Wers glaubt

24. Juli 2013 12:57; Akt: 24.07.2013 13:54 Print

Die NSA kann die eigenen E-Mails nicht durchsuchen

Datenschützer können aufatmen, die NSA ist nicht allmächtig: Der US-Geheimdienst überwacht Millionen Bürger – mit den eigenen E-Mails ist er überfordert. Das zumindest wollte man einem Reporter weismachen.

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Wie ein riesiger Monolith steht das Hauptgebäude der National Security Agency (NSA) mitten auf dem grössten Parkplatz der Welt. Er bietet Raum für 18'000 Fahrzeuge. Die schwarzen Glasfassaden sind durch Kupfernetze elektromagnetisch abgedichtet. Auf dem Baltimore-Washington Expressway hat die NSA eine eigene Ausfahrt, die allerdings nur von Befugten benutzt werden darf. Der schwarze Monolith ist das geheimnisvollste Objekt im berühmten Science-Fiction-Film «2001: A Space Odyssey» von Stanley Kubrick. Das NSA-Hauptgebäude wirkt in Farbe und Form ähnlich futuristisch. Das Utah Data Center der NSA soll im Herbst in Betrieb gehen. Die massive Anlage auf 140'000 Quadratmetern südlich von Salt Lake City wird der Datenspeicherung dienen. Vor dem Eingang des Utah Data Center wirken Menschen verschwindend klein. Das Utah Data Center hat eine Elektrizitätsversorgung und eine separate Kühlanlage mit den hier sichtbaren Air-Conditioning-Einheiten. Der frühere Mitarbeiter Edward Snowden hat sich nach Hongkong abgesetzt, nachdem er dem britischen «Guardian» geheime Informationen über die grossangelegte Datenschnüffelei der NSA überreicht hat. Inzwischen hat die US-Regierung bestätigt, dass die NSA die Metadaten sämtlicher Telefongespräche in Amerika speichert und den Internet-Verkehr ins Ausland überwacht. Der Viersternegeneral Keith Alexander leitet die National Security Agency seit 2005. Unter ihm hat sich die NSA stark vergrössert. Alexander will nächstes Jahr zurücktreten.

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Die Nachricht wird all jene erleichtern, die Wert auf ihre Privatsphäre legen: Die National Security Agency (NSA) ist entgegen ihrem Ruf nicht allmächtig. Der Supergeheimdienst kann zwar den Telefon- und Mailverkehr von Millionen Menschen überwachen – aber offenbar ist er mit einer simplen Suche in den E-Mails seiner eigenen Mitarbeiter überfordert.

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Insgesamt 3137 Teilnehmer

Der amerikanische Reporter Justin Elliott startete vergangene Woche eine Recherche über die Entstehung eines wohlwollenden Portraits der NSA, das auf dem TV-Senders «National Geographic» ausgestrahlt wurde. Zu diesem Zweck verlangte er auf Grundlage des Freedom of Information Act (FOIA) Einsicht in den E-Mail-Verkehr zwischen «National Geographic» und der NSA. Ziel war, die PR-Aktivitäten des Geheimdienstes unter die Lupe zu nehmen.

System «ein wenig veraltet»

Die überraschende Antwort der NSA: «Leider haben wir momentan keine Möglichkeit, zentral nach E-Mails zu suchen», sagte die für FOIA-Anfragen zuständige Mitarbeiterin Cindy Blacker. Das System sei «ein wenig veraltet». Wenige Tage später bat sie den Reporter, seine Anfrage einzugrenzen, da jede Inbox einzeln durchsucht werden müsse. Die NSA hat 30'000 Mitarbeiter.

Viele Amerikaner halten die Antwort der NSA freilich für eine Ausrede, wie ein Blick in die Kommentarspalten zeigt: «Natürlich können sie die eigenen E-Mails durchsuchen. Das ist einfach eine höfliche Art zu sagen, dass sie nichts sagen wollen», schreibt ein Leser auf der «Huffington Post».

(kri)