Autokorso in Pjöngjang

28. Dezember 2011 03:48; Akt: 28.12.2011 14:20 Print

Hunderttausende trauern im Schneetreiben

Rund drei Stunden lang dauerte die Prozession zur Beisetzung von Kim Jong-Il. Sein Leichnam wurde dabei durch die Strassen Pjöngjangs gefahren. An vorderster Front dabei: sein Nachfolger.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Die Zeremonie ist zu Ende», sagte ein Regierungsvertreter vor Zehntausenden vor dem Kumsusan-Mausoleum versammelten Menschen. Zuvor war der Trauerzug vom Mausoleum aus an hunderttausenden Menschen vorbei durch die verschneite nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang gefahren. Der Leichnam Kim Jong Ils wurde schliesslich zurück ins Mausoleum gebracht.

Zum Ende der Prozession spielte ein Militärorchester die nordkoreanische Nationalhymne und die Ehrengarde marschierte auf. Die Zeremonie wurde im Staatsfernsehen übertragen. Ausländische Staatsgäste waren nicht eingeladen worden. Die erste Phase der Bestattungszeremonie fand im Kumsusan-Palast statt, wo Kims Leiche aufgebahrt war.

Kim Jong-Un immer nah beim Sarg

Das nordkoreanische Staatsfernsehen zeigte Bilder mit abertausenden von Menschen, die im Schnee stehen, während das Fahrzeug mit dem Sarg Kims durch die Hauptstadt Pjöngjang an ihnen vorbeifährt. Im Staatsfernsehen sind Bilder von trauernden Menschen zu sehen, ähnlich denjenigen, die kurz nach der Bekanntgabe des Todes von Kim veröffentlicht wurden.

Zahllose Soldaten standen entlang der Strecke. Kims Sohn und Nachfolger Kim Jong-Un marschierte an der Spitze der Trauerzeremonie neben dem Leichenwagen her. Auf ihn sind nun die Augen der Weltöffentlichkeit gerichtet. Ihm voraus fuhr ein Fahrzeug mit einem grossen Porträt Kim Jong-Ils. CNN berichtet, dass der älteste Sohn Kim Jong-Ils, Kim Jong-Nam, für die Teilnehmerliste der Zeremonie übergangen worden sei.

Erste Bilder der Zeremonie
(Video:Youtube)

Prozession dürfte mehrere Stunden dauern

Die Zeremonie werde wohl im Wesentlichen ablaufen wie 1994, als Kims Vater beigesetzt wurde, vermutete im Vorfeld der Politologe Paik Hak Soon vom Sejong-Institut. 1994 wurde der Trauerzug für Kim Il-Sung von einem grossen Porträt des Verstorbenen angeführt. Ihm folgte der in eine Flagge gehüllte Sarg auf einem Leichenwagen. Der Kenner dürfte sich nach der Betrachtung der jüngsten Aufnahmen bestätigt fühlen.

Zur derzeitigen Stimmung in Nordkorea sagte er: «Es kann nicht geleugnet werden, dass sich über das ganze Land eine Trauerstimmung gelegt hat.» Die staatlich ausgerufene Trauerzeit für Kim Jong-Il soll am Donnerstag mit landesweiten Gedenkfeiern zu Ende gehen.

Kim Jong-Un trauert am 26. Dezember um seinen Vater
(Video:Telegraph.co.uk)

Namen in fetten Buchstaben

Nach offizieller Darstellung war Kim am 17. Dezember im Alter von 69 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben. Kim, der das hoch gerüstete, aber verarmte Land 17 Jahre lang mit eiserner Faust regiert hatte, hatte auch einen bizarren Personenkult von seinem noch immer gottgleich verehrten Vater übernommen.

Die staatlichen Medien steigerten am Dienstag die Verehrung des «Grossen Nachfolgers» Kim Jong-Un, Kim Jong Ils drittem Sohn. So wurde sein Name in der Parteizeitung «Rodong Sinmun» erstmals in fetten Buchstaben gedruckt, wie es bislang nur für den Gründer der Diktatorendynastie, Kim Il-Sung, und für Kim Jong-Il üblich war.

In Südkorea und China werden die Vorgänge in Nordkorea genau beobachtet. Der stellvertretende südkoreanische Aussenminister Park Suk Hwan sagte bei Gesprächen mit einer chinesischen Delegation in Seoul, es sei im Interesse beider Länder, Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel zu wahren.

Peking: Dynamiken «kompliziert

Der chinesische Vize-Aussenminister Zhang Zhijun rief zu einer engeren Kommunikation zwischen Seoul und Peking auf. Die «Dynamiken in der asiatisch-pazifischen Region» würden «kompliziert und ernst», sagte er - ohne Nordkorea direkt zu erwähnen.

China ist der wichtigste Verbündete Nordkoreas. Peking unterstützt die Ernennung Kim Jong Uns zum «Grossen Nachfolger» seines verstorbenen Vaters und sicherte der Atommacht Nordkorea nach dem Tod Kim Jong Ils seine Zusammenarbeit zu, um Frieden und Stabilität zu garantieren, wie es hiess.

China leitet die internationalen Verhandlungen über Nordkoreas umstrittenes Atomprogramm, an denen neben den beiden koreanischen Staaten auch die USA, Russland und Japan beteiligt sind. Im Dezember 2008 kamen die Verhandlungen zum Stillstand.

Staatstrauer um Kim Jong-Il
(Video: Youtube/NoCommentTV)

(jam/sda/ap)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Robyxz Nomix am 28.12.2011 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    Cadillac?

    ist das nicht ein Cadillac aus dem dort so verhassten Amerika? Wie ironisch!

    einklappen einklappen
  • M.Held aus O. am 28.12.2011 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Seit wachsam !

    Wie schrecklich müssen Drohungen eines Führer's sein dass ein Volk so eingeschüchtert wird und ein solches Schauspiel vollführt. Chinas Führung ist übrigens nicht weit davon entfernt. Wir sollten wachsam sein wenn unser Staat oder die Wirtschaft mit solchen Staaten Geschäfte macht.

    einklappen einklappen
  • Gerda S. am 29.12.2011 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Kalt!

    So wie er war, also der verstorbene Diktator, so ist auch das Wetter an seiner Beerdigung: Kalt!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gerda S. am 29.12.2011 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Kalt!

    So wie er war, also der verstorbene Diktator, so ist auch das Wetter an seiner Beerdigung: Kalt!

  • Judas am 28.12.2011 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    Der Titel des Artikels ist einfach nicht stimmig... Trauer... ob das wirklich Trauer ist, wage ich zu bezweiflen. Befohlene "Verzweiflung" vielleicht. Wie lächerlich das Ganze doch ist. Dieses Geld würde besser dem Volk zugutekommen, als es für ihn auszugeben. Der ist tot und hat von alledem ohnehin nichts mehr. einfach nur armseelig. Und der Nachfolger...

  • Robyxz Nomix am 28.12.2011 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    Cadillac?

    ist das nicht ein Cadillac aus dem dort so verhassten Amerika? Wie ironisch!

    • GAZ Tolligati am 28.12.2011 16:54 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht Cadillac sonder ZIL made in CCCP

      Nein ist wohl eher ein ZIL (SIL) aus Sovietischer Produktion. Seit dem ende der Sovietunion stellt ZIL nur noch Lastwagen her keine (Luxus)Autos mehr. Die haben einen enormen Sammelwert.

    einklappen einklappen
  • Stewart Miller am 28.12.2011 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Hochgerüstete Armee?

    Die Armee verwendet ja noch Panzer die noch aus dem zweiten Weltkrieg stammen, laut dem Motto: Mehr schein als sein.

    • Fabian K. am 28.12.2011 16:01 Report Diesen Beitrag melden

      Wie die Schweiz

      Die Schweiz auch.

    • Fachoffizier am 28.12.2011 17:00 Report Diesen Beitrag melden

      Moderne Panzer in Nordkorea

      Nein Nordkorea benutzt nicht Panzer aus dem WW2 sondern T-68, T-72 und T-80 Panzer sowie BMP-1, BMP-2 ; BTR-70 und BTR-80 Schützenpanzer und südkorea BMP-3 ebenfalls aus Russland :-) . @Fabian K. Nö die schweiz hat M-113 aus den 1970 jahren der neue schützenpanzer aus schweden ist von 2000, die Leopard2 sind aus den 1980. Panzer haben eine Nutzungsdauer von 30-40 Jahren

    einklappen einklappen
  • Isotop am 28.12.2011 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Juche

    Was viele vergessen oder nicht wissen, die Ideologie (Juche) von Nordkorea hat einen beinahe Religions-Status. Das sich die Menschen nach jahrzehntelanger Indoktrination dagegen auflehnen ist sehr sehr unwahrscheinlich.