Flüchtlingswelle

14. Februar 2011 08:03; Akt: 14.02.2011 12:28 Print

Tunesien gegen italienische Polizisten

Tausende Flüchtlinge strömen immer noch von Nordafrika nach Italien. Tunesien wehrt sich aber vehement gegen italienische Polizisten im eigenen Land.

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Die italienische Polizei hat auch im eigenen Land alle Hände voll zu tun. (Bild: Keystone)

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Die tunesische Regierung hat den Vorschlag Italiens zurückgewiesen, angesichts des Stroms tausender tunesischer Bootsflüchtlinge eigene Polizisten in das nordafrikanische Land entsenden zu wollen. «Das ist inakzeptabel», sagte der Sprecher der tunesischen Regierung.

«Das tunesische Volk lehnt die Stationierung ausländischer Soldaten auf seinem Gebiet ab», sagte Taïeb Baccouche am Sonntag dem Fernsehsender El Arabija und fügte hinzu, die Kontrolle der eigenen Küsten liege bei den tunesischen Behörden.

Italiens Innenminister Roberto Maroni hatte zuvor angekündigt, er werde das Aussenministerium in Tunis um eine Erlaubnis für den Einsatz italienischer Polizisten auf tunesischem Territorium ersuchen. Die Beamten sollten verhindern, dass weitere Flüchtlinge sich auf den Weg nach Europa machten.

Zudem sagte er, das tunesische System sei dabei, «zusammenzubrechen». Baccouche sagte, die Äusserungen Maronis seien nicht überraschend, da sie von einem Minister der «rassistischen extremen Rechten» kämen.

Tunesien verstärkt Küstenwache

Die tunesischen Behörden stockten unterdessen ihre Küstenwache personell auf. «Verstärkung wurde geschickt», hiess es am Sonntagabend aus Regierungskreisen in der Hauptstadt Tunis. Die Küstenwache habe viele Menschen beim Versuch der Grenzüberquerung festgenommen. Nähere Angaben zur Art und Zahl der Verstärkung wurden nicht gemacht.

Tausende Flüchtlinge in Italien

In den vergangenen fünf Tagen erreichten rund 5000 tunesische Flüchtlinge die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa. Allein in der Nacht zum Sonntag waren es laut Küstenwache fast 1100 Menschen. Lampedusa zählt rund 4500 Einwohner.

Die meisten Ankömmlinge, darunter auch Frauen, waren von den Behörden bisher nur provisorisch am Hafen und in Einrichtungen des einzigen Ortes der Insel untergebracht worden, um sie so schnell wie möglich auf Aufnahmelager auf Sizilien und in anderen Regionen des Landes zu verteilen. Am Samstag war dazu eine Luftbrücke eingerichtet worden. In einer Sondersitzung hatte die Regierung in Rom den humanitären Notstand ausgerufen.

Am Sonntag erhörte Rom auch den Ruf von Flüchtlingshelfern und Inselbevölkerung. Die Regierung genehmigte die Wiedereröffnung des Flüchtlingslagers auf Lampedusa. Es war vor einem Jahr geschlossen worden, weil der Flüchtlingsstrom aus Nordafrika aufgrund einer rigorosen Abschiebepolitik fast zum Erliegen gekommen war. Von Juli 2009 bis Juli 2010 zählte man gerade noch 403 Bootsflüchtlinge auf Lampedusa. Im Jahr davor landeten noch um die 20 000 Menschen auf der 20 Quadratkilometer grossen Insel zwischen Sizilien und Tunesien.


(rub/sda)