Riskante BBC-Reportage

15. April 2013 20:47; Akt: 15.04.2013 22:54 Print

Mit versteckter Kamera unterwegs in Nordkorea

Drei BBC-Journalisten haben sich unter Studenten auf Besuch in Nordkorea gemischt und heimlich gefilmt. Das hätte ins Auge gehen können, kritisiert die Universität. Die Reportage wurde am Montag ausgestrahlt.

John Sweeney vom BBC-Magazin Panorama verteidigt sich gegen die Vorwürfe. (Video: Youtube/MrIbology)
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Nordkorea übt eine ungebrochene Faszination auf den Westen aus, gerade weil seine Führung das Land derart abschottet. Entsprechend selten sind Drehgenehmigungen für ausländische Fernsehteams, die zudem strengen Zensurbestimmungen unterstehen. Für die Macher des BBC-Nachrichtenmagazins «Panorama» inakzeptable Arbeitsbedingungen: Sie mischten sich kurzerhand unter eine Besuchergruppe von englischen Studenten und filmten heimlich.

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Über dieses Vorgehen ist zwischen der BBC und der London School of Economics (LSE) ein heftiger Streit entbrannt. Die LSE wirft dem britischen Staatssender vor, ihre Studenten getäuscht und wissentlich in Gefahr gebracht zu haben. Zudem sei der Ruf der Elite-Uni beschädigt worden. «Wir bewundern investigative Journalisten, die in gefährlichen Regionen der Erde arbeiten, aber wir können nicht dulden, dass unser Name und unsere Studenten zu diesem Zweck missbraucht werden», heisst es in einer Erklärung der Universität.

«Menschliche Schutzschilder»

Verantwortlich für das Täuschungsmanöver ist der BBC-Journalist John Sweeney, der zusammen mit seiner Frau und einem Kameramann zur Gruppe stiess. In einem Interview mit «BBC News» (siehe oben) wehrte er sich gegen den Vorwurf der Täuschung: «Wir haben die nordkoreanischen Behörden belogen, aber nicht die Studenten», sagte er. Er habe die Gruppe vor der Einreise über die potentiellen Gefahren informiert: Sollte der Schwindel auffliegen, müssten sie Abschiebung rechnen – im schlimmsten Fall aber auch mit Verhaftung, Inhaftierung und Landesverweis.

Demgegenüber hält die LSE fest, dass die Studenten nur über einen einzigen Journalisten, nicht drei, informiert wurden. Auch von den Plänen für eine brisante Reportage sollen sie nichts gewusst haben. «Sie haben die Studenten im Prinzip als menschliche Schutzschilder missbraucht», sagte Alex Peters-Day, Generalsekretärin der LSE-Studentenvereinigung. Sweeney liess im Interview mehrmals durchblicken, dass in der Tat nicht alle Studenten mit seinem Vorgehen einverstanden waren.

BBC: Öffentliches Interesse überwiegt

Drei Studenten haben inzwischen verlangt, dass ihre Gesichter in der Reportage unkenntlich gemacht werden. Die LSE hätte am liebsten den ganzen Beitrag gekippt und kämpft gegen eine Ausstrahlung – bis jetzt vergebens. Viel Zeit bleibt ihnen nicht: BBC Panorama will die brisante Undercover-Reportage aus Nordkorea am Montag Abend ausstrahlen. Der Sender stellt sich auf den Standpunkt, dass das öffentliche Interesse in diesem Fall überwiegt.

Auch in der Schweiz kann die Erstaustrahlung über Digital-TV um 21:30 mitteleuropäischer Zeit auf BBC One angeschaut werden. Auf BBC World News, das in vielen Analog-Netzen verfügbar ist, wird sie am Samstag 13:30 wiederholt.

(kri)