Syrien

21. März 2011 16:15; Akt: 21.03.2011 16:32 Print

«Keine Angst mehr!»

Gefährliche Situation in Syrien: Die Polizei geht immer gewaltsamer gegen Demonstranten vor. Tödliche Übergriffe und willkürliche Festnahmen nehmen zu.

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Ein syrischer Soldat checkt seine AK-47 in Daraa. (Bild: Keystone/AP)

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Sondereinsatzkräfte der syrischen Polizei haben die Teilnehmer einer Trauerkundgebung für die Opfer der jüngsten gewaltsamen Zusammenstösse mit Sicherheitskräften auseinandergetrieben. Die Menschen skandierten Parolen wie «Keine Angst mehr!»

Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP berichtete, die Polizei in der Stadt Daraa sei mit Schlagstöcken ausgerüstet gewesen. Zu weiteren Zwischenfällen sei es nicht gekommen.

Am Sonntag war die syrische Polizei in Daraa mit Tränengas und scharfer Munition gegen mehrere tausend Demonstranten vorgegangen. Mindestens ein Mensch wurde nach Angaben von Aktivisten getötet. Wie Augenzeugen und amtliche Medien berichteten, wurden zudem mehrere Regierungsgebäude in Brand gesetzt.

Die Regierungsgegner hatten sich aus Wut über die Sicherheitskräfte versammelt, die Aktivisten zufolge bereits zwei Tage zuvor bei ähnlichen Zusammenstössen fünf Menschen getötet und zahlreiche weitere festgenommen hatten.

Die nahe der jordanischen Grenze gelegene Stadt Daraa war am Samstag von der Polizei abgeriegelt worden. Ein syrischer Beamter bestätigte nur den Tod von zwei Menschen und erklärte, die Verantwortlichen würden vor Gericht gebracht. Bei Demonstrationen in mindestens fünf syrischen Städten hatten die Menschen am Freitag politische Freiheiten gefordert.

«Willkürliche Festnahmen» angeprangert

Menschenrechtler prangerten unterdessen «willkürliche Festnahmen» und tödliche Übergriffe bei Demonstrationen in den vergangenen Tagen an. Am Freitag seien nach einer Kundgebung nahe der Omaijaden-Moschee in Damaskus elf Menschen festgenommen worden, teilte das syrische Observatorium für Menschenrechte mit.

Vor zehn Tagen seien in Duma bei Damaskus vier Schüler in Handschellen aus ihrem Klassenraum abgeführt worden, die regierungsfeindliche Parolen gesprüht hatten. Weitere 32 Festnahmen hatte es am Mittwoch in Damaskus gegeben. Die Menschenrechtsorganisation forderte die sofortige Freilassung aller politischen Gefangenen.

Human Rights Watch kritisierte die syrischen Behörden wegen «exzessiver Gewaltanwendung» mit tödlichem Ausgang.

Ähnlich wie in anderen arabischen Staaten fordern die Demonstranten in Syrien, wo seit fast 40 Jahren Vater und Sohn Al-Assad herrschen und ein Notstandsgesetz in Kraft ist, mehr politische Freiheiten.

(sda)