Breivik-Prozess

11. Mai 2012 12:06; Akt: 11.05.2012 17:40 Print

«Du bist ein Mörder, fahr zur Hölle!»

Aufruhr im Gerichtssaal von Oslo: Beim Prozess gegen den Massenmörder Breivik warf ein Mann einen Schuh gegen den Angeklagten. Zuhörer applaudierten und es kam zum Unterbruch.

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Der Mann übergoss sich am Dienstag 15.05.2012 mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündete sich an. Er hat brennend versucht, in das Gerichtsgebäude einzudringen. Am 9. Mai geht der Prozess gegen Anders Breivik mit den ersten Zeugenaussagen weiter. Am 8. Prozesstag (Mittwoch, 25. April) kritisierte Anders Behring Breivik die beiden psychiatrischen Gutachten, die über ihn verfasst worden waren, als «bösartige Erfindungen». Einer der Verletzten des Bombenanschlags von Oslo ist am 25. April vor Gericht anwesend. Am 19.4. gibt Breivik vor Gericht an, die gesamte norwegische Regierung im Visier gehabt zu haben. Am 18. April wurde Anders Behring Breivik zu seinen Kontakten mit anderen Nationalisten befragt. Er gab sich dabei, anders als am Vortag, sehr wortkarg. Am zweiten Prozesstag (17.4 2012) kommt der Angeklagte Anders Behring Breivik zu Wort. Er will ein eigens verfasstes Manifest vorlesen. Offensichtlich hat der Attentäter von Oslo und Utøya erneut ein krudes Pamphlet verfasst. Mit einem Schluck Wasser bereitet sich Breivik auf seine Rede vor. Zuvor war der Laienrichter Thomas Indrebø ausgeschlossen worden. Er hatte kurz nach den Morden in einem Facebook-Kommentar für Breivik die Todesstrafe gefordert. Plötzlich zeigt Anders Behring Breivik doch eine Regung: Er bricht an der Gerichtsverhandlung vom 16. April 2012 in Oslo unvermittelt in Tränen aus. Vor Gericht ist ein Video gezeigt worden, das Breivik selber produziert hat. Es soll eine Zusammenstellung des kruden Manifests des Massenmörders von Norwegen sein. Schnell fängt sich Breivik allerdings wieder, bevor das Gericht den Prozess für die Mittagspause unterbricht. Am 16. April 2012 beginnt der Prozess gegen Anders Behring Breivik vor Gericht in Oslo. Die Richterin Wenche Arntzen eröffnet den Prozess. Staatsanwalt Svein Holdsen betritt den Gerichtssaal. Dem geständigen Massenmörder Anders Behring Breivik werden vor Gericht die Handschellen abgenommen. Breivik hält sich aber nicht für schuldig im juristischen Sinne. Die Norweger erwarten vor Gericht schockierende Aussagen des Rechtsextremen. So soll er laut seinem Anwalt vorhaben, sein Bedauern darüber zu äussern, dass er nicht noch mehr Menschen getötet hat. Der Vorsitzende der Jugendabteilung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Norwegens, Eskil Pedersen, bei der Ankunft im Gerichtssaal. Bei dem Attentat vom 22. Juli 2011 wurden auf der Ferieninsel Utøya 69 junge Sozialdemokraten getötet. Der Medienandrang vor dem Gericht ist gewaltig. Bestürmt wird auch der Pflichtverteidiger des Massenmörders, Geir Lippestad. In diesem Gebäude wird dem 33-Jährigen der Prozess gemacht. Vor dem Gebäude hat jemand eine rote Rose angebracht. Dieser Sticker wird an diejenigen Angehörigen von Opfern verteilt, die nicht von Medienvertretern interviewt werden wollen. Vor der Insel Utøya zeugen Blumen und Flaggen von der grausamen Tat. Ein Schiff liegt vertäut am kleinen Quai am Ufer des Tyrifjord, in dem sich die Insel Utøya befindet.

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Beim Prozess zu den Anschlägen in Norwegen hat der Bruder eines der auf Utøya getöteten Opfer einen Schuh auf den rechtsradikalen Attentäter Anders Behring Breivik geworfen. «Du bist ein Mörder, fahr zur Hölle!», rief der Mann am Freitag im Gerichtssaal.

Der Schuh traf jedoch nicht Breivik, sondern seine Anwältin Vibeke Hein Baera, die zwischen dem Angeklagten und dem Publikum sass. Wie Medien berichteten, packten daraufhin Sicherheitsbeamte den Schuhwerfer und führten ihn energisch aus dem Gerichtssaal. Der Prozess wurde nach dem Vorfall einige Minuten unterbrochen.

Der Schuhwurf löste im Gerichtssaal gemischte Reaktionen aus: Einige Zuhörer applaudierten und riefen «bravo», andere begannen zu weinen. Breivik selbst zeigte sich ungerührt. Gerichtsreporter zitierten ihn mit den Worten: «Wer immer etwas nach mir werfen will, sollte dies tun, wenn ich das Gericht betrete oder verlasse.»

69 Menschen getötet

Breivik hatte am 22. Juli 2011 zunächst im Osloer Regierungsviertel mit einer Autobombe acht Menschen getötet, bevor er in einem Jugendlager der regierenden Arbeiterpartei auf der Insel Utøya 69 Menschen tötete.

Der 33-Jährige ist geständig, plädierte aber auf nicht schuldig. Seinen Angaben zufolge waren die blutigen Anschläge «grausam, aber notwendig», um Norwegen vor einer angeblich drohenden «muslimischen Invasion» zu retten.

(sda)