Nach Kim Jong-Il

20. Dezember 2011 17:29; Akt: 20.12.2011 17:29 Print

Wie weiter mit Nordkoreas Atomwaffen?

Die USA standen kurz vor einem neuen Atom-Abkommen mit Pjöngjang. Doch nach dem Tod von Kim Jong-Il blickt die Welt mit Besorgnis auf Nordkoreas nukleares Arsenal.

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Die USA und Nordkorea unterzeichnen ein Abkommen: Pjöngjang stellt sein laufendes Atomprogramm ein und erhält im Gegenzug Hilfe beim Bau von Leichtwasserreaktoren. Nordkorea schiesst vermutlich eine Rakete über Japan in den Pazifik und spricht von einem Satellitenprojekt. Nordkorea sagt zu, die Tests mit Langstreckenraketen einzufrieren. US-Präsident George W. Bush wirft Nordkorea, Irak und Iran im Januar vor, als «Achse des Bösen» nach Massenvernichtungswaffen zu streben. Die USA, die EU, Japan und Südkorea verständigen sich daraufhin auf einen Stopp der Öllieferungen. Im Dezember kündigt Pjöngjang die Reaktivierung des 1994 eingestellten Plutonium-Projekts an und verweist die Inspektoren der IAEO des Landes. Nordkorea kündigt den Atomwaffensperrvertrag, welchen sie 1985 unterzeichneten. Im Februar geht in der Atomanlage Yongbyon ein Reaktor wieder in Betrieb. Erste Atomgespräche mit den USA, China, Japan, Russland und Südkorea im August bleiben ergebnislos. Im Oktober testet Nordkorea, wie schon im März, Boden-Schiff-Raketen. : Sieben Raketen werden ins Japanische Meer abgefeuert. Der Weltsicherheitsrat verlangt die Einstellung des Raketenprogramms. Im testet Nordkorea erstmals unterirdisch einen Atomsprengsatz. Start einer Langstreckenrakete mit dem erklärten Zweck, einen Satelliten in den Orbit zu schiessen. Der Weltsicherheitsrat verurteilt den Raketenabschuss. Am beginnt Nordkorea nach eigenen Angaben mit der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennstäbe aus seinem Kernreaktor. Am gibt Nordkorea zum zweiten Mal einen erfolgreichen unterirdischen Atomtest bekannt und zieht damit umgehend internationale Kritik auf sich. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldet, nach dem Atomtest habe Nordkorea zudem drei Kurzstreckenraketen abgefeuert. Nordkoreanische Militärs und Zivilisten versammeln sich am 26. Mai in Pjöngjang und feiern den zweiten Atomwaffentest.

Die Entwicklung des nordkoreanischen Atomprogramms.

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Der Deal schien so gut wie besiegelt: Am Sonntag meldeten Nachrichtenagenturen, die USA würden in den kommenden Tagen eine Lieferung von 240 000 Tonnen Nahrungsmitteln an das ausgehungerte Nordkorea bekannt geben. Im Gegenzug könnte das Regime in Pjöngjang einem Abkommen über die Aussetzung seines umstrittenen Programms zur Urananreicherung zustimmen, schrieb die Agentur AP mit Berufung auf Unterhändler.

Bei den seit dem Sommer in Genf und Peking stattfindenden Verhandlungen sei erreicht worden, dass Nordkorea seine Tests von Atom- sowie ballistischen Raketen aussetzt und die Kontrolleure der Internationalen Atomenergiebehörde wieder ins Land lässt, hiess es weiter. Mit der Vereinbarung sollten auch die Sechs-Parteien-Gespräche über Nordkoreas Atomprogramm mit Südkorea, China, den USA, Japan und Russland wiederbelebt werden.

Atomwaffen als «Lebensversicherung»

Zu jenem Zeitpunkt war Machthaber Kim Jong-Il jedoch bereits tot. Nun liegt der Deal, den die USA als grossen Erfolg verbuchen könnten, auf Eis. Wie es weitergeht, ist völlig unklar. «Wir respektieren die Staatstrauer in Nordkorea», sagte Victoria Nuland, eine Sprecherin des US-Aussenministeriums, am Montag. Ein hoher Beamter zeigte sich gegenüber der «Huffington Post» zuversichtlich, dass die Verhandlungen danach wieder aufgenommen werden.

Die USA, aber auch China und die anderen Staaten haben grosses Interesse an einer Neuauflage der Sechs-Parteien-Gespräche. Nordkoreas Atomwaffen gelten als Quelle der Instabilität, insbesondere in der unklaren Übergangsphase nach Kim Jong-Ils Tod. Für den Diktator waren sie eine Art «Lebensversicherung». Nordkorea hat zwar eine riesige Armee mit mehr als einer Million Soldaten, doch deren Ausrüstung ist veraltet, auch fehlt es an Treibstoff, Ersatzteilen und Munition. In einem konventionellen Krieg hätte sie keine Chance.

Zwei angebliche Tests

Nordkorea schockte am 9. Oktober 2006 die Welt, als es seine erste Atombombe zündete. Allerdings zweifeln inzwischen viele an der Darstellung der Nordkoreaner und vermuten die Zündung einer grossen konventionellen Bombe. Zweieinhalb Jahre später – im Mai 2009 – testeten die Nordkoreaner tatsächlich eine A-Bombe. Dieser Test und auch der Abschuss einer Trägerrakete einen Monat zuvor waren vom UNO-Sicherheit verurteilt worden. Als Reaktion zog sich Pjöngjang darauf von den Sechs-Parteien-Gesprächen zurück.

Die nordkoreanische Propaganda berichtete von Fortschritten bei der Produktion von schwach angereichertem Uran. Die US-Regierung befürchtet, dass das Uran-Programm letztlich auch dem Bau von Atomwaffen dient. Für die Herstellung von Atomsprengköpfen muss jedoch sehr hoch angereichertes Uran vorliegen. Experten sind sich nicht einig, wie gross das Arsenal ist. Nordkorea dürfte aber über mehrere Atombomben verfügen. Von einer Verwendung als Raketensprengköpfe soll das Land aber noch Jahre entfernt sein.

Raketen als Exportschlager

Allerdings verfügt Nordkorea schon heute über ein grosses Arsenal an Kurz- und Mittelstreckenraketen. Eine solche wurde am Montag kurz nach der Bekanntgabe von Kim Jong-Ils Tod getestet, möglicherweise im Sinne eines «Warnschusses» an die Aussenwelt. Ausserdem arbeitet Nordkorea seit Jahren an der Langstreckenrakete Taepodong-2, die theoretisch Alaska oder Hawaii erreichen könnte. Die drei bisherigen Tests waren nach Ansicht internationaler Experten jedoch ein Fehlschlag.

Der Export von Raketentechnik ist eine lukrative Einnahmequelle für das arme Nordkorea. Als Käufer sollen der Iran, Syrien und Pakistan aufgetreten sein. Auch der mutmassliche syrische Atomreaktor, den Israel 2007 zerstört hat, soll von Nordkorea geliefert worden sein. Ausserdem gab es Gerüchte, wonach Pjöngjang die burmesische Militärjunta heimlich bei der Entwicklung eines eigenen Atomprogramms unterstützt hat.

«Sehr heikle» Übergangsphase

Fachleute befürchten nach dem Tod von Kim Jong-Il eine wachsende Bedrohung durch Nordkoreas Nukleararsenal. Der Atomexperte Mark Fitzpatrick vom International Institute for Strategic Studies IISS in London sprach von einer «sehr heiklen Situation». Im Falle eines internen Machtkampfes sei eine Atomwaffe «ein entscheidendes Instrument.» Die Übergangsperiode bis zu einer neuen Regierung um Kim Jong-Un könne mehr als zwei Jahre dauern. Fitzpatrick erwartet «eine Phase der Instabilität und Unberechenbarkeit.»

Andere Experten zeigen sich weniger besorgt: Nordkoreas Elite sei ziemlich rational veranlagt, sie wisse, dass der Einsatz einer Atombombe ihr eigener Untergang wäre. Ausserdem sind Nordkoreas Atomwaffen ein beliebtes Mittel, um internationale Hilfe zu «erpressen». Möglich seien dagegen Provokationen wie die Beschiessung einer südkoreanischen Insel oder die Versenkung eines Kriegsschiffs im letzten Jahr, mit denen Kim Jong-Un versuchen könnte, seine Machtposition zu festigen.

(pbl/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hallo123 am 20.12.2011 23:02 Report Diesen Beitrag melden

    Der gute Westen

    Damit ist noch ein kleines Stück aus dem kalten Krieg verblieben und die USA befürchten den Präventivschlag wie schon früher von der UdSSR. Zum Glück sind die Amis gut und hatten keine kriegerischen Auseinandersetzungen in den letzten Jahren...

  • Tschannen Werner am 20.12.2011 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    bessere Frage....

    wie weiter mit Chinas Atomwaffen, oder mit Frankreichs, oder mit Israels oder mit den Amerikanischen? Was soll diese Frage, einfach sein lassen....

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  • J. Larsson am 21.12.2011 02:47 Report Diesen Beitrag melden

    Nordkorea= westliche Welt!?

    Wenn jemand Nordkorea mit den USA vergleicht, dann vergleicht es im Grunde genommen Nordkorea mit der westlichen, demokratischen Welt, also auch mit der Schweiz! Sind wir wirklich auf gleicher Stufe mit Nordkorea!? Lassen wir auch unsere eigenen Bürger den Hungertod erleiden!? Bedrohen auch wir unsere Nachbarn und die Welt!? Erpressen auch wir Güter von anderen Nationen!? Haben auch wir eine Diktatur!? enn ja, dann sind wir wirklich wie NK, wenn nein, dann Bitte seriös bleiben!

Die neusten Leser-Kommentare

  • J. Larsson am 21.12.2011 02:47 Report Diesen Beitrag melden

    Nordkorea= westliche Welt!?

    Wenn jemand Nordkorea mit den USA vergleicht, dann vergleicht es im Grunde genommen Nordkorea mit der westlichen, demokratischen Welt, also auch mit der Schweiz! Sind wir wirklich auf gleicher Stufe mit Nordkorea!? Lassen wir auch unsere eigenen Bürger den Hungertod erleiden!? Bedrohen auch wir unsere Nachbarn und die Welt!? Erpressen auch wir Güter von anderen Nationen!? Haben auch wir eine Diktatur!? enn ja, dann sind wir wirklich wie NK, wenn nein, dann Bitte seriös bleiben!

  • Hallo123 am 20.12.2011 23:02 Report Diesen Beitrag melden

    Der gute Westen

    Damit ist noch ein kleines Stück aus dem kalten Krieg verblieben und die USA befürchten den Präventivschlag wie schon früher von der UdSSR. Zum Glück sind die Amis gut und hatten keine kriegerischen Auseinandersetzungen in den letzten Jahren...

  • Pius am 20.12.2011 20:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wie weiter mit US Luftangriffen?

    Die Frage stellt sich nicht wie weiter mit Nordkorea sondern eher wie weiter mit den USA und ihren ständigen Angriffen weltweit auf Kleinstaaten? Nordkorea hat gar nichts gemacht und schon überlegt man sich wie man dort ein paar Bomben abwerfen kann. Lasst die Kleinen auch mal den Grossen spielen. Die USA sind für mich wie Berlusconi, der einfach nur das Sagen haben will und Nordkorea sein Konkurrent, der Berlusconi ständig kritisiert.

    • B. Wenger am 21.12.2011 02:21 Report Diesen Beitrag melden

      Kirche im Dorf lassen!

      Nordkorea hat gar nichts gemacht!? Wo leben Sie den!? Nordkorea lässt, unter anderem, das eigene Volk verhungern, was würde es mit fremden Völkern tun, wenn es könnte!? Nur Dank dieser "US-Luftangriife" gibt es Europa noch, ist Libyen befreit, ist das Abschlachten in Bosnien und Kosovo beendet worden, ist Saddam gestürzt worden(zur Erinnerung Dorf Halabdscha), ist bin Laden keine Bedrohung mehr usw.! Lassen Sie doch die Kirchem im Dorf, ohne die USA würden wir heute hier in Europa nicht so im Wohlstand "schwimmen" und hätten keine Zeit, Kritik an irgengjemanden zu üben!

    • Stefan am 21.12.2011 08:36 Report Diesen Beitrag melden

      Ach nein

      ??? Sorry, aber hat da jemand was "komplett falsch" verstanden? Lasst die Kleinen mal den Grossen spielen? Pius, ich empfehle, sich über die Festtag mal mit der Literatur des Landes vertraut zu machen.

    • Mr. XYZ am 21.12.2011 11:49 Report Diesen Beitrag melden

      "die USA sind für mich wie Berlusconi"

      yes, baby, bunga bunga 3

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  • Tschannen Werner am 20.12.2011 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    bessere Frage....

    wie weiter mit Chinas Atomwaffen, oder mit Frankreichs, oder mit Israels oder mit den Amerikanischen? Was soll diese Frage, einfach sein lassen....

    • Be Sorgt am 20.12.2011 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Hinkender Vergleich

      Diese Staaten lassen sich nunmal überhaupt nicht miteinander vergleichen. Nordkorea gehört zu den unberechenbarsten und damit gefährlichsten Staaten der Welt.

    • Beni am 21.12.2011 00:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Be Sorgt

      Ach und was ist mit den Anerikanern? Mittlerweile weiss doch die ganze Welt was das für eine Regierung ist...

    • S. Frei am 21.12.2011 02:39 Report Diesen Beitrag melden

      NK-Politik: Dialog= Schwäche!

      Noch bessere Frage: Was machen wir, wenn Nordkorea seine Atomwaffen gegen, sagen wir mal, Europa einsetzt!? Egal wo in Europa, die Schweiz wäre ebenfalls betroffen! Darf Nordkorea Atomwaffen besitzen!? Wollen wir diese Frage immernoch sein lassen!? Nordkorea versteht den Dialog als Schwäche, die Sprache der Gewalt als Stärke! Genau aus diesem Grund versenkt es Südkoreanische Schiffe oder greift Südkoreanische Dörfer an! Im Gegenzug bekommt es GRATIS Nahrungsmittel für die Hungerleidende Bevölkerung und seine eigenen Mittel setzt es zur Entwicklung von Atomwaffen ein, was für ein Staat!

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  • freud am 20.12.2011 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    ganz einfach

    NK`s atomwaffen dienen zur abschreckung und verteidigung, also, einfach die nordkoreaner in ruhe lassen!

    • maoistischer Kommunist am 20.12.2011 18:13 Report Diesen Beitrag melden

      Ausnahmsweise einverstanden

      Sie haben Recht, freud!

    • freud am 20.12.2011 20:49 Report Diesen Beitrag melden

      freud

      aber das Sind die Staaten die einen krieg beginnen werden,über das müssen wir uns sorgen machen oder

    • U. Müller am 21.12.2011 02:30 Report Diesen Beitrag melden

      Demokratie, ein Fremdwort in NK!

      Tatsächlich, zur Abschreckung! Wieso besorgen auch wir uns keine Atomwaffen!? Ahaaaa, weil uns die NATO und damit die Amerikaner schützen! Wieso setzt Nordkorea seine Atomwaffen nicht ein!? Weil sie so eine friedliche Nation sind!? Natürlich nicht, nur weil es die Amerikaner gibt, sonst wären, zuerst, Japan und Südkorea nur noch ein Atomverseuchter Erdteil! In den USA werden die Präsidenten demokratisch GEWÄHLT und müssen Rechenschaft ablegen, in NK kennt man das Wort Demokratie gar nicht, deshalb darf NK KEINE A-Waffen haben und die USA schon!

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