Anschlag auf Saleh

07. Juni 2011 11:30; Akt: 07.06.2011 11:30 Print

Lungenkollaps und schwere Verbrennungen

Jemens Präsident Ali Abdullah Saleh ist offenbar schwerer verletzt als bislang vermutet. Er soll Verbrennungen an 40 Prozent des Körpers erlitten haben und plastische Chirurgie benötigen.

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Mit mehr als 99,8 Prozent ist Abed Rabbo Mansur Hadi am 24.2.2012 zum neuen Präsidenten des Jemen gewählt worden. Ein historischer Moment: Im saudiarabischen Staatsfernsehen ist zu sehen, wie der langjährige jemenitische Präsident Ali Abdullah Saleh das Dokument zur Abgabe seiner Macht unterzeichnet. Auf den Strassen Sanaas demonstrierten die Menschen dagegen, dass die Unterschrift unter das Dokument Saleh und seiner Familie Immunität vor Strafverfolgung zusichert. Auch am gehen in der Hauptstadt Sanaa die Demonstrationen gegen den Präsidenten Saleh weiter. Zehntausend Menschen sind am in Jemens Hauptstadt Sanaa auf die Strassen gegangen und haben gegen Präsident Saleh demonstriert. Am kehrt Präsident Ali Abdullah Saleh erstmals nach vier Monaten in die Hauptstadt Sanaa zurück. Am wird mit neuen Granatangriffen im Jemen weitergemacht. Die Waffenruhe wird gebrochen. Die Proteste in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa gehen auch am weiter. Tags darauf werden bei einem Granatenangriff auf diesem Platz mindestens drei Demonstranten getötet. Auch in der Stadt Taiz im Süden Jemens werden die Protestierenden von Sicherheitskräften vertrieben. Bei Protesten in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa sind am mindestens 26 Demonstranten getötet und 200 weitere verletzt worden. Nach dem blutigen Wochenende herrscht im Jemen Ausnahmezustand. Im Jemen haben tausende Demonstranten zum Beginn des Studienjahres am die größte Universität des Landes gestürmt. Am haben Zehntausende Demonstranten die Söhne von Präsident Ali Abdullah Saleh zum Verlassen des Landes aufgefordert. Am schliessen sich 100 000 Menschen in einem Trauerzug in Sanaa zusammen. Nachdem bekannt wurde, dass Präsident Ali Abdullah Saleh das Land in Richtung Saudi-Arabien verlassen hat, bricht am Jubel auf den Strassen aus. Lautstark verlangen die Regierungsgegner in der Hauptstadt Sanaa den Rücktritt von Präsident Ali Abdullah Saleh. Am Rande eines Bürgerkriegs: Rauch steigt auf in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa. Regierungsgegner leisten einem verwundeten Stammeskämpfer, der bei Gefechten mit der Armee verletzt wurde, erste Hilfe. Ein klares Ziel vor Augen: Dieser Demonstrant zeigt mit seinem Slogan unmissverständlich, wo er Präsident Saleh haben möchte. Ein Teil der Armee ist zu den Demonstranten übergelaufen. Als Zeichen der Solidarität mit ihnen strecken die Soldaten die Hände zusammen. Siegeszeichen der übergelaufenen Soldaten. Auch Frauen ... ... und ältere Stammeskämpfer gehen auf die Strasse, um ihren Frust mit lauten Parolen kundzutun. Rauchschwaden von brennenden Reifen steigen empor. Oppositionelle versuchen einen Strassenabschnitt zu blockieren. Auch die Stadt Taiz im Süden von Jemen kommt nicht zur Ruhe. Bei nächtlichen Auseinandersetzungen wurden mindestens 20 Aufständische getötet sowie über 150 verletzt.

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Offiziell wird von einer baldigen Heimkehr gesprochen. Bereits «in den kommenden Tagen» werde Ali Abdullah Saleh in die jemenitische Hauptstadt Sanaa zurückkehren, sagte Vizepräsident Abed Rabbo Mansur Hadi am Montag nach Angaben der amtlichen jemenitischen Nachrichtenagentur Saba. «Seine Exzellenz erholt sich gut», fügte Hadi demnach vor Vertretern der Regierungspartei hinzu.

Saleh war am Freitag bei einer Explosion in einer Moschee auf dem Gelände seines Palasts verletzt worden und zur medizinischen Behandlung nach Saudi-Arabien gereist. Ein Team von saudischen und deutschen Ärzten soll ihn wegen Schrapnellwunden in Gesicht, Nacken und Brust operiert haben. Offenbar sind seine Verletzungen aber weit schwerer. Saleh soll Verbrennungen an 40 Prozent des Körpers und einen Lungenkollaps erlitten haben, berichtet CNN mit Berufung auf US-Regierungskreise, die über die Angelegenheit informiert wurden.

Laut dem Fernsehsender Al Jazeera benötigt der Präsident plastische Chirurgie, um die Brandwunden zu behandeln. Saudische Ärzte gehen von einer Erholungszeit von mindestens zwei Wochen aus, ehe Saleh in den Jemen zurückkehren kann - was angesichts der Verletzungen reichlich optimistisch wirkt und doch unendlich lang erscheint angesichts «der Unsicherheit und des volatilen Klimas» im Jemen, schreibt der «Guardian».

Bombenexplosion statt Granatenangriff?

Experten bezweifeln, dass die Saudis ihn überhaupt zurücklassen. Diplomaten zufolge haben sie die Geduld mit Saleh verloren und hoffen, dass der Präsident endlich den Vorschlag des Golfkooperationsrats akzeptiert, der ihm als Gegenleistung für einen Rücktritt Immunität zusichert. Das saudische Kabinett sandte ein entsprechendes Signal aus. Die endgültige Entscheidung liegt laut «Guardian» aber bei König Abdullah.

Mysteriös bleiben die Umstände des Anschlags auf Saleh, bei dem elf Menschen getötet und über hundert verletzt wurden. Offiziell ist die Rede von einem Granaten- oder Raketenangriff, doch CNN meldet mit Berufung auf westliche Diplomaten, es habe sich um eine Bombenexplosion gehandelt. Die jemenitischen Ermittlungen konzentrierten sich «auf das, was sich innerhalb der Moschee ereignet hat», so die Diplomaten. Es habe sich aber nicht um einen Selbstmordanschlag gehandelt. Die Ermittlungen dauerten an.

Söhne und Neffen in Machtpositionen

Unklarheit herrscht über die derzeitigen Machtverhältnisse im Jemen. Vizepräsident Hadi muss laut Verfassung die Amtsgeschäfte des Präsidenten übernehmen, solange dieser nicht im Land ist. Allerdings bezweifeln Experten, dass bei ihm tatsächlich die Macht liegt. Saleh habe zahlreiche Schlüsselpositionen mit Familienmitgliedern besetzt, die das Land nun kontrollierten. Demnach führt sein ältester Sohn Ahmed die Republikanische Garde, eine Eliteeinheit der Armee. Zahlreiche Neffen sitzen bei den Sicherheitskräften in hohen Positionen.

In Teilen der Hauptstadt Sanaa und in der südlichen Stadt Tais kam es am Montag erneut zu schweren Kämpfen. Mehrere EU-Staaten haben die Konfliktparteien im Jemen zu einem sofortigen Waffenstillstand sowie zur Versöhnung aufgefordert. Junge Oppositionelle verlangten die Bildung eines Übergangsrates für die Einleitung eines politischen Wandels im ärmsten Land auf der Arabischen Halbinsel. In einer Erklärung rief die «Revolutionäre Jugend» dazu auf, das Gremium solle eine neue Verfassung ausarbeiten und eine «Regierung aus Technokraten» einsetzen.

(pbl/sda)

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