Gründer-Geburtstag

15. April 2013 10:51; Akt: 15.04.2013 12:21 Print

Nordkorea feiert anstatt zu schiessen

Man hat befürchtet, dass Pjöngjang am 101. Geburtstag des verstorbenen Landesführers Kim Il-Sung Raketen abschiessen würde. Doch noch ist nichts passiert. Stattdessen wurden Kunstblumen verteilt.

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Der kommunistische Landesvater Kim Il Sung und sein Sohn Kim Jong-Il aus Bronze.

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Nach den Drohungen der vergangenen Wochen hat Nordkorea den 101. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il-Sung am Montag ohne martialische Gesten begangen. Ein im Westen befürchteter demonstrativer Raketentest fand bis zum Abend (Ortszeit) nicht statt.

Das Land verzichtete offenbar auch auf eine grosse Militärparade. In den staatlichen Massenmedien wurde der gegenwärtige Konflikt nicht erwähnt.

Südkorea schloss indes weitere Demonstrationen militärischer Stärke durch den Norden nicht aus. «Die Armee lässt in ihrer Wachsamkeit nicht nach», erklärte das Verteidigungsministerium in Seoul. Nordkorea könne jederzeit eine neue Provokation starten.

Der junge Machthaber Nordkoreas und Enkel des Staatsgründers, Kim Jong-Un, zeigte sich am Montag erstmals seit Tagen wieder in der Öffentlichkeit. Er nahm im Kreise von Generälen und ranghohen Funktionären an einer Zeremonie zu Ehren seines Grossvaters teil.

Fest der Blumen

In der Hauptstadt Pjöngjang wurde der Feiertag mit einem Fest der Blumen begangen. Aus dem Land geflohene Nordkoreaner berichteten unter Berufung auf ihre Familien dort, die Bevölkerung habe zum Feiertag Sonderrationen an Reis und anderen Lebensmitteln erhalten.

Kim Il-Sung wurde 1912 geboren. Er führte den Staat seit dessen Gründung 1948 bis zu seinem Tod 1994 mit seiner eigenen Ideologie, die zu einer weitgehenden Abschottung des Landes führte. Für die Nordkoreaner ist er der «ewige Präsident».

Neue Zugeständnisse

Ihm folgte sein Sohn Kim Jong-Il, der 2011 starb. Seitdem steht dessen Sohn Kim Jong-Un an der Spitze des Staates. Die jüngste Kriegsrhetorik Nordkoreas und die Drohungen gegen die USA, Japan und Südkorea sollen nach Ansicht vieler Experten vor allem seine Position als starker Machthaber zementieren und den Westen zu Zugeständnissen in Verhandlungen bringen.

Am Sonntag hatte Pjöngjang Südkoreas Angebot zum Dialog abgelehnt. Dies sei «sehr bedauerlich», sagte Südkoreas Wiedervereinigungsminister Kim Hung Suk am Montag. Zugleich hiess es aus südkoreanischen Regierungskreisen, dass die Tür zum Dialog weiter offen stünde. Im Bemühen, den Konflikt zu entschärfen, reiste US-Aussenminister John Kerry jüngst in die Region, um Washingtons Antwort auf die Aggressionen aus Pjöngjang mit Nordkoreas wichtigsten Verbündeten China abzustimmen.

(sda)