Saudi-Arabien

02. März 2011 16:12; Akt: 02.03.2011 17:27 Print

Steigende Fieberkurve in Riad

Zwei Aufrufe zu Demonstrationen sorgen für Nervosität in der saudischen Monarchie. Laut Gerüchten wurde ein Facebook-Administrator erschossen und ein Geistlicher entführt.

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Der König von Saudi Arabien, Abdullah (Mitte vorne, in schwarzem Gewand), bei seiner Rückkehr in Riad nach dreimonatiger gesundheitsbedingter Abwesenheit. (Bild: Reuters)

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Die Volksaufstände in mehreren arabischen Ländern gehen auch an Saudi-Arabien, dem wichtigsten Öl-Exporteur der Welt, nicht spurlos vorbei. Am Mittwoch machte in saudischen Aktivisten-Kreisen das Gerücht die Runde, einer der zwei Administratoren einer Facebook-Seite von Regierungsgegnern sei von Angehörigen der Sicherheitskräfte in Riad erschossen worden.

Von offizieller Seite wurde dies ebenso wenig bestätigt wie die Festnahme eines schiitischen Geistlichen im Osten von Saudi-Arabien am vergangenen Sonntag. Scheich Tawfik al-Amir, der in Ahsa predigte, soll in der Moschee dazu aufgerufen haben, Saudi-Arabien in eine konstitutionelle Monarchie umzuwandeln.

Aufrufe zu Demonstrationen

Im sozialen Netzwerk Facebook, das von jungen Saudis stark genutzt wird, gibt es derzeit zwei Aufrufe zu Demonstrationen gegen Korruption und für eine stärkere Beteiligung der Bürger an politischen Entscheidungsprozessen. Die Demonstrationen sollen am 11. und 20. März stattfinden. Den Namen des Getöteten, der den Angaben zufolge in seinem Haus umgebracht wurde, gaben die Aktivisten mit Faisal Ahmed Abdul Ahad an.

Sie erklärten unter Berufung auf den zweiten Administrator der Seite, der seinen Namen angeblich aus Sicherheitsgründen nicht nennen wollte, Ahad sei am Dienstagabend in seinem Haus in Riad von einem Kommando erschossen worden. Die Angreifer hätten seine Leiche mitgenommen.

Salih al-Chaslan, der Sprecher der Nationalen Menschenrechtsgesellschaft von Saudi-Arabien, sagte auf Anfrage, er wisse weder etwas von der Festnahme des Geistlichen noch von dem Tod des Mannes aus Riad. «Bei uns sind keine Beschwerden diesbezüglich eingegangen», sagte der Sprecher der staatlichen Gesellschaft.

Die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte am vergangenen Montag eine Erklärung zur Festnahme von Scheich Al-Amir veröffentlicht. Darin hiess es: «Die saudische Regierung sollte den Forderungen ihrer Bürger Gehör schenken, anstatt zu versuchen, sie mundtot zu machen.»

(sda)