Alt-Al-Kaida-Funktionär

24. September 2014 15:48; Akt: 24.09.2014 16:28 Print

Der Chorasan-Chef ist gefährlicher denn je

Die mit dem Terrornetzwerk Al Kaida verbundene Gruppe Chorasan hat nur ein Ziel: ein zweites 9/11. So will es Chef Al-Fadhli, der als 19-Jähriger ein Zögling Osama Bin Ladens war.

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Muhsin al-Fadhli. Mit 19 Jahren war er in die Anschlagspläne von Osama Bin Laden auf das World Trade Center eingeweiht. Heute gilt er als gefährlicher denn je. (Bild: Screenshot Youtube)

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Chorasan – ein im Westen kaum geläufiger Name für eine Terror-Gruppierung, die jedoch nicht ganz neu ist. Als Ablegerin der Al-Nusra-Front in Syrien, besteht sie aus erfahrenen Al-Kaida-Funktionären, die sich vor allem auf eines spezialisieren: Anschläge im Westen.

Anders als der «Islamische Staat» (IS) sind diese nicht an Gebietseroberungen, Rohstoffen oder an der Einrichtung eines Kalifats interessiert – sondern an westlichen Dschihadisten, die im Kampf gegen den syrischen Machthaber Al-Assad nach Syrien reisen. Diese Ausländer besitzen das, was für die Zwecke von Chorasan enorm wertvoll ist, nämlich westliche Pässe. Damit lassen sich die Sicherheitskontrollen an den Flughäfen leichter umgehen und Sprengsätze einfacher in Flugzeuge schmuggeln. Dabei setzt die Gruppe offenbar auf Bomben, die aus einem nicht metallischen Material bestehen, etwa eine Zahnpasta-Tube oder Kleidung, die in explosives Material getaucht wurde, so CNN unter Berufung auf US-Sicherheitskreise. Chorasan sei kurz vor der Ausführung solcher Angriffe in Europa oder den USA gewesen. Aus diesem Grund richteten sich die US-Angriffe mit Tomahawk-Marschflugkörpern am Dienstag zunächst gegen Chorasan-Stellungen in Syrien.

Als 19-Jähriger in 9/11-Pläne eingeweiht

Rund um die Chorasan-Gruppe gibt es viele offene Fragen. Etwa, wie viele Mitglieder sie umfasst und von wo aus diese ihre Fäden ziehen. Kopf der Gruppe ist Muhsin Al-Fadhli. Als 19-Jähriger soll er zu jenen wenigen Al-Kaida-Kommandanten gehört haben, die in Osama Bin Ladens Anschlagspläne auf das World Trade Center eingeweiht waren. Heute ist Al-Fadhli 33 Jahre alt – und offenbar gefährlicher denn je: Er gilt als begnadeter Netzwerker unter kuwaitischen Geldgebern und verfügt über ein Heer von Mitarbeitern mit ausgeklügeltem Sprengstoff-Wissen.

Die Uno erwähnt Al-Fadhli im Zusammenhang mit 9/11 erstmals 2001. Er habe bereits 1998 bei den Anschlägen auf US-Botschaften in Kenia und Tansania mit hunderten Toten eine Schlüsselrolle innegehabt, heisst es in dem Bericht. Dem US-State Departement gilt er seit über einem Jahrzehnt als «Financier und Unterstützer» von Al-Kaida. Auf den Kuwaiter sind sieben Millionen Dollar Kopfgeld ausgesetzt.

Das Ziel: ein zweites 9/11

Keine zwanzig Jahre alt, hatte Al-Fadhli das Vertrauen Osama Bin Ladens gewonnen. Bald fungierte er als Nummer zwei in der Kommandostruktur. Er kämpfte in Afghanistan gegen die USA und in Tschetschenien gegen Russland. Er arbeitete eng mit Abu Musab al-Zarqawi zusammen, dem berüchtigten Kaida-Chef aus dem irakischen Ableger. 2002 soll Al-Fadhli in Yemen einen Anschlag auf einen französischen Tanker geplant haben. Bilanz: ein getöteter Franzose und 50‘000 Barrel ausgelaufenes Rohöl, welche 72 Kilometer Küstenabschnitt verschmutzten.

Nachdem er eine Zeitlang in einem kuwaitischen Gefängnis gesessen hatte, flüchtete er in den Iran, wo er bald eine Kaida-Zelle befehligte. Dank dieser Position gelang es ihm, Extremisten über den Iran nach Afghanistan und Irak zu schleusen. Über die Zeit entstand gemäss dem US-Finanzministerium ein Netzwerk, das heute Kämpfer und Geld über die Türkei nach Syrien schmuggelt.

Angesichts des Eingreifens der USA im Irak und Syrien habe Al-Fadhli seine Taktik geändert: Statt Kämpfer nach Syrien bringen zu lassen, will er gerade die westlichen Dschihadisten aus Syrien herausholen – damit diese die Ziele von Chorasan im Westen umsetzen: ein zweites 9/11.

(gux)