Fall Snowden

19. August 2013 01:19; Akt: 19.08.2013 08:38 Print

Freund von Glenn Greenwald festgehalten

Glenn Greenwald hat die Affäre Snowden aufgedeckt. Das kriegt jetzt dessen Freund zu spüren: Die Polizei hielt ihn stundenlang fest. Unter einer eher fadenscheinigen Begründung.

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David Miranda (links) wurde neun Stunden lang festgehalten. Sein Partner Glenn Greenwald hatte wegen seiner Artikelserie über Snowden grosse Bekanntheit erlangt. (Bild: Screenshot: Guardian Online)

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In der Spionage-Affäre um Edward Snowden ist am Londoner Flughafen Heathrow ein Journalist festgenommen worden. Es handelt sich um den Lebenspartner des «Guardian»-Reporters Glenn Greenwald, der den Fall Snowden mit seinen Berichten über den NSA-Whistleblower überhaupt ins Rollen gebracht hatte. Seine Artikelserie hatte enthüllt, wie umfassend die Spähprogramme amerikanischer und britischer Geheimdienste sind.

Bei der Festnahme seines Partners David Miranda haben sich die britischen Behörden nach Angaben von Greenwald auf das britische Antiterrorgesetz berufen. Miranda, von Beruf ebenfalls Journalist, wollte von Deutschland über London nach Brasilien fliegen. In Berlin hatte er die letzten Tage an einer Geschichte über Laura Poitras gearbeitet, einer US-Filmemacherin, die sich mit der NSA-Spähaffäre befasst.

Das britische Antiterrorgesetz gestattet den Sicherheitsbehörden, bei Grenzkontrollen Personen bis zu neun Stunden festzuhalten und zu befragen. Von diesem Gesetz machten die Behörden laut Greenwald Gebrauch – und schöpften die maximale Haftzeit «bis zur letzten Minute» aus. Die Londoner Polizei bestätigte, dass ein 28-jähriger Mann am Sonntag um 08.05 Uhr (Ortszeit) festgenommen und gegen 17.00 Uhr freigelassen worden sei.

Mirandas Handy, sein Laptop, seine USB-Sticks sowie andere elektronische Geräte wurden gemäss Greenwald vor der Freilassung beschlagnahmt.

«Regierung will uns einschüchtern»

In einem Artikel auf Guardian Online lässt sich Greenwald über die Festnahme seines Partners aus. Eine auf das Antiterrorgesetz gestützte Festnahme habe den Zweck, abzuklären, ob eine Person einen Terrorakt vorbereitet oder geplant habe. Bei David Miranda habe dieser Verdacht nicht bestanden. «Stattdessen haben sie ihn über den NSA-Bericht ausgefragt. Sie missbrauchten ihr eigenes Antiterrorgesetz komplett», ereifert sich der Journalist. Miranda sei volle neun Stunden festgehalten worden. «Das war offensichtlich gedacht, um all jene, die journalistisch über die NSA und ihr britisches Gegenstück GCHQ berichten, einzuschüchtern.»

Dass die Sicherheitskräfte Miranda seinen Laptop, das Handy und seine USB-Sticks weggenommen haben, bezeichnet Greenwald als «ernsthaften Angriff auf die Nachrichtenbeschaffung und den Journalismus». «Wenn die britische und die US-Regirung glauben, dass sie uns mit einer solchen Taktik einschüchtern oder vom Berichten abhalten können, täuschen sie sich massiv. Wenn überhaupt, hat es einen gegenteiligen Effekt», so der aufgebrachte Journalist.

Vorgehen kritisiert

Die brasilianische Regierung äusserte «grosse Sorge» über Mirandas Festnahme. Der Vorgang sei nicht zu rechtfertigen, da es gegen Miranda keine Vorwürfe gebe, die die Anwendung des Antiterrorgesetzes begründeten.

Auch Amnesty International kritisierte das Vorgehen der britischen Sicherheitskräfte, das ganz offensichtlich im Zusammenhang mit den Enthüllungen von Greenwald stehe. «Das Festhalten von David Miranda war illegal und unentschuldbar», erklärte die Menschenrechtsorganisation. Der Brasilianer sei «ganz klar Opfer von Repressalien» geworden, die seinen Lebenspartner treffen sollten.

(jbu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Robert Gschwend am 19.08.2013 05:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der Terror hat gesiegt

    die Welt leidet an massiver paranoia. Jedes Land soll auf eigenem Boden auf räumen. Solange in fremden Ländern einmarschiert wird wird der Terror immer schlimmer. Terroristen werden nicht geboren, sie werden gemacht.

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  • segel1100 am 19.08.2013 06:51 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur Unverschämt ...

    Die werden immer dreister ... Frechheit --- Politik soll Menschen dienen und nie der Macht, wenn's anders läuft, dann ist was falsch.

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  • Sushi am 19.08.2013 02:05 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja

    Wundert das einen? Eigentlich ist schon lange bekannt wie GB zu den USA steht bzw was beide gemeinsam tun. Ist schliesslich nichts neues. Als ob es ein Zufall ist, dass GB das Land ist mit der grössten Dichte an Überwachungskameras ;) Juckt mich aber im Grossen und Ganzen nicht was die so treiben. Macht bei mir keinen Unterschied :)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • René Fuchs am 20.08.2013 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Lassen wir es zu oder nicht?

    Es ist noch keine 80 Jahre her, da begann eine Zeit in Europa und der restlichen Welt, die genau die gleichen Vorzeichen hatte. Zensur und Unterdrückung der Meinungsfreiheit bis zum totalen Exzess. Wollen wir den gleichen Weg wieder gehen und wieder für ein paar wenige Psychopathen unsere Väter, Mütter, Söhne und Töchter vergewaltigen lassen und opfern um dann nach vielen Jahren des totalen Leids und Untergangs heraus zu finden, dass uns das rein gar nichts brachte und wir wieder ein paar schnorrenden Psychopathen Stück für Stück auf den Leim gegangen sind?

  • Daniel Hofmann am 19.08.2013 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Jeden kann es treffen

    Was unterscheidet Uns noch von einer " Diktatur " ? Demnach kann ein jeder mit Hilfe von Antiterror Gesetzen einfach Festgehalten, Verhört werden und seine Elektronischen Geräte einfach beschlagnahmt werden. Wie viel Überwachung wollt Ihr denn noch? Überall Videoüberwachung,Telefon,Internet.... Was ist mit der Freiheit? Es gibt wohl keine Freiheit mehr. Wer was " Falsches " schreibt im Netz, kann besuch von der Polizei bekommen oder am Flughafen festgenommen werden. wann kommt der Staat DICH holen ???

    • Einsamer Zyniker am 20.08.2013 12:50 Report Diesen Beitrag melden

      Leider wenig

      Leider nicht viel, weil die Illusion einer sog. freien demokratischen Welt immer noch meistens unsere Sicht trübt. Zudem muss man auch leider sagen, dass den meisten die Zeit fehl sich richtig zu informieren und dadurch nur den für den Pöbel gedachten Infostand durch die Reutersorgane genährt wird. Leider spielen heute die Massenmedien die Rolle die im Mittelalter die Kirche gespielt hat.

    • maxx am 21.08.2013 13:03 Report Diesen Beitrag melden

      Zyniker hat Recht

      Die Medien sind eines der grössten Probleme!

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  • Peter am 19.08.2013 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Na und.

    Ob man es strafwürdig findet oder nicht, es wurde ein Delikt begangen. Die Behörden sind verpflichtet zu ermitteln und befragen nun den Lebenspartner eines Beteiligten. Nicht sehr taktvoll, in der Tat, aber daraus die grosse Einschüchterungs-Verschwörung zu machen ist einfach nur Assange-mässig lächerlich. Einschüchterung wäre weit einfacher und effektiver auf andere Weise zu haben. Wenn einer versucht einzuschüchtern, dann Greenwald, indem er in seiner Kollumne jedes noch so banale Steinchen das ihm in den Weg gelegt wird als grossen NSA-Komplott aufbauscht.

  • Mark Z. am 19.08.2013 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    Paranoia total

    Es ist leider so, dass GB den USA hinterhechelt wie der Pudel dem Meister. Die Regierungen erlassen paranoide Gesetze, die den Menschen der Freiheit berauben, mit der Begruendung Terror zu bekaempfen. Dass sie dadurch nur noch mehr Terror erzeugen und schlussendlich die eigene Bevoelkerung gegen sich haben, wollen sie nicht wahrhaben. Wird was aufgedeckt, reagieren sie trotzig und zickig.

    • maxx am 21.08.2013 13:05 Report Diesen Beitrag melden

      @mark

      Falsch. Das wollen sie wohl wahrhaben, denn es ist sogar gewollt so! Terror ist der perfekte Feind. Gäbe es ihn nicht, man müsste ihn glatt erfinden! Terror ist gewollt von den "Terrorbekämpfern". DAS muss uns endlich bewusst werden!

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  • Bernhard Ruch am 19.08.2013 07:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absolut richtig

    Warum eine solche Aufregung? Swowden hat die USA verraten und flüchtet feige. Sein Mitarbeiter ging in die Falle, da ist es klar das man ihn untersucht, seine Sachen beschlagnahmt und ihn hoffentlich einsperrt. Das ist nicht unverschämt, das ist richtig. Und Snowden soll die Klappe nicht zuweit aufmachen, "in seinem Versteck". Sonst soll er sich stellen, dieser Bubi!

    • murat am 21.08.2013 13:06 Report Diesen Beitrag melden

      @bernhard ruch

      Hätten Sie das zu den Geschwistern Scholl oder Stauffenberg auch gesagt?

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