Kim Jong-Ils Leben

19. Dezember 2011 07:54; Akt: 19.12.2011 10:54 Print

Zur Geburt einen Doppel-Regenbogen

«Despot», «Zombie» oder «Dr. Seltsam»: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Il hatte mehrere Übernamen. Das Porträt eines Mannes, dessen Handeln so rätselhaft blieb wie sein Leben.

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Der «geliebte Führer» kam nach offiziellen Regierungsangaben am 16. Februar 1942, auf dem Paektusan, damaliges Japanisches Kaiserreich, heutiges Nordkorea, zur Welt. Westliche Quellen gehen in der Regel davon aus, dass Kim Jong-Il (im Bild in den Armen seines Vaters Kim Il-Sung)bereits am 16. Februar 1941 in einem sowjetischen Ausbildungslager im Dorf Wjatskoje bei Chabarowsk geboren wurde, wo seine Eltern während des Zweiten Weltkriegs Zuflucht vor den Japanern suchten. Vom September 1950 bis zum August 1960 absolvierte Kim Jong-Il die schulische Allgemeinbildung. Vom September desselben Jahres bis zum März 1964 studierte er an der Kim-Il-Sung-Universität. Im Jahr 1974 wurde er zum Mitglied des Politbüros der Partei der Arbeit Koreas - und zum Nachfolger seines Vaters Kim Il-sung (links) gewählt. Seit 1980 wies er den Nordkoreanern den Weg, ... ... überwachte Käse- ... ... und Chipsproduktion, ... ... war Wein und Weib sehr zugetan, ... ... sass vor, ... ... überwachte überlebensgross Hochzeiten, ... ... blickte nach vorn, ... ... und liess sich manchmal sogar etwas erklären. Kim Jong-il pflegte trotz der Armut in seinem Land einen aufwändigen Lebensstil,[14] dazu standen ihm etwa ein Dutzend luxuriöser Residenzen zur privaten Nutzung zur Verfügung. Kim Jong-il soll herzkrank gewesen sein und an Diabetes gelitten haben. Bei öffentlichen Auftritten im Jahre 2009 wirkte er stark abgemagert. Es hiess damals, er sei unheilbar an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt und habe noch eine Lebenserwartung von maximal fünf Jahren.[ Kim Jong-Il war vier Mal verheiratet und hatte vier eheliche Kinder.

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Mit seinen toupierten Haaren, den Plateauschuhen und seinen aus der Mode gekommenen Blouson-Anzügen wurde Kim Jong-Il gern belächelt. Doch Nordkoreas Staatschef war ein ebenso geschickter wie rücksichtsloser politischer Machtmensch.

Am Samstag starb Kim Jong-Il an einem Herzinfarkt. Erst zwei Tage später wurde die Nachricht vom Tod des «Grossen Führers» über die Staatsmedien verbreitet.

Seit mehreren Jahren bereits war es mit Kims Gesundheit bergab gegangen. Im Jahr 2008 erlitt er einen Schlaganfall, in dessen Folge seine linke Körperhälfte beeinträchtigt war. Ausserdem hatte er Berichten zufolge Nierenprobleme, Diabetes und Bluthochdruck. Genaues wusste kaum jemand: Kims Gesundheitszustand wurde wie ein Staatsgeheimnis behandelt.

Irrationale Entscheide

Beobachtern fiel jedoch auf, dass Kims Entscheidungen immer irrationaler erschienen, etwa der Angriff auf ein südkoreanisches Marineschiff im März 2010 im Grenzgebiet zu Südkorea, bei dem 46 Soldaten starben. Nordkorea wies jegliche Verantwortung von sich.

Laut CIA-Chef Leon Panetta wollte Kim Jong-Il mit solchen riskanten Aktionen die Glaubwürdigkeit seines Sohnes Kim Jong-Un in militärischen Belangen unter Beweis stellen. Denn Kim baute seinen jungen Sohn, der 1983 oder 1984 geboren wurde, als Nachfolger auf.

Personenkult

Kim selbst hatte einst seinen Vater an der Staatsspitze abgelöst. Als der Gründer Nordkoreas Kim Il-Sung 1994 starb und der Sohn drei Jahre später offiziell seine Nachfolge antrat, wurde der Führerkult auf ihn übertragen.

Um die «Grosse Sonne der Nation» ranken sich seitdem zahlreiche Mythen. So sollen nach offizieller Darstellung nach seiner Geburt am 16. Februar 1942 in einem anti-japanischen Camp auf dem Heiligen Berg Paekdu in Korea ein Stern und ein doppelter Regenbogen am Himmel erschienen sein.

Nach Ansicht westlicher Experten wurde er dagegen in einem Ausbildungslager der sowjetischen Armee bei Chabarowsk in Sibirien geboren, von wo aus sein Vater den Kampf gegen die japanischen Besatzer Koreas führte.

Hungersnot im Land

Unter Kim sollen Schätzungen zufolge zwischen 1996 und 1999 rund eine Millionen Nordkoreaner verhungert sein. Dennoch fand der Machthaber stets ausreichend Ressourcen, um das Atomprogramm seines Landes voranzutreiben und die Welt 2006 sogar mit Berichten über den ersten Atomwaffentest des Landes zu erschrecken.

Notwendige wirtschaftliche Reformen lehnte Kim hingegen stets ab, um die Kontrolle über das Land nicht zu verlieren. Mit Propaganda, Personenkult und gefürchteten Arbeitslagern festigte er seine Macht.

Teurer Geschmack

Auch Besucher des weitgehend abgeschotteten Landes und Flüchtlinge zeichneten ein weniger schmeichelhaftes Bild des Staatschefs: Er galt als Playboy mit Vorliebe für Schauspielerinnen und Tänzerinnen, französischen Cognac und westliche Filme - er soll eine Sammlung von 20 000 Hollywood-Filmen besessen haben.

Der Öffentlichkeit war Kim weitgehend unbekannt. Am liebsten zeigte er sich bei Militärparaden und Besuchen in Schulen, Fabriken und Militärstützpunkten.

Ausbildung in der DDR

Kim, der seine Mutter im Alter von neun Jahren verlor, wurde in der DDR zunächst als «Wirtschaftsexperte» ausgebildet, bevor er 1964 ins Zentralkomitee der Kommunistischen Partei in Pjöngjang aufgenommen wurde. Später wurde er Leiter der Propagandaabteilung. 1980 machte ihn sein Vater zur «Nummer zwei» in der Partei.

Zu Lebzeiten seines Vaters soll Kim Jong-Il für diverse Anschläge verantwortlich gewesen sein. So soll er das Bombenattentat auf Südkoreaner 1983 im burmesischen Rangun geplant haben, bei dem 17 südkoreanische Regierungsmitglieder getötet wurden.

Auch für den Anschlag auf ein südkoreanisches Verkehrsflugzeug 1987, bei dem 115 Menschen starben, wurde er verantwortlich gemacht. In welche Richtung sich Nordkorea nach Kims Tod bewegt, ist offen – zu unbekannt ist der junge Nachfolger Kim Jong-Un.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas Hinz am 19.12.2011 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Auf Il kommt Un...

    Bleibt nur zu hoffen, dass der in der Schweiz zur Schule gegangene Sohn hier etwas gelernt hat und mehr auf eine Öffnung und Liberalisierung von Nordkorea hinarbeitet als sein Vater und Grossvater...!

  • Martin am 19.12.2011 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    Ausdrucksweise

    Ich finde es immer wieder lustig wie die Berichte über Nordkorea in der Wahrscheinlichkeit gehalten werden (er sei gestorben... wurde jedoch nie bestätigt etc..)

  • Monika Gretler am 19.12.2011 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Und wo bleibt.....?

    Schade, dass über seinen Tod in solchem Ausmass berichtet wird, aber z.B. dass eine Weltstar, wie Cesaria Evora verstorben ist, die Millionen Fans Freude gemacht hat, kein Wort verloren wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • abced am 20.12.2011 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Hat er was gelernt in der Schweiz?

    Wenn er in der Schweiz aufgewachsen ist, sollte er nur schon aus gesundem Menschenverstand besser als sein Vater regieren..nicht??!!??

  • paedu am 19.12.2011 20:34 Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe ein Un-gutes Gefühl

    was Nordkorea betrifft.Bleibt wohl alles beim Alten.

  • waios magouras am 19.12.2011 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Kim Jong auf Reisen....

    schade, diese Rubrik war etwas vom Besten bei 20 min. / diese lustigen "fabriken", Gruppenfotos mit aufgesetzten Lächeln und diese sterilen Umgebungen war immer seeehr unterhaltsam, ich werds vermissen-Kim Jong glaube ich keiner

  • Marco Whatman am 19.12.2011 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Was mich wundert:

    * Da lebt das nordkoreanische Volk in fast völliger Isolation, aber der wohlgenährte Sohn des Diktators darf die Schule im Ausland besuchen. * Da redet man von einem kommunistischen System, aber eigentlich hat sich die Familie Kim eine Erbmonarchie geschaffen.

  • Jackman am 19.12.2011 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wird sich was ändern?

    Eine Staatstrauer bis zum Jahresende? Würde mich schon interessieren, ob wirklich alle Nordkoreaner trauern oder trauern müssen. Ebenso auch die Frage wie es nun mit dem Sohn weitergehen wird. Öffnet er das Land zum Wohle seines Volkes oder schottet er sich ebenso ab, weil dien alte Garde im Hintergrund ihn unter Druck setzt, damit sie ihre Privilegien nicht verlieren? Nordkorea wird wohl auch nach dem Tod seines Diktators ein dunkles Kapitel bleiben, schätze ich mal.