Euphorie in Ägypten

11. Februar 2011 17:43; Akt: 11.02.2011 20:48 Print

Armee will Regierung nicht übernehmen

Am 18. Tag der Proteste war es vollbracht: Die ägyptische Protestbewegung hat Präsident Hosni Mubarak zum Rücktritt gezwungen. Die Armee hat die Macht übernommen.

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Vize-Präsident Omar Suleiman erklärt am Abend des 11. Februar am ägyptischen TV Hosni Mubaraks Rücktritt. Das vorläufige Kommando übernehmen die Streitkräfte, allen voran Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi. Grenzenloser Jubel auf dem Tahrir-Platz in Kairo, nachdem bekannt worden war, dass Mubarak zurückgetreten war. Wieder sind hunderttausende Ägypter auf die Strasse gegangen. Die Proteste in Kairo beschränkten sich nicht mehr nur auf den Tahrir-Platz. Auch vor dem Präsidentenpalast versammelten sich Tausende. Die Armee riegelte die Umgebung ab. Auch vor dem Hauptsitz des verhassten Staatsfernsehen versammelten sich mehrere Zehntausend. Die Armee sicherte auch hier das Gebäude ab. Am Morgen veröffentlichte das Militär ihr «Communiqué Nummer zwei». Darin hat es sich hinter die Entscheidung von Präsident Hosni Mubarak gestellt, nicht zurückzutreten und die meisten Amtsbefugnisse seinem Stellvertreter Omar Suleiman zu übertragen. Gleichzeitig will die Armee Garantin für Reformen sein. Verteidigungsminister und Feldmarschall Hussein Tantawi präsidiert den Militärrat am späten Abend des . Das staatliche Fernsehen zeigte Bilder der Militärs, die berieten, «welche Massnahmen und Vorkehrungen getroffen werden könnten, um die Nation zu schützen». Zuvor hatte Präsident Hosni Mubarak entgegen den Erwartungen erklärt, noch bis im September bleiben zu wollen. Er kündigte stattdessen an, Amtsvollmachten an seinen Stellvertreter Omar Suleiman abzugeben. Demonstranten reagieren mit Wut auf Hosni Mubaraks Rede. In Anspielung auf den berühmt gewordenen Schuhwerfer von Bagdad haben einige ihre Schuhe in die Höhe gereckt. Sie bewegten die Schuhe hin und her. Der Tahrir-Platz in Kairo ist am Abend des 10.Februars rappelvoll. Gebannt warten die Demonstranten auf Mubaraks angekündigte Rede. «Wir sind beinahe da, wir sind beinahe da», rufen sie in Erwartung des Rücktritts ihres Präsidenten. Der ägyptische Aussenminister Ahmed Abul Gheit wirft den USA am vor, die Supermacht wolle Ägypten ihren Willen aufzwingen. Demonstration bei Kerzenlicht auf dem Kairoer Tahrir-Platz. Eine Demonstrantin hält ein Plakat mit der Aufschrift «Mubarak[s Zeit] ist abgelaufen» auf dem Tahrir-Platz. Auch an diesem Dienstag strömten Zehntausende auf den zentralen Platz, der zum Symbol des Widerstands gegen das Regime geworden ist. Früh am Morgen: Die Opposition wappnet sich für einen neuen grossen Demonstrationstag. Zahlreiche Menschen haben wieder auf dem Tahrir-Platz übernachtet. Ein Freiwilliger wischt den Platz. Die ägyptische Regierung macht am Zugeständnisse: Höhere Löhne für Staatspersonal, Untersuchungen zu Korruption und Wahlmanipulation. Den harten Kern der Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo lässt das zunächst kalt. Auftanken zwischen den Panzern. Gebetet wird immer wieder. Verhasste Gesichter werden zur Schau getragen. Der improvisierte Helm hat Konjunktur. Die Menschen haben den ganzen Tag demonstriert. Sie verharren bis am Abend in der Nähe des Tahrir-Platzes. Ägyptens Vize-Präsident Omar Suleiman ist mit Oppositionsvertretern zu Gesprächen über politische Reformen zusammengekommen. Teile der Führungsriege der ägyptischen Regierungspartei NDP des Präsidenten Mubarak einschließlich des Generalsekretärs Safwat el Scharif und des Präsidentensohnes Gamal Mubarak haben am laut einem Bericht des ägyptischen Staatsfernsehens ihren Rücktritt erklärt. Die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz ließen sich von der Rücktrittsbotschaft nicht beeindrucken. Das werde nur den Durchhaltewillen und die Zuversicht der Demonstranten stärken, sagte der 45-jährige Aktivist Wael Chalil. Denn damit werde deutlich, dass sich das Regime Stück für Stück zurückziehe. Auf der ägyptischen Halbinsel Sinai explodierte am 5.2.11 eine Gaspipeline. Die Flammen schossen meterhoch in den Himmel, wie Augenzeugen erklärten. Europa werde bei der Begleitung des Wandels in Ägypten auch eng mit den USA zusammen arbeiten. Dies hat die Bundeskanzlerin Merkel am 5.2.11 in München mit US-Aussenministerin Clinton so besprochen. Am ist für die Regierungsgegner «Tag des Abgangs». Sie verlangen, dass Mubarak heute zurücktrete. Trotz der steigenden Opferzahl wagen sich auch wieder Frauen auf die Strasse. Die Armee kontrolliert die Demonstranten. Journalisten sind in den letzten Tagen verstärkt ins Visier des ägyptischen Regimes geraten. Mehrere ausländische Reporter wurden verhaftet, andere wurden angegriffen. Am späten Abend des äusserte sich Hosni Mubarak zum ersten Mal seit dem Ausbruch der Demonstrationen in einem Interview. Er sagte, er wolle zwar zurücktreten, könne aber nicht. Derweil gingen die Auseinandersetzungen zwischen Regime-Gegnern und Mubarak-Anhängern in Kairo weiter. Auch am flogen Steine. Diese Demonstranten posieren für den Fotografen. Gewonnen hat bisher aber niemand. Auch am Donnerstag gab es Tote. Zudem wurden Menschen, wie diese Frau, verletzt. In der Nacht zum 3. Februar lieferten sich Regime-Gegner und Mubarak-Treu erbitterte Strassenkämpfe. Dabei wurden auf dem Tahrir-Platz Menschen getötet. Weitere wurden verletzt. Beides, weil Mubarak-Anhänger in die Menschenmenge schossen. Ein anderer Mubarak-Gegner stellte sich auf einen Panzer. Die Lage auf dem Tahrir-Platz ist eskaliert, nachdem Mubarak-Anhänger Protestierende angegriffen haben. Einzelne Supporter des Präsidenten stürmten den Platz auf Kamelen. Bissiger Kommentar von Regimegegnern: «Das Ganze wird endgültig zum Zirkus.» Neben von der Regierung bezahlten Schlägertrupps befinden sich in der Pro-Mubarak-Fraktion auch wahre Anhänger des umstrittenen Präsidenten. Die Armee verhält sich passiv und versucht lediglich, die beiden Lager auseinanderzuhalten. Dutzende Verletzte werden gemeldet. Ägypter schauen sich in der Nacht auf den 2. Februar auf einer improvisierten Grossleinwand die Erklärungen von US-Präsident Obama vor den amerikanischen Medien an. Dieser hatte sich zuvor lange mit seinem Amtskollegen Mubarak unterhalten. Der Rede von Obama ist eine Ansprache von Präsident Mubarak vorangegangen. Darin verkündete er, im Herbst nicht mehr zu den Präsidentschaftswahlen antreten zu wollen. Damit waren die Demonstranten nicht zufrieden. Auch in Ägypten wird es kalt über die Nacht: Protestierende wärmen sich mit einem Lagerfeuer. : Am achten Tag demonstrieren in Ägypten mehrere 100 000 Menschen in Kairo. Das Volk bleibt auch dem angekündigten Abgang von Präsident Mubarak dabei: Go! Auf Plakaten machen die Demonstranten aus Präsident Hosni Mubarak Adolf Hitler. Auch viele Frauen sind auf die Strasse gegangen. Die Armee durchsucht die Demonstranten. Der Tahrir-Platz ist zum Symbol der Massenproteste geworden: Tausende fingen am 1. Februar auf dem Platz an zu beten. Die Opposition hatte für den 1. Februar den «Marsch der Millionen» angekündigt. Die Armee fuhr daher bereits am frühen Morgen Panzer auf. Eine «Mubarak-Puppe» hängt an einem Lichtsignal. Befürworter von Mubarak gingen am 1. Februar ebenfalls auf die Strasse. Sie hoffen, dass sich Mubaraks Regierung halten kann. Da Lebensmittel knapp werden, kaufen die Ägypter Brot auf Vorrat. : Am siebten Tag der Proteste versammelten sich wieder tausende Ägypter auf dem Tahrir-Platz, um gegen Präsident Mubarak zu demonstrieren. Das Militär versucht, die Lage zu kontrollieren. Panzer vor den Pyramiden versinnbildlichen die angespannte Lage in Kairo. Nachdem Plünderer das Ägyptische Museum heimgesucht und mehrere Mumien zerstört hatten, wird der Touristenmagnet nun von schwerbewaffneten Sicherheitskräften bewacht. Die Wut der Demonstranten flackert immer wieder in Gewalt gegen Personen auf, die verdächtigt werden, Polizisten in Zivil zu sein. Präsident Mubarak (rechts) vereidigte seine neugebildete Regierung. Eine riesige Menschenmenge wartet am Kairoer Flughafen darauf, das Land verlassen zu können. : Friedensnobelpreisträger Mohammed al-Baradei schliesst sich den Demonstranten in Kairo an. Die Kämpfe der vergangenen Tage haben sowohl bei Menschen... ... wie auch Gebäuden ihre Spuren hinterlassen. Angst vor Plünderern: Im Viertel Maadi im Süden Kairos wurden junge Männer über Lautsprecher aufgerufen, an den Eingängen von Häusern Präsenz zu zeigen und Plünderer zu vertreiben. : Der ägyptische Geheimdienstchef Omar Suleiman ist als Vize-Präsident des Landes vereidigt worden. Die Proteste in der ägyptischen Hauptstadt Kairo setzten sich unvermindert fort. Hier bringen sich Demonstranten in Sicherheit vor den Ordnungshütern. Vereinzelt wurden gar Armeepanzer in Brand gesetzt. Ein Aufruf zur Ruhe von Präsident Mubarak in der Nacht auf den 29. Januar verhallte weitgehend wirkungslos. : Am Abend ziehen Demonstranten durch die Innenstadt von Kairo. Panzer fahren durch die Menschenmengen. In der Innenstadt von Kairo brennen Gebäude. Trotz Demonstrationsverbot gingen nach dem Freitagsgebet Tausende auf die Strasse, um gegen die Regierung von Präsident Hosni Mubarak zu protestieren. In Kairo schloss sich der Friedensnobelpreisträger Mohamed Al-Baradei den Protesten an. Er wurde von der Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern in eine Moschee getrieben, wo er kurzzeitig festgesetzt wurde. Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein. Aus dem ganzen Land wurden Dutzende Verletzte gemeldet. Hunderte Demonstranten hielten mitten in den Strassenschlachten für ein spontanes Gebet inne. Uniformierte und zivile Polizisten gehen mit grosser Härte gegen die Demonstranten vor. Die Wasserwerfer können diesen Demonstranten nicht aufhalten.

Video: Guardian.com

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Es tickert für Sie:
Simone Kubli
22:10
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Algerische Sicherheitskräfte haben in Algier eine spontane Protestkundgebung von Regimegegnern niedergeschlagen. Anhänger der Partei «Zusammenschluss für Kultur und Demokratie» (RCD) hatten sich nach dem Abgang von Präsident Husni Mubarak in Ägypten spontan zu einem Protestmarsch entschlossen und auf arabisch gerufen: «Mubarak ist gestürzt. Wir hoffen, dass Bouteflika der nächste ist!» Die Staatsspitze beorderte deswegen bereits tausende zusätzliche Sicherheitskräfte in die Hauptstadt. Die Polizisten seien «bis an die Zähne» bewaffnet. Sie seien an Bord von Hunderten Bussen und Lastern in Algier eingetroffen, berichtete die Tageszeitung «El Watan» im Internet.
21:06
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US-Präsident Barack Obama hat den Rücktritt des ägyptischen Staatschefs Husni Mubarak als Beginn des Übergangs zur Demokratie in dem Land bezeichnet. Mubarak habe auf die Sehnsucht seines Volkes nach Wandel reagiert, erklärte Obama am Abend in einer Fernsehansprache. Auf dem Weg zu freien und fairen Wahlen habe Ägypten allerdings noch schwierige Zeiten vor sich.
21.03
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Mit spontanen Freudenfesten und Hupkonzerten haben Demonstranten in zahlreichen arabischen Ländern den Erfolg der Revolution in Ägypten gefeiert. In Tunesien versammelten sich im Zentrum der Hauptstadt Tunis etwa 1000 Menschen, um ägyptische und tunesische Flaggen zu schwenken und das Ende der Ära Mubarak zu bejubeln. In der libanesischen Hauptstadt Beirut zogen Demonstranten feiernd vor die ägyptische Botschaft. «Wir sind stolz auf die Ägypter», riefen die Menschen in Beirut. «Das Volk hat das Regime mit seiner Standhaftigkeit gestürzt», stand auf einem Plakat. Hunderte Palästinenser zogen durch die Strassen von Gaza-Stadt, um die Ereignisse im benachbarten Ägypten zu feiern. Ein Sprecher der palästinensischen Autonomiebehörde äusserte in Ramallah die Hoffnung, dass der Wechsel in Ägypten für das Volk von Nutzen sein werde. Auch in der jordanischen Hauptstadt Amman feierten Demonstranten in Sprechchören den Durchhaltewillen der ägyptischen Opposition. In Algerien blieb es vor den für Samstag geplanten Massenkundgebungen zunächst ruhig. Die Staatsmacht hatte vor den nicht genehmigten Demonstrationen tausende zusätzliche Sicherheitskräfte in die Hauptstadt beordert.
19:09
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Nach dem Rücktritt von Präsident Husni Mubarak hat die ägyptische Armee versichert, sie wolle nicht die Regierung übernehmen. Ein Militärsprecher sagte in einer kurzen Mitteilung im Fernsehen, die Streitkräfte würden bald Maßnahmen und Veränderungen einführen, die vom Volk gefordert worden seien. Er lobt Mubarak für seinen Einsatz für die Nation.
19:07
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US-Vizepräsident Joe Biden hat den Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak als «zentrales historisches Ereignis» bezeichnet.
19:06
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«Dies ist ein Sieg für den Willen des Volkes und ein Wendepunkt für die Zukunft der Region», sagte ein Sprecher der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen.
19:05
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Auch über der libanesischen Hauptstadt Beirut erhellte Feuerwerk den Himmel. In den schiitisch dominierten Gebieten im Süden des Landes sowie im südlichen Beirut waren Freudenschüsse zu hören.
18:23
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Sogar in Israel, das die Proteste gegen die Regierung Mubaraks mit Sorge verfolgt hatte, begrüsste ein früheres Kabinettsmitglied die Entscheidung. «Die Strasse hat gewonnen. Es gab nichts mehr zu tun. Es ist gut, dass er (Mubarak) getan hat, was er getan hat», sagte der frühere Verteidigungsminister Benjamin Ben Elieser, ein enger Freund Mubaraks, dem israelischen Fernsehsender Kanal 10.
18:21
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Der Bundesrat sperrt allfällige Gelder des zurückgetretenen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak und seines persönlichen Umfelds. Der Bundesrat habe eine entsprechende Verordnung erlassen, teilte Bundesratssprecher André Simonazzi mit.
18:17
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US-Präsident Barack Obama ist Medienberichten zufolge vom Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak vorab informiert worden. Er sei am Morgen (Ortszeit) während einer Sitzung im Oval Office unterrichtet worden, wenige Stunden vor der offiziellen Bekanntgabe, berichtete der US-Fernsehsender CNN.
18:16
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Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich sehr erfreut über die Entwicklung in Ägypten geäussert. «Wir sind alle Zeugen eines historischen Wandels», sagte sie in Berlin. Die Kanzlerin betonte, sie wünsche den Ägyptern eine Gesellschaft «ohne Korruption, Zensur, Verhaftung und Folter». Die Entwicklung in Ägypten müsse jetzt unumkehrbar gemacht und friedlich gestaltet werden. «Am Ende der Entwicklung müssen freie Wahlen stehen.»
18:02
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Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Moussa, ist nach dem Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak von einer positiven Zukunft des Landes überzeugt. «Ich bin optimistisch, dass wir den richtigen Weg für Ägypten und das ägyptische Volk einschlagen werden», sagte der frühere Aussenminister des Landes gemäss dpa. Der Abgang Mubaraks bedeute, «dass wir erreicht haben, was das Volk gefordert hat».
17:59
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Aus Teheran kommt folgende Reaktion: «Die Ägypter haben einen grossen Sieg errungen», berichtet AFP.
17:51
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Aus Militärkreisen verlautet, dass Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi, Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber der Streikräfte, an der Spitze des Hohen Kommitees der Armee steht.
17:46
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Der ehemalige ägyptische General Samah Seif Al Jasal erklärte gegenüber der BBC: «Es gibt zwei Wege, die das Hohe Kommitee der Armee nun gehen kann: Der erste wäre, die bestehende Regierung anzuweisen, das Land für eine Übergangsperiode von rund einem Jahr zu führen. Die zweite Option wäre, dass die Armee das Land über ein Kommitee führt. Wir sind sehr gespannt, zu hören, was sie vor haben.
17:38
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Die Armee wäre gemäss Verfassung nicht berechtigt gewesen, die Macht zu übernehmen. Der Präsident wäre demnach vom Parlamentspräsident ersetzt worden.
17:29
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Ausgelassene Freude und Hupkonzerte auch in Tunis und im Gazastreifen.
17:27
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Oppositionspolitiker Mohamed Al-Baradei erklärte: «Das Land ist nach Jahrzehnten der Unterdrückung befreit.» Er sprach vom «grossartigsten Tag meines Lebens».
17:22
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Ein BBC-Reporter beschreibt die Stimmung auf der Strasse wie nach einem Fussballspiel der ägyptischen Nationalmannschaft.
17:21
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Die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton sagte in einer ersten Stellungsnahme: «Mubarak hat auf die Stimme des Volkes gehört».
17:18
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In den Strassen Kairos herrscht pure Euphorie: Es wird gejubelt, Feuerwerk wird abgebrannt und Autohupen gedrückt.
17:12
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Vizepräsident Omar Suleiman wird nicht Präsident. Der Parlamentspräsident ist für dieses Amt vorgesehen. Dies ist allerdings alles relativ. Die wahre Macht im Land liegt zurzeit alleine bei der Armee.
17:06
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Vizepräsident Omar Suleiman verkündete am TV: «Hosni Mubarak hat entschieden, vom Amt des Präsidenten der Republik zurückzutreten. Er hat den hohen Rat der Streitkräfte damit beauftragt, die Geschäfte des Landes zu übernehmen. Möge Gott uns allen helfen.»
16:58
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Grenzenloser Jubel in Kairo: Hosni Mubarak tritt zurück. Dies erklärte soeben Vizepräsident Omar Suleiman im ägyptischen Staatsfernsehen an.
16:43
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Al Arabija meldet fünf Tote in Al Arisch.
16:30
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Zum Schusswechsel in Al Arisch ist es offenbar gekommen, als rund 1000 Demonstranten eine Polizeiwache stürmen wollten, um Gefangene zu befreien. Die Angreifer hätten vor der Wache Autos angezündet und Molotow-Cocktails geworfen. Bei dem Schusswechsel seien eine Personen getötet und 20 verletzt worden, berichtet Al Jazeera.
16:29
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Der Generalsekretär der Regierungspartei NDP Hossam Badrawi hat in einem Interview mit dem arabischen Dienst der BBC erklärt: «Ich werde in den kommenden Stunden meinen Rücktritt erklären.» Badrawi gehörte zu jenen Regierungsvertretern, die gestern ankündigten, Mubarak werde zurücktreten - nur um dann eines Besseren belehrt zu werden.
16:08
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Nach der Enttäuschung über Mubaraks Worte gestern hält sich die Begeisterung über eine weitere angekündigte Erklärung unter den Demonstranten in Grenzen.
16:01
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Ein CNN-Reporter berichtet, dass sich die Neuigkeiten über Mubararks Abreise nach Sharm El Sheik und die bevorstehende Erklärung der Präsidentschaft wie ein Lauffeuer unter den Protestierenden verbreitet hätten.
15:52
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AFP berichtet von einem Schusswechsel zwischen hunderten Demonstranten und der Polizei in Al Arisch im Norden des Sinai. Augenzeugen berichten demnach von mehreren Verletzten.
15:44
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Die oppositionellen Muslimbrüder appellierten an die Demonstranten, ihre Proteste fortzusetzen. Ziel sei es, Staatspräsident Hosni Mubarak zum sofortigen Rücktritt zu bewegen. «Setzt eure Revolution fort, egal, wie lange es dauert und was immer es kostet», teilte die größte Oppositionsgruppe, die Muslimbruderschaft, gemäss dpa mit.
15:29
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Das ägyptische Staatsfernsehen hat ein «wichtiges» Communiqué der Präsidentschaft angekündigt, meldet AFP.
15:01
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Auch in Alexandria sind die Massen auf der Strasse (Bild). Al Jazeera berichtet, zehn- wenn nicht sogar hundertausende Demonstranten hätten sich vor Mubaraks Residenz in Ägyptens zweitgrösster Stadt versammelt.
14:55
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Ein örtlicher Regierungsbeamter soll Associated Press bestätigt haben, dass sich Mubarak in Sharm El Sheik aufhalte.
14:51
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Inzwischen sind in Ägypten über eine Million Menschen auf die Strasse gegangen, schätzt AFP. Und Al Jazeera schätzt die Menge vor dem Gebäude des Staatsfernsehens auf mehrere Zehntausend.
14:40
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Noch gibt es keine Bestätigung, dass Mubarak tatsächlich in Sharm El Sheikh ist. Ein Rückzug in den Ferienort am Roten Meer war in den vergangenen Tagen aber mehrfach als eine gesichtswahrende Option für den ägyptischen Präsidenten genannt worden.
14:35
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Mubarak sei in Sharm el Sheik, berichtet auch der arabische Dienst der BBC unter Berufung auf eine «Quelle».
14:30
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Aus Scharm el Sheikh, wo Mubarak eine Ferienvilla hat, berichteten ägyptische Medien über eine verstärkte Präsenz der Sicherheitskräfte am Flughafen.
14:26
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Der arabische Dienst von Al Jazeera berichtet, «mehrere Quellen» hätten berichtet, Mubarark sei in die Vereinigten Arabischen Emirate geflogen.
14:15
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Die Nachrichtenagentur AFP beruft sich auf eine regierungsnahe Quelle, die ebenfalls bestätigt, dass Hosni Mubarark und seine Familie Kairo verlasssen haben.
14:06
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Die BBC berichtet erneut, dass ihr eine zuverlässige Quelle versichert hat, dass Mubarark Kairo verlassen hat.
14:05
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Hunderttausende demonstrieren auch auf der Halbinsel Sinai, berichtet dpa. Sie riefen: «Nieder mit Mubarak! Nieder mit Suleiman!»
13:55
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Die Streitkräfte haben das Gebäude des Staatsfernsehens und den Präsidentenpalast abgeriegelt und den mehreren Tausenden von Demonstranten an beiden Orten klar gemacht, dass sie einen Sturm der Gebäude nicht tolerieren werden.
13:50
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Nach wie vor strömen die Menschen auf den Tahrir-Platz. Die Stimmung wird als angespannt beschrieben. Offenbar sind die Regierungsgegner aber mehrheitlich nicht bereit, Gewalt anzuwenden. Vor dem Präsidentenpalast haben sich derweil rund 2000 Demonstranten versammelt.
13:29
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Al Arabija berichtet, dass Präsident Mubarak nach Sharm el-Sheik in einen Kurzurlaub geflogen sei. Zuvor hatte es in verschiedenen Tweets geheissen, Mubarak habe das Land verlassen. Kurz darauf wurde die Meldung abgeschwächt: Mubarak habe Kairo verlassen. Keine dieser Meldungen konnte aber bisher bestätigt werden.
12:48
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Zeinobia twittert eine Auflistung, wo überall demonstriert wird: Kairo, Alexandria, Mansura, Damnhur, Tanta, Mahalla, Asuit, Sohag, Bani Sawfi, Suez, Port Said und Damietta. Oppositionspolitiker Al-Baradei untertreibt also nicht, wenn er twittert: «Die ganze Nation ist auf der Strasse. Der einzige Ausweg für das Regime ist, zu gehen. Die Macht der Strasse kann nicht gebrochen werden. Wir werden uns durchsetzen. Ich hoffe immer noch, dass sich die Armee uns anschliesst.»
12:42
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Die britische Zeitung «Guardian» hat eine interaktive Grafik der Situation in Kairo veröffentlicht. Gut zu sehen ist darauf die Distanz zwischen dem Tahrir-Platz und dem Präsidentenplalast in Heliopolis, die rund 15 Kilometer beträgt.
12:38
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Auch vor dem von der Armee geschützten Präsidentenpalast in Kairo haben sich hunderte Demonstranten versammelt. Laut Al Jazeera haben sie wütend reagiert, als ein Oberst die Menschen gebeten hat, Mubarak einen ehrenhaften Abgang zu gewähren. Der Offizier wurde demnach ausgebuht und konnte seine Ansprache nicht zu Ende führen.
12:34
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Offenbar hat jemand die Website der ägyptischen Regierungspartei NDP gehackt. Zurzeit ist dort zu lesen: «Geschlossen bis Mubarak und das Regime fallengelassen worden sind».
12:31
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Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hält die teilweise Abgabe der Macht des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak für unzureichend. Zugleich forderte sie, nicht gewaltsam gegen die Demonstranten vorzugehen.  «Die Enttäuschung der Demonstranten und der Demokratiebewegung ist verständlich», sagte Merkels Sprecher Steffen. Das Ende des Ausnahmezustands sei gut. Aber: «Es reicht nicht, was er (Mubarak) in Aussicht gestellt hat.»
12:30
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Beobachter vor Ort berichten übereinstimmend, dass sich noch nie so viele Menschen an den Protesten in Kairo beteiligt hätten.
12:12
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Trotz beengter Platzverhältnisse drängen immer weitere Demonstranten auf den Tahrir-Platz, berichtet dpa. Aus ihren Sprechchören spricht die pure Wut darüber, dass sich Präsident Mubarak in ihren Augen weiter an die Macht klammert.
12:06
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Der Tahrir-Platz platzt aus allen Nähten. Eine Reporterin von Al Jazeera berichtet, dass sie keinen einzigen freien Platz mehr sehen könne.
12:01
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Nach Ende des Freitagsgebet skandieren die Demonstranten in Kairo wieder ihre Slogans gegen Präsident Mubarak: «Geh! Du musst gehen!»
11:59
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Auch in Alexandria werden nach dem Ende des Freitagsgebet neue Proteste erwartet.
11:45
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eindrückliche Szenen auf dem Tahrir-Platz, wo das Freitagsgebet seinen Höhepunkt erreicht hat. Aus zehttausenden Kehlen ertönt der Ruf «Allahu Akbar» (Gott ist gross).
11:42
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Iran stört die BBC
Nach umfangreicher Berichterstattung über die Unruhen in Ägypten ist die Ausstrahlung des britischen Senders BBC im Iran gestört worden. Seit Donnerstagabend sei die Übertragung des persischen TV-Angebotes unterbrochen, teilte die BBC am Freitag in London mit. Satelliten-Techniker hätten eindeutig herausgefunden, dass die Störung aus dem Iran komme.
11:39
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Auf dem Tahrir-Platz in Kairo zelebrieren Zehntausende das Freitagsgebet.
11:35
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Die Armee hat in ihrem Communiqué auch erneut ein Ende der Demonstrationen und die «Rückkehr zur Normalität» gefordert. Sie warnte vor der Gefährdung der Sicherheit im Land.
11:29
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Mubarak angezeigt
Ägyptische Bürger haben den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) aufgerufen, Vorermittlungen gegen Präsident Husni Mubarak wegen mutmaßlicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzuleiten, berichtet dpa. Der Gerichtshof in Den Haag müsse prüfen, ob Mubarak und Mitglieder seiner Regierung wegen der Unterdrückung des Volksaufstandes in Ägypten angeklagt werden könnten. Neben Mubarak müssten dafür auch der Vizepräsident Omar und Ex-Innenminister Habib al-Adli zur Verantwortung gezogen werden, erklärten die Antragsteller, die ihre Identität «aus Sicherheitsgründen» vorerst nicht veröffentlichen wollen. Die Staatsanwaltschaft beim IStGH äußerte sich zunächst nicht zu dem Aufruf.
11:23
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Dass die Streitkräfte nach wie vor nicht mit Mubarak brechen, dürfte die Verärgerung unter den Demonstranten, die seit mehr als zwei Wochen in Massenprotesten den Rücktritt Mubaraks fordern, weiter anheizen.
11:18
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Die Armee hält somit weiterhin zu Präsident Mubarak und unterstützt bis auf weiteres dessen Entscheidung, nicht zurückzutreten und die meisten Amtsbefugnisse seinem Stellvertreter Omar Suleiman zu übertragen. Zum Artikel.
11:12
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Die von der Armeeführung versprochene Aufhebung des Ausnahmezustands ist bedeutsam. Seit der Machtübernahme Mubaraks 1981 war das Notrecht in Kraft. Wann der Schritt vollzogen wird, liessen die Militärs allerdings offen.
11:02
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Die Armeeführung kündigte an, sie werde den Weg zu freien und fairen Wahlen und zu einer demokratischen Gesellschaft sichern. Der seit Jahrzehnten geltende Ausnahmezustand werde aufgehoben, sobald es die Situation erlaube. Kein friedlicher Demonstrant müsse Strafverfolgung fürchten.
10:56
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Die Armee veröffentlicht das «Communiqué Nummer zwei»
Die Armeeführung hat sich nach einer Krisensitzung erneut zu Wort gemeldet. Demnach will die Armee garantieren, dass alle Versprechen, die Präsident Mubarak und Vizepräsident Suleiman gemacht haben, zeitig umgesetzt werden.
10:51
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In Kairo ist der Tahrir-Platz nicht mehr der alleinige Fokus der Protestbewegung. Nach Mubaraks Rede haben hunderte Demonstranten eine Menschenkette vor dem Gebäude des staatlichen Fernsehens und Rundfunks gebildet. Die Protestierenden hinderten Mitarbeiter daran, in das Gebäude zu gelangen. Weitere Protestierende zogen am Freitag zum Sitz des Kabinetts und zum Parlament. Soldaten und Panzer bewachten die Strasse, die zum Fernsehgebäude führt. Sie hinderten die Demonstranten aber nicht daran, dorthin zu gelangen. Zusätzlich zum Massenprotest auf dem Tahrir-Platz waren Kundgebungen an sechs weiteren Stellen geplant. «Wir werden überall campieren, um den Druck auf das Regime zu erhöhen», sagte Abdel-Rahman Samir, einer der Organisatoren gegenüber der Nachrichtenagentur AP.
10:41
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Vizepräsident Omar Suleiman hat Premierminister Ahmed Shafiq angewiesen, einen Stellvertreter aus einem «Rat der Weisen» zu ernennen, der mit der Regierung Gespräche geführt hat. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur MENA würde dieser stellvertretende Premierminister einen «nationalen Dialog» beginnen.
10:17
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Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert Ahmed Ali Shouman, Major der ägyptischen Armee: «Die Solidaritätsbewegung der Streitkräfte mit der Bevölkerung hat begonnen.» Shouman und 15 andere Offiziere haben sich mit den Demonstranten verbündet.
10:13
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Al Baradei zu CNN: «Suleiman ist der verlängerte Arm Mubaraks. Sie sind wie Zwillinge. Sie sollten für das Wohl des Landes abtreten.»
10:01
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SDA: Bewaffnete haben im . Der Angriff in der Nacht zum Freitag sei Reaktion auf die Rede von Präsident Husni Mubarak gewesen, der nicht wie gefordert zurückgetreten war, berichteten Augenzeugen in der ägyptischen Grenzstadt Rafah.
09:44
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Die Nachrichtenagentur AP zitiert ein ehemaliges Kabinettsmitglied in der Regierung Mubarak, der ägyptische Präsident suche nach einem ehrenvollen Abgang. Der israelische Infrastrukturminister Benjamin Ben Eliezer sagte dem Armeeradio, er habe kurz vor dessen Rede mit Mubarak gesprochen. Dieser wisse, dass er am Ende des Weges angekommen sei und wolle nur auf eine ehrenvolle Art und Weise abtreten.
09:38
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Al Arabiya berichtet, Quellen haben bestätigt, dass Mubarak nach Scharm al Scheich am Roten Meer geflogen ist.
09:29
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Das Hauptgebäude des ägyptischen Staatsfernsehens ist offenbar abgeriegelt. Laut Al Jazeera kommt seit vergangener Nacht niemand mehr herein und niemand mehr heraus.
09:00
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Eskaliert heute die Situation? Für viele Beobachter vor Ort könnte der Tag gekommen sein, an dem die friedlichen Proteste in Gewaltakte umkehren. Die starre Haltung Mubaraks führe zu einer Radikalisierung der Prostester, kommentiert CNN. «Wir warten auf eine starke Reaktion der Armee», sagte Mohammed Mustapha, ein Sprecher der Protestbewegung. Er rechne für heute mit einer «Riesenzahl» von Demonstranten. Die Sprache war von bis zu 20 Millionen Menschen landesweit.
08:52
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Die Rolle der Armee rückt ins Zentrum des Interesses in Ägypten. Experten der internationalen TV-Stationen CNN und Al Jazeera sehen einen Wandel der Interessen bei den Streitkräften. Während sie zu Beginn oft schützend vor Demonstranten standen, schauten sie nun bei Gewaltakten zu oder waren gar selber daran beteiligt. Die Experten mutmassten, dass die Armeespitze ihre Privilegien, die sie unter dem Regime Mubarak hatten, nicht aufgeben wollen.
08:23
0
Das Treffen des obersten Rates der ägyptischen Streitkräfte ist laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur MENA beendet. Das Treffen sei vom Oberbefehlshaber und Verteidigungsminister Feldmarschall Huseein Tantawi geleitet worden, berichtete MENA. Die Veröffentlichung einer «wichtigen» Erklärung stehe kurz bevor.

Im Fokus der heutigen Proteste stehen laut der BBC der Hauptsitz des Staatsfernsehen und der Präsidentenpalast, der rund 15 Kilometer von Kairos Zentrum entfernt ist. Bereits in der Nacht sollen erste Demonstranten in Richtung des Palastes aufgebrochen sein.
07:52
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Das ägyptische Militär hat einem Fernsehbericht zufolge eine «wichtige Erklärung» angekündigt. Der Hohe Rat der Streitkräfte werde sich «in Kürze» mit einer Mitteilung an die Bevölkerung wenden, berichtete der Sender Al-Arabija am Freitag. Weitere Einzelheiten wurden nicht genannt.
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Die Situation am frühen Freitagmorgen:

Die Demonstranten in Kairo bereiten einen neuerlichen Massenprotest gegen Staatschef Hosni Mubarak vor. In der Nacht zum Freitag versammelten sich nach Berichten von Augenzeugen und Fernsehsendern bereits Hunderte von Menschen vor dem Präsidentenpalast. Sie treibt die Wut und Enttäuschung von Hunderttausenden Regierungsgegnern, weil sich Mubarak nach wie vor weigert, sofort zurückzutreten.

Mubarak hatte in einer Fernsehansprache am Donnerstagabend erklärt, er sei bereit zu weiteren Verfassungsänderungen, um einen sanften Machtübergang und freie und faire Wahlen zu sichern. Den von vielen seiner Gegner erhofften Amtsverzicht sprach er aber nicht aus.

«Starke Reaktion der Armee»

«Wir warten auf eine starke Reaktion der Armee», sagte Mohammed Mustapha, ein Sprecher der Protestbewegung. Er rechne für (den heutigen) Freitag mit einer «Riesenzahl» von Demonstranten. Viele wollten dann zum Oruba-Palast ziehen, dem wichtigsten Amtspalast Mubaraks. Er liegt mehrere Kilometer entfernt vom Tahrir-Platz, dem zentralen Versammlungsort der Opposition. Bis Freitagmorgen gab es aber noch keinen offiziellen Aufruf für einen Marsch.

Der ägyptische Oppositionspolitiker Mohamed ElBaradei rief das Militär zum Eingreifen auf. «Ägypten wird explodieren», sagte der Friedensnobelpreisträger mit Blick auf die enttäuschten Demonstranten in Kairo. «Die Armee muss jetzt das Land retten», sagte ElBaradei über Twitter. «Ich rufe die ägyptische Armee auf, sofort einzugreifen.»

US-Präsident Barack Obama forderte die Führung in Kairo auf, der Bevölkerung rasch die verkündeten Veränderungen zu erklären. Den Ägyptern sei von einem Übergang der Vollmachten erzählt worden, aber es sei nicht klar, ob dieser Wechsel sofort umgesetzt werde, von Bedeutung sei und ausreiche, kritisierte Obama in einer Erklärung. Zu viele Ägypter seien noch immer nicht überzeugt, dass es ihrer Regierung ernst sei mit der Demokratisierung, fügte der US-Präsident hinzu.

Erst fassungslos, dann zunehmend enttäuscht rief die Menschenmenge auf dem Tahrir-Platz nach Mubaraks Fernsehansprache «Hau ab, hau ab, hau ab!», viele schwenkten ihre Schuhe als Zeichen höchster Verachtung. Zuvor hatten sich den ganzen Tag über Hinweise verdichtet, dass der Präsident nach 17 Tagen des Protests zurücktreten und den Weg freimachen würde für den Wandel zur Demokratie. Ein ranghoher General hatte am Nachmittag noch versprochen, dass «all ihre Forderungen» erfüllt werden würden.

Vizepräsident Omar Suleiman, dem Mubarak einen Teil seiner Vollmachten übertragen hat, rief die Demonstranten nach der Ansprache des Staatschefs zu einem Ende der Proteste auf. Sie sollten nach Hause gehen und in die Zukunft schauen, sagte Suleiman im Fernsehen.

Dessen ungeachtet zogen rund 1000 Demonstranten nach dem Ende der Rede zur Zentrale des Staatsfernsehens, die von Soldaten bewacht wurde. «Lügner», rief die Menge und zeigte auf das Gebäude. «Wir werden nicht gehen. Ihr werdet gehen.»

Oberster Militärrat tagt

Angesichts der Zuspitzung der Lage in Ägypten ist der Oberste Rat des Militärs zu einer Sitzung zusammengekommen. Das Gremium sei in ständiger Tagung, berichtete das ägyptische Staatsfernsehen - ein Status, der normalerweise nur in Kriegszeiten gilt. Der Rat wird von dem Verteidigungsminister, Feldmarschall Hussein Tantawi, geleitet.

Der Rat untersuche, «welche Massnahmen und Vorkehrungen getroffen werden könnten, um die Nation zu schützen, ihre Errungenschaften und die Ziele ihres grossen Volkes», erklärte das Militär weiter.

Beobachter werteten die Erklärung als Indiz dafür, dass Tantawi und seine Generale nun die Macht übernommen haben. Überschrieben war die Mitteilung als «Communiqué Nummer ein» - eine Wortwahl, die auf einen Putsch hindeuten könnte.

Fernsehberichte zeigten Tantawi und rund zwei Dutzend Offiziere mit versteinerten Mienen an einem runden Tisch sitzen. Staatschef Hosni Mubarak und sein Vize Omar Suleiman, ein früherer General und ehemaliger Geheimdienstchef, waren bei der Sitzung nicht dabei.

(ap)