Aus Snowdens Fundus

31. Juli 2013 17:33; Akt: 01.08.2013 08:35 Print

Die NSA liest auch Ihre Facebook-Chats

Mit der Veröffentlichung von internen Dokumenten kämpft die NSA um ihr Image. Derweil veröffentlicht der «Guardian» weiteres belastendes Material, das zeigt, dass der US-Geheimdienst praktisch unbegrenzten Zugriff auf Daten hat.

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Wie ein riesiger Monolith steht das Hauptgebäude der National Security Agency (NSA) mitten auf dem grössten Parkplatz der Welt. Er bietet Raum für 18'000 Fahrzeuge. Die schwarzen Glasfassaden sind durch Kupfernetze elektromagnetisch abgedichtet. Auf dem Baltimore-Washington Expressway hat die NSA eine eigene Ausfahrt, die allerdings nur von Befugten benutzt werden darf. Der schwarze Monolith ist das geheimnisvollste Objekt im berühmten Science-Fiction-Film «2001: A Space Odyssey» von Stanley Kubrick. Das NSA-Hauptgebäude wirkt in Farbe und Form ähnlich futuristisch. Das Utah Data Center der NSA soll im Herbst in Betrieb gehen. Die massive Anlage auf 140'000 Quadratmetern südlich von Salt Lake City wird der Datenspeicherung dienen. Vor dem Eingang des Utah Data Center wirken Menschen verschwindend klein. Das Utah Data Center hat eine Elektrizitätsversorgung und eine separate Kühlanlage mit den hier sichtbaren Air-Conditioning-Einheiten. Der frühere Mitarbeiter Edward Snowden hat sich nach Hongkong abgesetzt, nachdem er dem britischen «Guardian» geheime Informationen über die grossangelegte Datenschnüffelei der NSA überreicht hat. Inzwischen hat die US-Regierung bestätigt, dass die NSA die Metadaten sämtlicher Telefongespräche in Amerika speichert und den Internet-Verkehr ins Ausland überwacht. Der Viersternegeneral Keith Alexander leitet die National Security Agency seit 2005. Unter ihm hat sich die NSA stark vergrössert. Alexander will nächstes Jahr zurücktreten.

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Die britische Tageszeitung «The Guardian» hat eine weitere NSA-Präsentation veröffentlicht, wonach der US-Geheimdienst praktisch unbegrenzten Zugriff auf Internetdaten der Menschen weltweit habe. Mit dem Überwachungsprogramm «XKeyscore» kann die NSA nahezu in Echtzeit mitlesen, was im Internet geschieht, wie der «Spiegel» berichtet. Damit können Geheimdienst-Mitarbeiter auch die Inhalte von privater Facebook-Kommunikation lesen - auch nachträglich.

Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden hatte bereits Anfang Juni in seinem ersten Interview behauptet, er hätte auch den US-Präsidenten belauschen können, wenn er die E-Mail-Adresse gewusst hätte. Dies war von US-Offiziellen dementiert worden.

Der in Brasilien lebende US-Journalist Glenn Greenwald, mit dem Snowden zusammen arbeitet, veröffentlichte am Mittwoch in der Online-Ausgabe des «Guardian» eine Präsentation aus dem Jahr 2008 zum Programm «XKeyscore».

Geheimdienstmitarbeiter können danach in «enormen Datenbanken» der NSA nach Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Schlagworten suchen. Für die einzelnen Anfragen bräuchten sie keine gesonderte Zustimmung eines Richters oder eines anderen NSA-Mitarbeiters, schreibt der «Guardian». Auch die Beobachtung der Internetaktivität einzelner in Echtzeit sei möglich.

Die Präsentation stammt wie vorige Veröffentlichungen aus dem Bestand von Snowden. Diesmal stellte der «Guardian» allerdings den kompletten Schriftsatz ins Netz. Einige Seiten wurden geschwärzt, weil sie Details zu konkreten Geheimdiensteinsätzen enthielten, die man nicht verraten wolle.

USA veröffentlichen NSA-Dokumente

Die USA haben derweil drei Dokumente veröffentlicht, die Details über die Sammlung von US-Telefondaten durch den Geheimdienst NSA enthalten. Die Dokumente seien im «öffentlichen Interesse» und mit dem Ziel «grösserer Transparenz» deklassifiziert worden, teilte der amtierende Nationale Geheimdienstkoordinator James Clapper am Mittwoch mit.

Die Veröffentlichung wird von Beobachtern als Versuch gewertet, Klarheit in Fragen zur NSA zu schaffen und damit dem wachsenden Widerstand im US-Kongress gegen Überwachung etwas entgegenzusetzen.

Die im Internet veröffentlichten Papiere enthalten weitere Details über die gross angelegte Sammlung von Telefondaten, die der Computerspezialist Edward Snowden bereits Anfang Juni enthüllt hatte.

Es handelt sich um Berichte aus den Jahren 2009 und 2011 sowie den Beschluss eines Geheimgerichts vom vergangenen April, der vorgibt, zu welchen Regeln die Daten gespeichert und Ermittlern zugänglich gemacht werden sollen. Die teilweise geschwärzten Dokumente legen allerdings nur in groben Zügen dar, wie genau NSA-Mitarbeiter die gesammelten Daten verwenden.

(rey/jam/sda)