Von Libyen aus

20. Februar 2015 08:13; Akt: 20.02.2015 09:53 Print

IS will 500'000 Flüchtlinge nach Europa treiben

Eine britische Zeitung stellt eine erschreckende Behauptung auf: Demnach droht die IS-Terrormiliz, Europa mit Flüchtlingen zu überschwemmen.

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Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) drohe damit, eine halbe Million Flüchtlinge in Libyen in hunderte Boote zu stecken und sie gleichzeitig Richtung Europa loszuschicken. Damit nicht genug: Die IS-Terroristen wollten auf diese Weise als Flüchtlinge getarnt selbst nach Europa gelangen.

Das schreibt die britische «Daily Mail» unter Berufung auf «in Italien veröffentlichte Telefonmitschnitte». Es handle sich um eine «psychologische Waffe», sollen die Terroristen gedroht haben, für den Fall, dass der Westen in Libyen militärisch eingreife.

Terror rückt näher an Europa

Ob die Angaben der britischen Zeitung zutreffen, lässt sich nicht bestätigen. Auffallend ist aber, dass internationale Medien die Meldung nur vereinzelt aufgriffen. Selbst in Italien fand die Schreckensnachricht kaum Beachtung – und wenn, dann unter Berufung auf die «Daily Mail».

Trotzdem: Die Angst vor einer Ausbreitung der IS-Terrormiliz nach Libyen ist berechtigt. Damit rückt der Terror näher an Europa. Die Sorge wächst, dass das bereits zerrissene Land dadurch vollends im Chaos versinken könnte und die Zahl der Flüchtlinge weiter ansteigt.

Italien leidet unter Flüchtlingswelle

Darunter hätte vor allem Italien zu leiden. Hunderttausende Menschen erreichten in den letzten Jahren von Libyen aus die italienische Küste. Mit ihren Forderungen nach mehr finanzieller und materieller Unterstützung bei der Bewältigung der Migrationsmassen fand die italienische Regierung bei der EU bisher kaum Gehör.

Sieht Italien nun seine Chance auf Unterstützung bei der Bewältigung der Flüchtlingswelle gekommen? Nachdem bekannt wurde, dass die IS-Terroristen in Libyen 21 ägyptische Kopten enthauptet hatten, forderte die italienische Verteidigungsministerin Roberta Pinotti umgehend eine internationale UNO-Einheit zur Bekämpfung von Dschihadismus und bot an, 5000 Soldaten in das Land zu schicken.

Renzi will Waffenruhe vermitteln

Den Vorstoss seiner Ministerin kanzelte Regierungschef Matteo Renzi laut der «Süddeutschen Zeitung» schnell als «hysterische Reaktion» ab. Er bot vor dem UNO-Sicherheitsrat stattdessen an, dass sein Land in Libyen eine Waffenruhe vermitteln und die lokalen Streitkräfte ausbilden könne.

(kmo)