Jordanische Beduinen

08. Februar 2011 10:37; Akt: 08.02.2011 17:21 Print

Ein Angriff auf die «korrupte» Königin

In Jordanien war Kritik am Königshaus bislang tabu. Doch jetzt nehmen Stammesführer auch die Monarchie ins Visier – genauer die schöne Königin Rania.

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Königin Rania von Jordanien im letzten Herbst am UNO-Millenniumsgipfel in New York. (Bild: Keystone/Jason Szenes)

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Der Aufruhr in der arabischen Welt hat längst auch das kleine Königreich Jordanien erfasst. Seit Wochen gibt es Demonstrationen gegen steigende Lebensmittelpreise und fehlende demokratische Reformen. Letzte Woche reagierte König Abdullah II., er setzte die bisherige Regierung ab und forderte schnelle Schritte für echte politische Reformen. Die Opposition reagierte verärgert, prompt gab es Proteste gegen den neuen Ministerpräsidenten Maruf al Bachit.

Der König blieb bislang von Kritik verschont, sie ist laut Verfassung ohnehin verboten. Umso mehr sorgte ein offener Brief für Aufsehen, der von 36 prominenten Mitgliedern der führenden Beduinenstämme Jordaniens unterzeichnet und am Sonntag auf einer populären Website veröffentlicht wurde. Darin kritisierten sie ziemlich unverblümt die Einmischung von Königin Rania, «ihrer Speichellecker und Machtzentren» in die Politik des Landes.

Einsatz für Gleichberechtigung

Die Stammesführer verwiesen auf Leila Trabelsi, die Ehefrau des gestürzten tunesischen Präsidenten Zine al Abidine Ben Ali, und die ägyptische First Lady Suzanne Mubarak. Gegen beide gibt es massive Vorwürfe wegen Korruption. Was in Jordanien geschehe, sei noch schlimmer, heisst es im offenen Brief. «Wir lehnen es ab, dass sie durch Verschleuderung von öffentlichen Geldern und Entwicklungshilfe ihr Image auf Kosten der Bevölkerung aufpoliert», so die Vorwürfe an die Adresse der Königin.

Die 40-jährige Rania ist seit 17 Jahren mit König Abdullah verheiratet und international nicht nur für ihre Schönheit, sondern auch für ihr soziales Engagement bekannt. Sie verkörpert das Image der modernen arabischen Frau, die sich für Gleichberechtigung und die Bekämpfung der Armut einsetzt. Gut möglich, dass dies den konservativen Beduinen ein Dorn im Auge ist und sie die Proteste als Gelegenheit für eine Abrechnung benutzten.

Palästinensische Mehrheit

Ein zweiter möglicher Grund: Rania ist Palästinenserin. Nach dem israelischen Unabhängigkeitskrieg und dem Sechstagekrieg flüchteten zahlreiche Palästinenser nach Jordanien, das ihnen als einziges arabisches Land die Staatsbürgerschaft verliehen hat. Heute bilden sie mit rund 60 Prozent die Mehrheit der Bevölkerung. Die Beduinen dagegen bilden die traditionelle Stütze der Haschemiten-Monarchie. Die Heirat zwischen Abdullah und Rania galt auch als Symbol für den Brückenschlag zwischen den Bevölkerungsgruppen.

Sollten sich die Stämme gegen den König wenden, könnte dies nicht nur die Monarchie, sondern das ganze Land in schwere Turbulenzen stürzen. Die Unterzeichner des offenen Briefes drohten unverblümt mit einer Revolte «wie in Tunesien und Ägypten», falls nicht gegen die Korruption vorgegangen werde und es zu Reformen komme. Der Palast reagierte bislang nicht auf die Forderungen. Der Brief verschwand im Lauf des Sonntags von der Website ammonnews.net. Deren Betreiber beklagten sich laut CNN über einen «gezielten Hackerangriff».

(pbl)