Tote Flüchtlinge

03. Juni 2011 13:33; Akt: 03.06.2011 14:18 Print

150 Leichen vor Tunesien entdeckt

Ein Flüchtlingsboot mit mehr als 800 Menschen an Bord ist vor Tunesien gekentert. Knapp 600 Menschen wurden gerettet, mindestens 150 starben.

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Vor der tunesischen Küste ist am Mittwoch ein Flüchtlingsboot gesunken. An Bord waren mehr als 800 Passagiere. Die schlimmen Befürchtungen der Rettungskräfte scheint nun wahr zu werden: 150 davon sind bei dem Unglück ums Leben gekommen. Dutzende Menschen würden noch vermisst. Dies meldet das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nation (UNHCR).

Der tunesische Rote Halbmond sprach von 123 Toten, die bisher an Land gebracht wurden. Die Opfer stammten nach der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zumeist aus Teilen Afrikas südlich der Sahara.

Unter den Passagieren aus Afrika und Asien waren auch Frauen und Kinder. «Wir wissen, dass viele Frauen und Kinder unter den 150 sind», sagte UNHCR-Sprecher Adrian Edwards zu Spiegel Online.

Überlebende würden in das Flüchtlingslager Choucha an der tunesisch-libyschen Grenze gebracht, erklärte die IOM weiter. Am Freitag werde die tunesische Armee allein 400 Überlebende dorthin geleiten. Bisher sind in Choucha den Angaben zufolge 193 gerettete Insassen des Bootes, die Hälfte von ihnen Frauen, Minderjährige und Kinder.

Die Flüchtlinge wollten von Libyen aus auf die italienische Insel Lampedusa gelangen. Ihr Schiff lief aber am Dienstag nach einer Motorpanne auf eine Sandbank, wie die tunesische Nachrichtenagentur TAP berichtete.

Bei einer Bergungsaktion der tunesischen Behörden unter schwierigen Wetterbedingungen hätten die Insassen verzweifelt versucht, in Rettungsboote zu gelangen, wodurch starkes Gedränge entstanden sei. Das Flüchtlingsschiff sei darauf umgekippt.

Italienischen Medienberichten zufolge konnten sich die Rettungseinheiten nur in kleinen Schiffen und Schlauchbooten dem havarierten Kutter nähern, da er sich in flachem Wasser befand.

Die Überfahrt über das Mittelmeer gilt als extrem gefährlich. Oft sind die Boote der Migranten wenig seetauglich, fast immer völlig überladen. Viele der Afrikaner können zudem nicht schwimmen.

(aeg/ap)