Anschlag in Oslo

19. April 2012 17:25; Akt: 19.04.2012 21:24 Print

Breivik wollte die ganze Regierung töten

Anders Behring Breivik glaubte, sein Attentat kaum zu überleben. Um sich auf die Konfrontation mit der Polizei einzustellen, übte er mit Computerspielen. Norwegen wies derweil seine «Freundin» aus.

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Der Mann übergoss sich am Dienstag 15.05.2012 mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündete sich an. Er hat brennend versucht, in das Gerichtsgebäude einzudringen. Am 9. Mai geht der Prozess gegen Anders Breivik mit den ersten Zeugenaussagen weiter. Am 8. Prozesstag (Mittwoch, 25. April) kritisierte Anders Behring Breivik die beiden psychiatrischen Gutachten, die über ihn verfasst worden waren, als «bösartige Erfindungen». Einer der Verletzten des Bombenanschlags von Oslo ist am 25. April vor Gericht anwesend. Am 19.4. gibt Breivik vor Gericht an, die gesamte norwegische Regierung im Visier gehabt zu haben. Am 18. April wurde Anders Behring Breivik zu seinen Kontakten mit anderen Nationalisten befragt. Er gab sich dabei, anders als am Vortag, sehr wortkarg. Am zweiten Prozesstag (17.4 2012) kommt der Angeklagte Anders Behring Breivik zu Wort. Er will ein eigens verfasstes Manifest vorlesen. Offensichtlich hat der Attentäter von Oslo und Utøya erneut ein krudes Pamphlet verfasst. Mit einem Schluck Wasser bereitet sich Breivik auf seine Rede vor. Zuvor war der Laienrichter Thomas Indrebø ausgeschlossen worden. Er hatte kurz nach den Morden in einem Facebook-Kommentar für Breivik die Todesstrafe gefordert. Plötzlich zeigt Anders Behring Breivik doch eine Regung: Er bricht an der Gerichtsverhandlung vom 16. April 2012 in Oslo unvermittelt in Tränen aus. Vor Gericht ist ein Video gezeigt worden, das Breivik selber produziert hat. Es soll eine Zusammenstellung des kruden Manifests des Massenmörders von Norwegen sein. Schnell fängt sich Breivik allerdings wieder, bevor das Gericht den Prozess für die Mittagspause unterbricht. Am 16. April 2012 beginnt der Prozess gegen Anders Behring Breivik vor Gericht in Oslo. Die Richterin Wenche Arntzen eröffnet den Prozess. Staatsanwalt Svein Holdsen betritt den Gerichtssaal. Dem geständigen Massenmörder Anders Behring Breivik werden vor Gericht die Handschellen abgenommen. Breivik hält sich aber nicht für schuldig im juristischen Sinne. Die Norweger erwarten vor Gericht schockierende Aussagen des Rechtsextremen. So soll er laut seinem Anwalt vorhaben, sein Bedauern darüber zu äussern, dass er nicht noch mehr Menschen getötet hat. Der Vorsitzende der Jugendabteilung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Norwegens, Eskil Pedersen, bei der Ankunft im Gerichtssaal. Bei dem Attentat vom 22. Juli 2011 wurden auf der Ferieninsel Utøya 69 junge Sozialdemokraten getötet. Der Medienandrang vor dem Gericht ist gewaltig. Bestürmt wird auch der Pflichtverteidiger des Massenmörders, Geir Lippestad. In diesem Gebäude wird dem 33-Jährigen der Prozess gemacht. Vor dem Gebäude hat jemand eine rote Rose angebracht. Dieser Sticker wird an diejenigen Angehörigen von Opfern verteilt, die nicht von Medienvertretern interviewt werden wollen. Vor der Insel Utøya zeugen Blumen und Flaggen von der grausamen Tat. Ein Schiff liegt vertäut am kleinen Quai am Ufer des Tyrifjord, in dem sich die Insel Utøya befindet.

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Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik hat nach eigenen Angaben weitaus mehr Menschen töten wollen als seine 77 Opfer. Er habe die gesamte Regierung und sämtliche Menschen auf der Insel Utøya umbringen wollen, sagte er am Donnerstag vor Gericht. Auf seine Tat bereitete er sich nach eigenen Worten schon 2006 vor - unter anderem mit Videospielen.

Neben der knapp eine Tonne schweren Bombe im Regierungsviertel von Oslo habe er ursprünglich weitere Anschläge in der norwegischen Hauptstadt geplant. Ins Auge gefasst habe er unter anderem den Sitz der Zeitungen «Aftenposten» und «Dagsavisen», das Parlament und das Rathaus und das Königsschloss und ein in Oslo bekanntes besetztes Haus.

Er habe geplant, die ganze Regierung einschliesslich Ministerpräsident Jens Stoltenberg zu töten. Er habe «so viele Menschen wie möglich hinrichten» wollen.

Er habe es jedoch nicht geschafft, mehr als eine Bombe zu bauen. Daher habe er eines der Ziele auswählen müssen. Zusätzlich habe er sich für ein Massaker entschieden.

«Das attraktivste Ziel wäre die internationale Journalisten- Konferenz Skup gewesen», sagte der 33-Jährige am vierten Prozesstag. Diesen Plan habe er aus Zeitgründen aber nicht realisieren können.

Hinrichtung nach Al-Kaida-Vorbild

Stattdessen fuhr Breivik zum Jugendlager der Sozialdemokraten auf Utøya und tötete 69 Menschen. Sein Ziel sei es gewesen, alle Insassen des Lagers zu töten, sagte Breivik. Damals befanden sich 569 Menschen auf der Insel.

Utøya sei zu dem Zeitpunkt das «politisch attraktivste Ziel gewesen». «Ich bin kein Kindermörder. Ich denke aber, dass alle politischen Aktivisten, die sich dem Kampf für eine multikulturelle Gesellschaft verschrieben haben (...) ein legitimes Ziel sind».

Zudem wollte Breivik auf Utøya auch die ehemalige Regierungschefin Gro Harlem Brundtland entführen und enthaupten. Sie hatte das Jugendlager aber bereits verlassen, als der Rechtsextremist am 22. Juli dort eintraf.

Die Enthauptung der einstigen Vorsitzenden der Arbeiterpartei habe er filmen und anschliessend im Internet veröffentlichen wollen, sagte Breivik. Zu diesen Plänen hätten ihn Enthauptungen inspiriert, die vom Terrornetzwerk Al-Kaida verübt würden.

Vorbereitung mit Videospielen

Auf die Anschläge vorbereitet hat sich Breivik nach eigenen Angaben schon seit Jahren. 2006 habe er ein Jahr lang bei seiner Mutter gelebt und dort bis zu 17 Stunden täglich das Videospiel «World of Warcraft» gespielt.

Er habe sich dieses «Hobby» gegönnt, um sich vor seinem erwarteten Tod im Kampf gegen die «Islamisierung» Europas einen Lebenstraum zu erfüllen. Gleichzeitig habe er sich mit Hilfe des Spiels geistig auf seine spätere Tat eingestellt.

Um seine Schiessfähigkeiten auszubilden, spielte Breivik nach eigenen Aussagen den Ego-Shooter «Modern Warfare» und trainierte in einem Schiessclub. Der damit verbundene Abbruch sozialer Kontakte habe es ihm erleichtert, sich auf die geplanten Anschläge vorzubereiten. Seit April 2011 nahm er nach eigenen Angaben zudem Testosteron ein, am Tag der Taten steroide Anabolika.

Breiviks Anwalt Geir Lippestad machte die Überlebenden und Hinterbliebenen darauf gefasst, dass die Fortsetzung am Freitag «der härteste Tag» des Prozesses werden dürfte. Breivik soll dann detailliert zu den Vorgängen auf Utöya befragt werden. Seit dem Beginn des Prozesses gegen Breivik wurden rund ein Dutzend Rechtsextreme am Gerichtsgebäude aufgegriffen.

(sda/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R. K. am 19.04.2012 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Killergames? Totalverbot!

    Dass sich Breivik mit "Modern Warfare" vorbereitet hat, ist Wasser auf den Mühlen all jener, die solche Games kategorisch verteufeln. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis unzählige "Experten" medienwirksam ein Verbot von sogenannten Ballergames fordern. Da hat Breivik der Spieleindustrie ja wahrhaftig einen Bärendienst erwiesen und ich kann mir gut vorstellen, dass in der EU ein Totalverbot für "Modern Warfare" & Co. ausgesprochen wird. Lange wird es bestimmt nicht mehr dauern.

  • dergerechte am 19.04.2012 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    An allem Schuld

    Ohhhjeee jetzt gehts schon wieder los!!! Immer sind die Gamer und die Spiele schuld... wenn die Welt untergeht sind es womöglich auch die Gamer und die Spiele welche schuld sind...

  • paula am 19.04.2012 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    meine Güte!

    Es gibt schon kranke Leute!!??

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • S.w. am 21.04.2012 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cod

    Cod als Amoktraining? Ich spiele auch viel Rennspiele aber weiss immer noch nicht wie ich ein Auto zum laufen bringe. Aber nach den Medien bin ich der Michael Schumacher von morgen:)

  • S.w. am 21.04.2012 16:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Modern Warfare

    Wie bitte soll man sich mit Cod und Wow auf Massenmorde vorbereiten? Dort tötet man feindliche Soldaten mit 2 Analogsticks und einigen weiteren Knöpfen. Breivik ist einfach krank im Kopf und das hat nix mit Cod zu tun.

  • Karl am 19.04.2012 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CoD als Schiessübung

    Es war von Anfang an klar, dass CoD oder Battlefield als "Trainingslager" hingestellt wird. Wenn die Leute die soetwas schreiben auch nur ein Mal Call of Duty gespielt hätten.

  • Heinz Brunner am 19.04.2012 19:36 Report Diesen Beitrag melden

    Gedanken eines junggebliebenen Rentners

    Ohne an einen direkten Zusammenhang zu diesen Gräueltaten eines Irren zu denken, möchte ich diese grauenhaften Computerspiele auf das schärfste verurteilen. Ich kann nicht verstehen, dass unsere Gesetzgeber den Vertrieb solcher Spiele zulässt. Nicht alle Jugendliche können einschätzen, dass diese nur auf brutale Vernichtung ausgelegten Tötungsexzesse mit der Realität gar nichts zu tun haben.

  • R. K. am 19.04.2012 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Killergames? Totalverbot!

    Dass sich Breivik mit "Modern Warfare" vorbereitet hat, ist Wasser auf den Mühlen all jener, die solche Games kategorisch verteufeln. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis unzählige "Experten" medienwirksam ein Verbot von sogenannten Ballergames fordern. Da hat Breivik der Spieleindustrie ja wahrhaftig einen Bärendienst erwiesen und ich kann mir gut vorstellen, dass in der EU ein Totalverbot für "Modern Warfare" & Co. ausgesprochen wird. Lange wird es bestimmt nicht mehr dauern.