Affäre DSK

17. Juni 2011 15:50; Akt: 17.06.2011 15:56 Print

«Diese Handschellen sind zu eng»

Der frühere IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hat sich bei seiner Verhaftung Mitte Mai auf seinen Diplomatenstatus berufen und über das Anlegen von Handschellen beschwert.

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Am beginnt in Lille der Prozess gegen den früheren IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wegen schwerer Zuhälterei. Begleitet von einem riesigen Rummel erschien DSK im dunklen Anzug im Gerichtssaal. Die Konfrontation mit den zahlreichen Medienvertretern vermied er, indem er sich direkt in die Parkgarage fahren liess. Dem 65-Jährigen wird vorgeworfen, an einem Prostitutionsring beteiligt gewesen zu sein, der Sexpartys in Luxushotels organisierte. Die Karriere des Sozialisten war vor vier Jahren auf Grund gelaufen, nachdem ihm sexueller Missbrauch eines Zimmermädchens in einem New Yorker Hotel zur Last gelegt worden war. Der US-Enthüllungsjournalist Edward Epstein behauptete allerdings in einem Artikel, der am im «New York Review of Books» erschien, dass Dominique Strauss-Kahn Opfer eines Komplotts gewesen sein könnte. Dem Bericht zufolge soll Nicolas Sarkozys Partei UMP auf mindestens eine private E-Mail Strauss-Kahns zugegriffen haben. Die UMP wies die Vorwürfe zurück. Dominique Strauss-Kahn geht nach der Berichterstattung über eine Callgirl-Affäre juristisch nicht nur gegen mehrere Zeitungen, sondern auch gegen Präsidentenberater Henri Guaino (im Bild) vor. Am nahm der Fall DSK eine neue Wende: Die französische Polizei ermittelt wegen Zuhälterei. Dominique Strauss-Kahn soll im Jahr 2009 mit einer Prostituierten zusammengewesen sein, die für einen Geschäftsmann und Kollege des ehemaligen IWF-Chefs gearbeitet habe. Im ersten Fernsehinterview nach seiner Rückkehr nach Frankreich, sagte Strauss-Kahn am , er hätte eine «unangemessene Beziehung» zur Angestellten des Hotels gehabt, jedoch habe keine strafbare Handlung stattgefunden, weder Gewalt noch Zwang sei im Spiel gewesen. Das erste Bild nach der Rückkehr: Dominique Strauss-Kahn am Flughafen Roissy. werde. Offenbar glaubt der Staatsanwalt Cyrus R. Vance Jr. der Frau kein Wort. Die Klägerin habe gegenüber den Ermittlern zu ihrem Leben, ihrer Vergangenheit und ihrem Verhalten nach dem Zusammentreffen mit Strauss-Kahn gemacht. Ihre Glaubwürdigkeit könne nicht einmal der einfachsten Evaluierung standhalten. Die Staatsanwaltschaft reichte darum beim Gericht einen Antrag ein, worin sie empfiehlt, die . Nafissatou Diallo kündigt an, eine Zivilklage gegen Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn einzureichen. Wende im Fall Dominique Strauss-Kahn: Wegen Zweifeln der Staatsanwaltschaft an der Glaubwürdigkeit des mutmasslichen Vergewaltigungs-Opfers hat ein New Yorker Gericht den früheren IWF-Chef aus dem Hausarrest entlassen. Die Kaution von insgesamt sechs Millionen Dollar wurde rückerstattet, seinen Reisepass erhielt Strauss-Kahn vorerst aber nicht zurück. Staatsanwalt Cyrus Vance Jr. erklärte, es seien Zweifel an der Glaubwürdigkeit des 32-jährigen Zimmermädchens aufgekommen Am muss Strauss-Kahn wegen Reklamationen seiner Nachbarn seine Unterkunft wechseln. Der nächste Gerichtstermin ist für den 6. Juni angesetzt. Im Internet war das Haus für 50 000 Dollar pro Monat zur Miete ausgeschrieben. Für seine Bewachung muss Strauss-Kahn zudem rund 200 000 Dollar pro Monat aus eigener Tasche bezahlen. auf der Uniform des mutmasslichen Opfers mit der DNA des Ex-IWF-Chefs überein. Polizei und Staatsanwaltschaft sowie Strauss-Kahns Anwälte (Bild: Benjamin Brafman) verweigern jeden Kommentar. Die Anwälte von Dominique Strauss-Kahn suchen Beweise für die anzubieten. Auf dem Bild: Geschäfte von Exil-Guineern in New York. melden sich zu Wort. Strauss-Kahn habe habe ebenfalls versucht, sie anzubaggern. Die Medien kolportieren derweil weitere Juicy Details wie etwa den angeblichen Viagra-Konsum des Ex-IWF-Chefs. 200 000 Dollar pro Monat kostet. belagern das Gebäude ebenfalls rund um die Uhr. . Das Medieninteresse ist gross. Gleichzeitig wird die wird heiss diskutiert, wer die Nachfolge als IWF-Chef antreten soll. Anwohner wehren sich dagegen, dass Strauss-Kahn in ihre Nachbarschaft zieht. Dieser muss sich eine neue Unterkunft suchen. Gleichentags wird bekannt dass der Ex-IWF-Chef eine Abfindung von 250 000 Dollar erhält. Dominique Strauss-Kahn kommt gegen eine Kaution von frei. Auf dem Bild: Die Presse vor einem Gebäude des Rikers Island Gefängnisses. beim Verlassen des New Yorker Gerichts. Der ehemalige IWF-Chef wird unter Hausarrest gestellt. Er soll im Haus seiner Tochter in New York untergebracht werden. Sein Pass bleibt eingezogen. Zuvor war gegen Strauss-Kahn von der US-Staatsanwaltschaft worden. die Gattin von Strauss-Kahn, vor der Anhörung wegen des Antrags auf Haftentlassung auf dem Weg zum New Yorker Gericht. Er sei «unendlich traurig», das Amt aufgeben zu müssen, heisst es in dem Schreiben. «Ich möchte diese Institution schützen, der ich mit Ehre und Hingabe gedient habe, und vor allem - vor allem - möchte ich all meine Kraft, all meine Zeit und alle meine Energie darauf verwenden, meine Unschuld zu beweisen.» Das ist das Ende der Karriere von Dominique Strauss-Kahn. Die Suche nach seiner Nachfolge ist offiziell eröffnet. Eine Kandidatin mit guten Chancen ist die (Foto vom 19. Februar 2011). Gleichentags stellen seine Anwälte einen Darin wird zudem Hausarrest vorschlagen: Der 62-Jährige solle im Haus seiner Tochter Camille untergebracht werden, die in New York studiert. Am zwischen dem dem Zimmermädchen und dem IWF-Chef im New Yorker Hotel Sofitel gekommen sein. in ein Krankenhaus gebracht. Dominique Strauss-Kahn wird dem Haftrichter vorgeführt. Seine Anwälte beantragen eine Freilassung ihres Mandanten gegen eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar und sichern zu, der 62-Jährige werde New York nicht verlassen. Doch die erklärte, Strauss-Kahn sei wohlhabend und habe keinen festen Wohnsitz in New York. «Er hat kaum einen Anreiz in diesem Land zu bleiben, aber jeden, es zu verlassen», sagt Vize-Staatsanwalt John A. McConnell. Haftrichterin Melissa Jackson entscheidet, dass Dominique Strauss-Kahn wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft bleiben muss. Die New Yorker Ermittler legen DSK schwere Verbrechen zur Last. präsentierten sie gegen den Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF). Darunter finden sich versuchte Vergewaltigung, Freiheitsberaubung sowie erzwungener Oral- und Analverkehr. Auf die angeführten Taten steht eine gebracht. Die riesige New Yorker Haftanstalt liegt auf einer Insel im East River. Der Beschuldigte sitzt in einer etwa dreieinhalb mal vier Meter grossen Einzelzelle. Wegen Suizidgefahr wird er überwacht. Dominique Strauss-Kahn muss die Nacht im Special Victims Unit (Spezialabteilung für Sexualverbrechen) in Harlem verbringen. In derselben Nacht besucht ihn der französische Botschafter. die Anwälte von Strauss Kahn, erklären, sein Mandant weise alle Anschuldigungen zurück und werde sich im Sinne der Anklage für nicht schuldig erklären. Als Am wird der französische Politiker in Manhattan von Polizisten in Handschellen abgeführt. wird IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn in der Ersten Klasse einer startbereiten Air-France-Maschine nach Paris von US-Beamten festgenommen. Strauss-Kahn soll sich nach Aussage einer Putzfrau des New Yorker Nobelhotels Sofitel am Mittag desselben Tages in seiner Hotelsuite nackt auf sie gestürzt und sie zum Oralsex gezwungen haben. Dominique Strauss-Kahn hat am die 80 Quadratmeter grosse Suite 2806 in der 28. Etage bezogen. Laut eigenen Angaben betritt die Hotelangestellte die Suite, um die Zimmer zu reinigen. Vorher habe sie dreimal geklingelt. Sie habe ihren Putzwagen in der geöffneten Tür stehen lassen, das sei Vorschrift. habe sich auf die Hotelangestellte gestürzt, die Tür verriegelt und die Frau ins Schlafzimmer gezerrt. sie zu vergewaltigen. Sie habe sich kurz losreissen können, worauf er sie ins Badezimmer gezerrt und dort zum Oralsex gezwungen habe. Danach sei ihr die Flucht gelungen. Sie habe den Fall sofort der Direktion gemeldet. Diese ruft erst rund eine Stunde später (13.32 Uhr Ortszeit) die Polizei. trifft kurz darauf im Hotel ein. Strauss-Kahn ist jedoch schon weg. Er hat um 12.28 Uhr ausgecheckt. Strauss-Kahn erklärt seinen schnellen Aufbruch damit, dass er mit seiner Tochter zum Lunch verabredet gewesen sei. ruft er im Hotel an, weil er eines seiner Handys in der Suite vergessen hatte. Er bittet darum, dass es ihm aufs Flugzeug gebracht werde. Damit kennt die Polizei seinen Aufenthaltsort. Der Skandal sorgt für in den USA wie auch in Europa. Strauss-Kahns Frau gegen ihren Ehemann. Sie zweifele nicht, dass seine Unschuld erwiesen werde. Strauss-Kahn ist in dritter Ehe mit der gebürtigen New Yorkerin verheiratet und hat vier Kinder. Für die französische Zeitung «Le Parisien» ist die Festnahme von Strauss-Kahn ein «Donnerschlag in der französischen politischen Welt». Eine der möglichen Rivalinnen, die frühere sozialistische Präsidentschaftskandidatin Aber es sei nichts bewiesen, sagte sie dem Radiosender «Europe 1». Am Vortag war Dominique Strauss-Kahn Strauss-Kahns unbändiger Sexualtrieb ist berüchtigt: Bereits 2002 soll er die französische Journalistin angegriffen und bedrängt haben.

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Dominique Strauss-Kahn wurde am 14. Mai auf dem New Yorker John-F.-Kennedy-Flughafen unter dem Verdacht verhaftet, in einem New Yorker Hotel ein Zimmermädchen vergewaltigt zu haben. Wie nun aus Dokumenten der Staatsanwaltschaft zu entnehmen ist, soll er bei seiner Verhaftung einen verwirrten Eindruck gemacht haben.

Wiederholt habe er gefragt, worum es gehe und sich erst nach fünf Stunden bei den Polizisten erkundigt, ob er einen Anwalt brauche. Den Unterlagen zufolge habe sich Strauss-Kahn dann auf seinen Diplomatenstatus berufen. Er bat, mit dem französischen Konsulat Kontakt aufnehmen zu dürfen. Vor allem machte er sich Sorgen, dass er am nächsten Tag einen «wichtigen Termin» verpassen würde: Der damalige Direktor des Internationalen Währungsfonds hatte ein Treffen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel geplant.

«Ich hätte eine Aussage gemacht»

Der Ermittler, der sich mit seinem Fall befasste, erlaubte ihm, seinen Anwalt anzurufen. DSK nahm daraufhin Kontakt mit Staranwalt Benjamin Brafman auf. Als er sein Gespräch zu Ende geführt hatte, sagte der Franzose: «Mein Anwalt riet mir, nicht zu reden. Ich hätte gerne eine Aussage gemacht.»

In seiner ersten Anhörung vor dem Richter sollte der 62-Jährige später die Vergewaltigungsvorwürfe zurückweisen. Seit seiner Freilassung auf Kaution steht er unter Hausarrest.

(kle)