Überlebende zu Breivik

14. Mai 2012 19:32; Akt: 15.05.2012 01:43 Print

«Wir haben gewonnen, er hat verloren»

Im Breivik-Prozess haben erstmals Überlebende des Massakers ausgesagt. Der Massenmörder hörte den erschütternden Protokollen unbewegt zu.

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Der Mann übergoss sich am Dienstag 15.05.2012 mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündete sich an. Er hat brennend versucht, in das Gerichtsgebäude einzudringen. Am 9. Mai geht der Prozess gegen Anders Breivik mit den ersten Zeugenaussagen weiter. Am 8. Prozesstag (Mittwoch, 25. April) kritisierte Anders Behring Breivik die beiden psychiatrischen Gutachten, die über ihn verfasst worden waren, als «bösartige Erfindungen». Einer der Verletzten des Bombenanschlags von Oslo ist am 25. April vor Gericht anwesend. Am 19.4. gibt Breivik vor Gericht an, die gesamte norwegische Regierung im Visier gehabt zu haben. Am 18. April wurde Anders Behring Breivik zu seinen Kontakten mit anderen Nationalisten befragt. Er gab sich dabei, anders als am Vortag, sehr wortkarg. Am zweiten Prozesstag (17.4 2012) kommt der Angeklagte Anders Behring Breivik zu Wort. Er will ein eigens verfasstes Manifest vorlesen. Offensichtlich hat der Attentäter von Oslo und Utøya erneut ein krudes Pamphlet verfasst. Mit einem Schluck Wasser bereitet sich Breivik auf seine Rede vor. Zuvor war der Laienrichter Thomas Indrebø ausgeschlossen worden. Er hatte kurz nach den Morden in einem Facebook-Kommentar für Breivik die Todesstrafe gefordert. Plötzlich zeigt Anders Behring Breivik doch eine Regung: Er bricht an der Gerichtsverhandlung vom 16. April 2012 in Oslo unvermittelt in Tränen aus. Vor Gericht ist ein Video gezeigt worden, das Breivik selber produziert hat. Es soll eine Zusammenstellung des kruden Manifests des Massenmörders von Norwegen sein. Schnell fängt sich Breivik allerdings wieder, bevor das Gericht den Prozess für die Mittagspause unterbricht. Am 16. April 2012 beginnt der Prozess gegen Anders Behring Breivik vor Gericht in Oslo. Die Richterin Wenche Arntzen eröffnet den Prozess. Staatsanwalt Svein Holdsen betritt den Gerichtssaal. Dem geständigen Massenmörder Anders Behring Breivik werden vor Gericht die Handschellen abgenommen. Breivik hält sich aber nicht für schuldig im juristischen Sinne. Die Norweger erwarten vor Gericht schockierende Aussagen des Rechtsextremen. So soll er laut seinem Anwalt vorhaben, sein Bedauern darüber zu äussern, dass er nicht noch mehr Menschen getötet hat. Der Vorsitzende der Jugendabteilung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Norwegens, Eskil Pedersen, bei der Ankunft im Gerichtssaal. Bei dem Attentat vom 22. Juli 2011 wurden auf der Ferieninsel Utøya 69 junge Sozialdemokraten getötet. Der Medienandrang vor dem Gericht ist gewaltig. Bestürmt wird auch der Pflichtverteidiger des Massenmörders, Geir Lippestad. In diesem Gebäude wird dem 33-Jährigen der Prozess gemacht. Vor dem Gebäude hat jemand eine rote Rose angebracht. Dieser Sticker wird an diejenigen Angehörigen von Opfern verteilt, die nicht von Medienvertretern interviewt werden wollen. Vor der Insel Utøya zeugen Blumen und Flaggen von der grausamen Tat. Ein Schiff liegt vertäut am kleinen Quai am Ufer des Tyrifjord, in dem sich die Insel Utøya befindet.

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69 Teilnehmer eines Sommerlagers hat Anders Behring Breivik am 22. Juli des vergangenen Jahres auf der norwegischen Insel UtØya getötet. Zuvor hatte er mit einer Autobombe in Oslo acht Menschen umgebracht. Im Prozess gegen den mutmasslichen Massenmörder haben nun Überlebende des Massakers auf UtØya von ihren schrecklichen Erfahrungen berichtet.

Die 21-jährige Silja Uteng erzählte am Montag vor Gericht, wie sie nach einem Schuss in den Arm über eine Stunde lang im eiskalten Fjord ans Festland geschwommen sei. Ein Junge habe sie gefragt: «Ich bin so müde, kannst du mir helfen?» Dann habe sie ein Stöhnen ­gehört, und der Junge sei mit dem Gesicht nach unten auf dem Wasser getrieben. Im Chaos vergass Uteng ihre Verletzung. Erst Tage später wurden Teile des Geschosses in ihrem Arm entdeckt.

Die 20-jährige Frida Holm Skoglund antwortete auf die Frage, ob sie dem Attentäter etwas sagen wolle: «Wir haben gewonnen, er hat verloren. Junge Norweger können schwimmen.» Ihre Worte lösten laut Spiegel online im Gegensatz zur sonst stets bedrückten Atmosphäre im Gerichtssaal einige Lacher aus. Breivik hörte den Aussagen der Überlebenden unbewegt zu.