Schweizer wieder zu Hause

03. Februar 2011 22:33; Akt: 03.02.2011 22:38 Print

«Dank dem tunesischen Volk bin ich jetzt frei»

von Désirée Pomper - Über ein Jahr sass der Schaffhauser Andreas Peyer unschuldig in Tunesien im Gefängnis. Dank dem Sturz Ben Alis kam der Arzt jetzt frei.

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Über ein Jahr lang hat Andreas Peyer (67) im Gefängnis von Mornaguia in Tunis ausgeharrt, gehofft und gebangt. Seit Dienstag ist der renommierte Onkologe wieder zu Hause in Schaffhausen. «Was mir widerfahren ist, muss ich erst noch verarbeiten», so ­Peyer. Rückhalt findet er nach der schweren Zeit in seiner ­Familie. «Eine grosse Last ist von uns gefallen. Es ist ein schönes Gefühl, dass mein Vater wieder zu Hause ist», sagt sein Sohn Lorenz Peyer. Denn das ist keine Selbstverständlichkeit: Am 7. Dezember 2009 wurde Peyer wegen angeblichen Antiquitätenhandels und Geldwäscherei im tunesischen Hammamet verhaftet. Wie ein Botschaftsmitarbeiter im Dezember letzten Jahres gegenüber 20 Minuten sagte, war Peyer offenbar unschuldig ­Opfer einer Massenverhaftung geworden, als ein interna­tionaler Schmuggelring auf­gedeckt wurde. Zu einer of­fiziellen Anklage kam es nie, auf ein ordentliches Gerichtsverfahren hoffte er vergeblich. Eine Haftentlassung lag in weiter Ferne.

Dann die Kehrtwende: Am 14. Januar dankte Präsident Ben Ali nach Massenprotesten ab. Auch der Justizminister wurde gestürzt und durch einen Gerichtspräsidenten ersetzt. Dieser bearbeitete rasch Peyers Fall und anerkannte seine Unschuld, worauf er freigelassen wurde. «Nur dank der vom tunesischen Volk durchgeführten Revolution gegen den autokratisch und kleptomanisch regierenden Diktator konnte ich aus den Klauen der korrupten Justiz befreit werden», sagt Peyer.