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15. März 2011 07:28; Akt: 15.03.2011 11:44 Print

Flüchtlingsboot vor Lampedusa gesunken

Innerhalb von 24 Stunden sind weitere 1623 Bootsflüchtlinge aus Tunesien auf Lampedusa angekommen. Ein Boot ist untergegangen. Eine Rechtspopulistin besuchte unter Protesten die Insel.

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Flüchtlingsdrama in Libyen.

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Eine neue Flüchtlingswelle hat die italienische Insel Lampedusa erreicht. Innerhalb der letzten 24 Stunden gelangten 21 Boote mit mehr als 1600 nordafrikanischen Flüchtlingen aus Tunesien auf die süditalienische Insel Lampedusa, wie die italienische Küstenwache am Dienstag berichtete.

Die Küstenwache von Lampedusa bestätigte Berichte von Augenzeugen, wonach ein Flüchtlingsboot mit möglicherweise bis zu 70 Menschen an Bord vor der tunesischen Küste untergegangen ist. Einige Überlebende des Schiffbruchs vor der tunesischen Küstenstadt Zarzis wurden von einem anderen Flüchtlingsboot aufgenommen und erreichten so Lampedusa. Unklar ist, wie viele Menschen ums Leben kamen.

Von italienischen Gewässern ferngehalten wurde am Dienstag ein von Marokko gechartertes Schiff mit mehr als 1800 Menschen an Bord. Das Schiff «Mistral Express» war am Sonntag in Libyen aufgebrochen und wollte für einen Versorgungshalt den sizilianischen Hafen Augusta anlaufen. Dies verhinderte eine italienische Korvette nach Anweisung aus Rom.

Die italienische Regierung wollte mehr Klarheit darüber haben, wohin das Schiff letztlich fahren sollte. An Bord sind 1715 Marokkaner sowie Libyer, Algerier und andere Nationalitäten.

«Tor nach Europa»

In den vergangenen Wochen haben Tausende von Tunesiern die Flucht nach Lampedusa angetreten. Gemäss offiziellen Angaben erreichten seit Beginn der Unruhen in Tunesien über 11'000 Flüchtlinge die Insel.

Allein Mitte Februar seien innerhalb weniger Tage mehr als 5600 Menschen aus Tunesien auf Lampedusa angekommen. Die Insel selbst zählt nur 4500 Einwohner. Das dortige Flüchtlingszentrum ist lediglich für 850 Menschen ausgelegt. Lampedusa ist 130 Kilometer von Tunesiens Küste entfernt und wegen der Nähe zu Afrika ein «Tor nach Europa».

Le Pen auf Lampedusa

Die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen hat am Montag einen Besuch auf der Mittelmeerinsel Lampedusa vorgenommen. Die Vorsitzende der Partei Front National wollte dort unter anderem ein Auffanglager für illegale Einwanderer besichtigen. Mit ihrem Besuch wolle sie Informationen sammeln und nicht provozieren, sagte die Politikerin.

Während ihres Rundgangs durch das Auffanglager versammelten sich vor dem Lager rund 900 Flüchtlinge und ein Dutzend Protestierende. Sie trugen Schilder mit Aufschriften wie «Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, auch für die ohne Dokumente.» «Madame Le Pen ist xenophob, rassistisch und neofaschistisch und wir wollen sie nicht hier haben», sagte Giacomo Sterlazzo, einer der Demonstranten.

Marine Le Pen ist die Tochter und Nachfolgerin des langjährigen Vorsitzenden der Front National, Jean-Marie Le Pen.

(sda/ap)