Schöner sterben

29. Dezember 2011 17:44; Akt: 30.12.2011 22:06 Print

Nordkorea manipuliert Bild von Trauerfeier

Das Volk trauert in Reih und Glied - was stört, wird wegretouchiert. Eine nordkoreanische Agentur hat ein Bild von der Trauerfeier für Diktator Kim Jong-Il verbreitet, das mehrfach manipuliert wurde.

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Der Schnee strahlt heller, sechs störende Gestalten fehlen, Spuren sind verschwunden: Die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA hat ein mehrfach manipuliertes Bild von der Trauerfeier für den verstorbenen Diktator Kim Jong-il verbreitet.

Das zeigt der Vergleich von Fotos, die zur fast gleichen Zeit vom gleichen Standpunkt aus aufgenommen wurden. Mehrere Bildagenturen, die das Foto nach Erhalt von KCNA weiterverbreitet hatten, haben das manipulierte Bild zurückgezogen.

Auch die Bildagentur Keystone verbreitete das Bild am Mittwoch, zog es aber inzwischen wieder zurück, wie Tomas Kadlcik, Leiter der Redaktion, in Zürich auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte.

Störende Gestalten entfernt

Aufgeflogen war die Manipulation, weil Fotografen von KCNA und der japanischen Agentur Kyodo von einem ähnlichen Standpunkt aus ihre Objektive auf den Trauerzug gerichtet hatten. KCNA verkaufte die Bilder dann an internationale Bildagenturen, der Kyodo-Fotograf belieferte seine Vertragspartner.

Wer diese Varianten nebeneinanderlegt, erkennt den Unterschied: KCNA liess eine Gruppe von sechs Menschen mit einer Filmkamera am linken Bildrand verschwinden, die nicht zur makellosen Symmetrie der trauernden Massen zu passen schien.

Ausserdem erscheint die grosse weisse Fläche rechts makellos. Am linken unteren Bildrand fehlen zudem einige Spuren im Schnee. Das zentrale Motiv des Bildes, der Trauerzug, wurde hingegen nicht erkennbar verändert.

Kontrolle ist schwierig

«Bei ähnlichen Ereignissen in der freien Welt ist es selbstverständlich, dass es eine unabhängige Berichterstattung mit eigenen Fotografen gibt», sagte Monik Plhal, Mitglied der epa-Chefredaktion, am Donnerstag in Frankfurt.

Wie andere Agenturen musste auch die European Pressphoto Agency (epa) auf das Material von KCNA zurückgreifen, weil ein eigener Fotograf nicht nach Nordkorea gelassen wurde. «Bilder aus solchen Quellen werden natürlich mit besonders kritischem Auge betrachtet», sagte Plhal. Solche Manipulationen könnten aber erst durch den direkten Vergleich mit einer nicht veränderten Aufnahme entdeckt werden.

«Direkt nachdem wir von der Manipulation erfahren hatten, haben wir das Bild mit einer Aufforderung an alle Kunden zurückgezogen.» Damit folgte die epa ihren journalistischen Richtlinien. Der Rückruf erfolgte am Mittwoch um 23.46 Uhr, auf den Sender gegangen war das Bild um 13.08 Uhr.

Kein Einzelfall

Es gibt in der Geschichte zahlreiche Beispiele für manipulierte Fotos. Der Sowjet-Diktator Josef Stalin etwa liess missliebig gewordene Personen aus Bildern verschwinden. In den Zeiten von Filmen und Fotopapier wurden Bilder oder Negative dafür mit scharfen Klingen zerschnitten und neu zusammengesetzt. Feine Pinselstriche ergänzten Lücken.

Digitale Fotos lassen sich mit weit verbreiteten Programmen verändern. Das KCNA-Bild zeigt bei starker Vergrösserung noch einige Flecken an jener Stelle, an der die entfernten Personen standen - feine Spuren der Manipulation.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Merlin am 29.12.2011 18:32 Report Diesen Beitrag melden

    Naja wenn wunderts?

    In den Hochglanzkatalogen mit den neusten Modetrends ist auch kein Pixel wie es im Originalfoto (digital) war.

  • Mario am 30.12.2011 00:18 Report Diesen Beitrag melden

    keine andere Probleme

    nein, ich bin zu tiefst schockiert. Hätte nie gedacht dass Nordkorea zu solchen taten bereit ist...

  • frank bucher am 29.12.2011 22:01 Report Diesen Beitrag melden

    manipulliert

    erstaunlich, dass es doch auffällt wie andere manipulieren - wo doch 70% aller bilder in den medien manipuliert sind.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • thelight am 01.01.2012 00:27 Report Diesen Beitrag melden

    Retouchiert, na und?

    Heutzutage wird doch eh jedes Zeug retouchiert und nachbearbeitet, was will man uns jetzt mit diesem Artikel nun "neues" sagen? Vielleicht ist es sooo interessant, weil es nun von einem Land ist das nicht zu euren idealen und grundsätzen passt?

  • Beobachter am 31.12.2011 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    Fotos

    Wer denkt das es noch Medien gibt die nicht Retuschierte Fotos veröffentlicht, hat irgendwie was verpasst.

  • Heliamphora am 31.12.2011 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Retouchiert

    Es wurden eigentlich nur die 6 Leute wegretouchiert. Die Spuren im Schnee rechts und links im Bild sind vermutlich von der Überbelichtung weggefressen worden. Wenn das Bild im .TIF- oder RAW-Format vorhanden ist, sollte man das sehen können wenn man die Belichtungswerte und Weisstöne bearbeitet. Bei einem JPEG wären diese Details wegkomprimiert.

  • Roman am 31.12.2011 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Zwei unterschiedliche Aufnahmen

    Sorry, diese Bilder haben unterschiedliche Aufnahmezeiten. Gut zu sehen am Auto auf dem schneefreien Fleck seitlich vor dem Palast. Im "Original" spiegelt sich noch das Licht des Abblendlichts auf dem nassen Belag, das Auto steht noch auf dem Asphalt. Beim zweiten Bild hat es den Fleck bereits verlassen. Retuschen finden übrigens überall statt. Sarkozy hat sich mal Fettpölsterchen (Pirellis) wegmachen lassen auf seinen Ferienfotos. Alternde Stars lassen sich massiv verjüngern. Trau keinem Bild, dass du nicht selbst retuschiert hast ... Frei nach Winston Churchill.

  • peter/fuchs am 31.12.2011 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilig

    Es ist einfach immer auf andere zu zeigen. Auch der Blick und andere "Zeitungen" in der Schweiz verfälschen ab und zu gerne mal Bilder und Texte. Viele Menschen in diesem Land scheinen sich in der Rolle des Moralapostel zu sehen, ohne den geringsten Gedanken daran verschwendet zu haben, dass auch hier vieles sehr falsch läuft (halt sehr viel diskreter als in länder wie Nordkorea).