Tod von Kim Jong-Il

19. Dezember 2011 23:45; Akt: 20.12.2011 02:39 Print

Japan wartet auf Signale aus Pjöngjang

Kaum ein Land fühlt sich durch die unberechenbare Diktatur von Nordkorea so bedroht wie der Nachbar Japan. Das Land hofft auf Stabilität - und Bewegung in der Frage entführter Landsleute.

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Nach dem Tod des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-Il reagierte Japan mit nervöser Spannung. Ministerpräsident Yoshihiko Noda wies seine Regierung an, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten.

Japan hoffe, dass Kims Tod «keine negativen Auswirkungen auf Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel hat», sagte Regierungssprecher Osamu Fujimura nach einer Sicherheitsberatung. Zur Überraschung vieler drückte die Regierung gegenüber Nordkorea auch ihr Beileid zum Tod von Kim Jong-Il aus.

Japan stehe mit seiner Schutzmacht USA sowie China und Südkorea in engem Kontakt, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo. An Asiens Leitbörse in Tokio gaben die Kurse nach. Japan verfolge auch genau die Reaktion an den Finanzmärkten, hiess es.

Nordkoreas Raketen bedrohen Japan

Kaum ein anderes Land fühlt sich durch Nordkoreas Raketen- und Atomprogramme so bedroht wie Japan. Pjöngjangs Test einer ballistischen Rakete, von der Teile 1998 über Japan hinweg flogen und im Pazifik landeten, hatte Tokio schockiert.

Japan beschloss darauf den Bau von Spionagesatelliten, von denen bereits mehrere im Weltraum in Stellung gebracht wurden. Nach einem mutmasslichen Atomwaffenversuch Nordkoreas 2006 verhängte Tokio zudem Sanktionen gegen das kommunistische Regime. 2009 testete Nordkorea erneut eine A-Waffe.

Geheimdienst entführte Japaner

Japan fordert darüber hinaus von Nordkorea Aufklärung in der Frage der Entführung von Landsleuten in den 70er und 80er Jahren. Fünf nach Nordkorea entführte Japaner waren 2002 nach Japan zurückgekehrt.

Nordkorea behauptete, dass acht weitere Japaner inzwischen gestorben seien und es keine weiteren Entführten gegeben habe. Japan bezweifelt dies jedoch und verlangt von Pjöngjang eine vollständige Aufklärung von insgesamt 17 Fällen.

Die Last der Geschichte

Nordkorea und Japan unterhalten keine diplomatische Beziehungen. Japan hatte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die koreanische Halbinsel besetzt. Während des Zweiten Weltkrieges begingen die Japaner dort schwere Kriegsverbrechen, was auch das Verhältnis Japans zu Südkorea bis heute belastet.

Während Tokio und Südkorea aber zusammenarbeiten, unterhält Japan seit dem Korea-Krieg (1950-1953) feindliche Beziehungen zu Nordkorea.

Nordkorea wiederum verlangt von Japan Entschuldigungen und Entschädigungen für die Vergehen während der Besatzung Koreas, darunter die Versklavung von koreanischen Frauen, die von der japanischen Armee als Sexsklavinnen gehalten worden waren.

(sda)