Aufruhr in Arabien

17. März 2011 12:30; Akt: 17.03.2011 14:28 Print

Widerstand gegen Bahrain wächst

Im Königreich Bahrain sind sechs führende Schiiten in Haft gesetzt worden. Weltweit nimmt die Kritik an der Gewalt der Herrscherfamilie zu.

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Verwüstung in einem schiitischen Quartier in der bahrainischen Hauptstadt Manama. (Bild: AFP)

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Das brutale Vorgehen gegen vorwiegend schiitische Demonstranten in Bahrain stösst international auf immer deutlichere Kritik. Die Europäische Union und die NATO forderten die Regierung des Golfstaats am Donnerstag auf, auf Gewalt zu verzichten und die Krise im Dialog beizulegen. Die «Menschenrechte und die fundamentalen Freiheiten des bahrainischen Volkes» müssten geachtet werden, forderte die aussenpolitische Vertreterin der EU, Catherine Ashton. Der Iran rief seinen Botschafter aus dem Golfstaat zurück.

Das staatliche iranische Fernsehen berichtete, Botschafter Mahdi Aghadschafari sei zu Konsultationen zurück nach Teheran gerufen worden. Der Iran hatte sich mit Äusserungen zu den Protesten der Schiiten in Bahrain lange zurückgehalten, die Entsendung einer von Saudi-Arabien angeführten Truppe der Golfstaaten zur Stützung der sunnitischen Monarchie, dann aber entschieden verurteilt.

Im Irak und auch in der Türkei demonstrierten Menschen gegen den Einsatz der ausländischen Truppen in Bahrain. In der den Schiiten heiligen Stadt Kerbela hätten rund 3000 Schiiten gegen die saudischen Truppen in Bahrain demonstriert, berichteten die irakischen Behörden. Noch grössere Demonstrationen seien für Freitag geplant. In Ankara demonstrierten einige Dutzend Menschen vor der saudiarabischen Botschaft.

Clinton: Entsendung von Truppen «falscher Weg»

Die Entsendung fremder Truppen nach Bahrain sei der «falsche Weg», kritisierte auch US-Aussenministerin Hillary Rodham Clinton. In Bahrain liegt auch das Kommando der 5. US-Flotte.

Die Behörden in Bahrain liessen nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation am Donnerstag sechs Vertreter der schiitischen Opposition festnehmen. Unter den Festgenommenen seien auch zwei Männer, die zu einer Gruppe von 25 schiitischen Aktivisten gehörten, die wegen angeblicher Umsturzpläne gegen das sunnitische Herrscherhaus vor Gericht standen. Die Vorwürfe seien damals fallen gelassen worden.

Geschäfte in Manama bleiben geschlossen

In der Hauptstadt Manama blieben am Mittwoch viele Geschäfte geschlossen, nachdem tags zuvor der zentrale Perlenplatz gewaltsam geräumt worden war. Mindestens fünf Menschen wurden dabei getötet. Die Polizei ging am Donnerstag wieder mit Tränengas gegen Demonstranten in einem Vorort von Manama vor.

Auch die Filialen internationaler Banken nahmen ihre Geschäfte nur zum Teil wieder auf. Das Bankhaus HSBC berichtete, nur eine, in einem Nobelviertel der Stadt gelegenen Niederlassungen habe am Donnerstag wieder den Betrieb aufgenommen. Standard Chartered hat nach eigenen Angaben zwei seiner sieben Filialen wieder eröffnet. Das Personal sei in Sicherheit und die Situation werde genau beobachtete, teilte die beiden Bankhäuser mit.

Angriff auf Demonstranten im Jemen

Anhänger des jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Saleh haben nach Angaben von Augenzeugen am Donnerstag regierungskritische Demonstranten angegriffen, die auf einem Platz in der Hauptstadt Sanaa campierten.

Der Arzt Mohammad al-Abahi berichtete, acht Menschen seien bei dem Angriff verletzt worden. Zwei hätten Schusswunden erlitten, andere hätten Atemproblemen. Die Polizei versuchte, die beiden Gruppen mit Tränengas auseinanderzutreiben.

Die Augenzeugen bezeichneten die Angreifer als «bezahlte Schläger», die Steine auf die Demonstranten geworfen und geschossen hätten. Im Jemen fordern Oppositionelle seit rund einem Monat den Rücktritt des seit 32 Jahren herrschenden Präsidenten.

(sda/ap)