Ölpest

20. Februar 2011 08:20; Akt: 20.02.2011 08:24 Print

Boden des Golfs von Mexikos bleibt ölverseucht

Neue Untersuchungen am Grund des Golfs von Mexiko haben gezeigt: Mikroben haben erst zehn Prozent des vorhandenen Öls abgetragen.

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John Wright, Chef von Boots und Coots, der Firma, die die Entlastungsbohrung am Ort des Untergangs der «»Deepwater Horizon durchführt (Juni 2010). Behandlung einer Meeresschildkröte, die durch Kontakt mit Ölrückständen krank wurde. Audubon Nature Institute in New Orleans, 17. August 2010. Dieser Vogel kämpft im Golf von Mexiko gegen den Tod. Es ist ein Kampf, den er nicht gewinnen kann. Das Öl aus dem defekten BP-Bohrloch begräbt die Vögel buchstäblich bei lebendigem Leibe. Dieser Pelikan wird nie mehr fliegen. So sehr er sich auch bemüht, sein Tod ist nur noch eine Frage von Stunden. Die täglich 1,9 bis 3,8 Millionen Liter Öl, die aus der defekten Quelle ins Meer gelangen, haben deutliche Spuren in der Tierwelt hinterlassen. Bis Anfang Juli sollen seit dem Untergang der Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 20. April insgesamt schon 80 Millionen bis 174 Millionen Liter Öl ausgelaufen sein. Lange Zeit war das Ausmass der Katastrophe unterschätzt worden, weil der Ölkonzern BP eine viel geringere Menge angegeben hatte. Die Tiere im Golf von Mexiko zahlen den Preis für die Informationspolitik des Erdölmultis. Die US-Umweltbehörde NOAA teilte am 29. Mai mit, dass inzwischen für etwa ein Viertel des Golfs von Mexiko ein Fischereiverbot besteht. Die Behörde gab die Fläche mit 60'683 Quadratmeilen an, was in etwa 157'000 Quadratkilometern entspricht und damit einer Fläche, die fast viermal so gross ist wie die Schweiz. Für die Fischerei in den drei Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama war vier Tage zuvor der Notstand ausgerufen worden. Die US-Naturschutzbehörde «Fish and Wildlife Service» teilte mit, seit Beginn der Ölkatastrophe am 20. April 2010 ... ... seien mehr als 300 Seevögel, ... fast 200 Meeresschildkröten und 19 Delfine ... ... tot an die Küste gespült worden. Braunpelikane und zahlreiche andere Vögel nisten in den bereits ökologisch fragilen Küstengebieten von Louisiana. Retter bemühen sich verzweifelt darum, ölverschmierte Vögel einzufangen und zu reinigen. Doch für die meisten kommt jede Hilfe zu spät. BP setzt weiterhin eine umstrittene Chemikalie ein, die das Öl unter Wasser binden soll. Die US-Umweltbehörde hatte gefordert, das Mittel Corexit 9500 durch etwas anderes zu ersetzen - der Stoff sei zu giftig, die Folgen für die Umwelt seien nicht abschätzbar. BP bleibt dennoch vorerst bei der Chemiekeule. «Wir sterben einen langsamen Tod, jedes Mal, wenn das Öl sich einen Teil des Marschlandes nimmt, dann ist ein Teil Louisianas für immer verloren», klagen die Fischer. Auch der Tourismus leidet bereits unter der Ölpest.

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Das im vergangenen Jahr nach der Explosion einer Bohrinsel im Golf von Mexiko ausgetretene Öl liegt weiter auf dem Grund des Meeres. Das teilte eine Wissenschaftlerin mit, die im Dezember mit einem U-Boot den Meeresboden in der Nähe des Öllecks untersucht hatte.

Das Öl sei nicht wie erhofft von Mikroben abgebaut worden. Die Meereswissenschaftlerin Samantha Joye von der Universität von Georgia erklärte auf einer Konferenz in Washington, sie habe im Dezember die gleichen Orte aufgesucht wie schon im Sommer und erwartet, dass das Öl inzwischen verschwunden sei.

Zehn Prozent aufgelöst

Das war es aber nicht. Es müsse jetzt noch geklärt werden, warum das Öl nicht wie erwartet abgebaut worden sei. Mikroben hätten bislang vielleicht zehn Prozent aufgelöst.

Die Ergebnisse von Joye und ihren Kollegen widersprechen anderen Studien, die ein viel optimistischeres Bild gezeichnet hatten. Ein Forscher des Energieministeriums hatte erklärt, die Mikroben arbeiteten «sehr schnell».

Nach der Explosion der im Auftrag des Ölkonzerns BP betriebenen Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 20. April waren rund 780 Millionen Liter Öl ins Meer geströmt. Bei der Explosion kamen elf Arbeiter ums Leben. Es handelte sich um die bislang grösste Ölpest in den USA.

(sda)