«Geheime» Operationen

09. Juni 2011 11:51; Akt: 09.06.2011 11:55 Print

USA forcieren Angriffe auf Al Kaida im Jemen

Die USA reagieren auf das Machtvakuum im Jemen auf ihre Art. Sie haben ihre verdeckten Luftangriffe gegen mutmassliche Al-Kaida-Extremisten verstärkt.

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Der Machtkampf im Jemen, der sich seit dem Anschlag auf Präsident Ali Abdullah Saleh und seiner Abreise nach Saudi-Arabien an Intensität zugenommen hat, beunruhigt die US-Regierung. Für sie war Saleh ein verlässlicher Verbündeter im Kampf gegen das Terrornetzwerk Al Kaida. Nun jedoch sind jemenitische Truppen, die im Süden des Landes gegen die Extremisten gekämpft hatten, vom angeschlagenen Regime in die Hauptstadt Sanaa zurückbeordert worden.

Die USA reagieren auf diese Entwicklung, in dem sie ihre eigenen Bemühungen verstärken. In den vergangenen Wochen seien die Angriffe mit Drohnen und Kampfjets intensiviert worden, berichtete die «New York Times». So sei am letzten Freitag Abu Ali al Harithi, ein Al-Kaida-Anführer der mittleren Ebene, von amerikanischen Jets getötet worden, zusammen mit weiteren mutmasslichen Extremisten. Auch vier Zivilisten sollen umgekommen sein.

Gut gehütetes Geheimnis

Am 5. Mai hätten US-Sondereinsatzkräfte zudem einen Drohnenangriff gegen den in den USA geborenen jemenitischen Geistlichen Anwar al Awlaki gestartet, sagten zwei Gewährsleute der Nachrichtenagentur AP. Awlaki sei jedoch nicht getroffen worden. Er gilt als «Primärziel» der US-Streitkräfte, weil er mit seinen Predigten via Internet vor allem Muslime im Westen zu Anschlägen gegen amerikanische Ziele zu motivieren versucht.

Amerikas Krieg im Jemen ist «eines der bestgehüteten Geheimnisse» der Regierung Obama, so die «New York Times». Eine offene Intervention könnte nicht nur zu neuen Ressentiments in der arabischen Welt führen, sondern auch die fragile Machtbasis der Regierung in Sanaa untergraben, so die Befürchtung in Washington. Während fast einem Jahr waren die Luftangriffe eingestellt worden, weil es mehrfach zu zivilen Opfern gekommen war.

Kollateralschäden vermeiden

Diese Gefahr besteht auch jetzt, wie ein hoher Beamter des Pentagon einräumte. Zudem könnten rivalisierende Gruppen im Jemen den Amerikanern absichtlich falsche Informationen zukommen lassen, um Angriffe auf ihre Gegner zu provozieren. Experten warnen vor einem «Backlash». Die USA müssten Kollateralschäden vermeiden, «sonst werden sich die Stämme gegen uns wenden», sagte Edmund J. Hull, ein ehemaliger Botschafter im Jemen.

Doch für Washington ist der Kampf gegen Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel, wie sich der jemenitische Ableger nennt, zu wichtig. Nach Ansicht der CIA stellt sie die derzeit grösste Bedrohung für die Sicherheit der USA dar. US-Botschafter Gerald Feierstein hat sich kürzlich mit Vertretern der Opposition getroffen, um für eine Fortsetzung der Operationen im Jemen zu werben. Offenbar mit Erfolg, wie die «New York Times» schreibt.

(pbl/ap)