volldeppen gibt. Man sollte sie alle einschläfern!

  • Mathias am 19.12.2011 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Danke für die Infos

    Sehr gut, vielen Dank für diesen sehr interessanten Beitrag! Es ist sehr schwierig an Informationen über Nordkorea heran zu kommen. Dazu ist der Text meiner Meinung nach objektiv und Neutral verfasst. Super! Freue mich auf neue Infos!

  • Hans am 19.12.2011 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Pulverfass

    Nordkorea ist ein Pulverfass, das in naher Zukunft explodieren könnte, Glaubt mir, auch dort wird es eines Tages zu einer Revolution kommen! Wer hätte den vor 3 Jahren gedacht, dass der Gaddafi gestürzt wird? - Niemand.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Böhnisch am 20.12.2011 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Horde von Vollidioten?

    Ich stelle fest, dass sich in den Kommentaren dieser "Zeitung" noch immer eine Horde von Vollidioten findet, welche glaubt, den Steinzeit-Kommunismus von Korea (und früher auch von Kambodscha) verniedlichen zu müssen. Ich kann es nicht fassen, dass es in unserem, angeblich zivilisierten Land, noch solche Volldeppen gibt. Man sollte sie alle einschläfern!

  • Joseph Stalin am 20.12.2011 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Kim Yong Il, Erfinder des Hamburgers

    Im real existierenden Kommunismus (dem Arbeiter und Bauernparadies) ist doch alles prima.Leider ist einer der letzten grossen Chefs dieser einzig wahren Existenzformen wegen geistiger und körpelicher Überarbeitung von uns gegangen.Ist auch nicht weiter bedenklich wenn mindestens 25% der Bevölkerung direkt vom Hungertode bedroht sind, Hauptsache sie haben grosses Atom-Bumm.An alle Hobbykommunisten da draussen:so sieht euer Schwachsinn mit eurer internationalen Solidarität aus.Solange sich eine Nation Atomwaffen leistet gehört jegliche Hilfe der Staatengemeinschaft eingestellt.

  • Hans am 19.12.2011 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Pulverfass

    Nordkorea ist ein Pulverfass, das in naher Zukunft explodieren könnte, Glaubt mir, auch dort wird es eines Tages zu einer Revolution kommen! Wer hätte den vor 3 Jahren gedacht, dass der Gaddafi gestürzt wird? - Niemand.

    • Ricardo Granda am 20.12.2011 07:24 Report Diesen Beitrag melden

      Tobias Küng

      Es ist schon ein bisschen komisch, die geschriebene Wahrheit von Willy. Was nicht komisch, sondern irgendwie kommunistisch klingt, ist die Antwort von Tobias Küng.

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  • Flo Mixi am 19.12.2011 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoi

    Hahaha

  • wache augen am 19.12.2011 18:15 Report Diesen Beitrag melden

    beweise? wer weiss wer diese kinder sind

    und jetzt soll ich das einfach so kauen? usa hat mit embargo-sanktionen gegen nordkorea millionen von menschen getötet. das soll man nicht vergessen.