Proteste in Kairo

01. Juni 2011 11:57; Akt: 01.06.2011 12:28 Print

Armee zwang Frauen zu «Jungfrauentests»

Ägyptische Frauen wurden nach einer Demonstration im März auf ihre Jungfräulichkeit getestet. Aktivisten fordern vom regierenden Militärrat eine Untersuchung.

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Ägypterinnen werden in Kairo an einem Armee-Checkpoint durchsucht. (Bild: Keystone/AP/Hussein Malla)

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Die Vorwürfe wurden erstmals in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International im Mai erhoben. Demnach hätten die Streitkräfte 18 inhaftierten Demonstrantinnen gedroht, man werde sie der Prostitution anklagen. Als Folge davon habe man sie auf ihre Jungfräulichkeit untersucht. Sie sollen auch geschlagen, gefoltert und mit Elektroschocks misshandelt worden sein.

Die Vorwürfe wurden nach einer Kundgebung am 9. März in Kairo laut. Dabei hatten Demonstranten von den Streitkräften verlangt, die demokratischen Reformen nach dem Sturz des ehemaligen Präsidenten Hosni Mubarak am 11. Februar zu beschleunigen. Doch anders als bei den Protesten im Februar griff das Militär dieses Mal hart durch, Dutzende Demonstranten wurden auf das Gelände des Ägyptischen Museums gezerrt.

Eine Lektion erteilen

Zu ihnen gehörte Salwa Hosseini, eine 20-jährige Coiffeuse. Die Soldaten hätten sie zu Boden gedrückt, ihr mit einem Taser einen Elektroschock versetzt und sie als Prostituierte beschimpft, sagte sie gegenüber CNN: «Sie wollten uns eine Lektion erteilen und das Gefühl vermitteln, dass wir keine Würde haben.» Mit weiteren Frauen wurde sie in ein Militärgefängnis gebracht und einem «Jungfräulichkeitstest» unterzogen – gegen ihren ausdrücklichen Willen durch einen männlichen Arzt. «Ich hatte einen Nervenzusammenbruch», sagte Hosseini.

General Mahmud Shaheen, ein Mitglied des regierenden Militärrats, wies die Vorwürfe betreffend Jungfräulichkeitstests als «inakzeptabel» zurück. Ein hoher General, der seinen Namen nicht genannt haben wollte, bestätigte und verteidigte die Praxis jedoch gegenüber CNN: «Die verhafteten Mädchen waren nicht wie ihre oder meine Tochter.» Sie hätten mit männlichen Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Zelten übernachtet, in denen man Molotow-Cocktails und Drogen gefunden habe.

Aufforderung zu Online-Protesten

Die Tests seien durchgeführt worden, damit die Frauen später nicht behaupten könnten, sie seien während der Haft vergewaltigt worden, sagte der General: «Wir wollten beweisen, dass sie keine Jungfrauen mehr waren, und dies war der Fall», so die aus westlicher Sicht ziemlich eigenwillige Begründung des hohen Offiziers. Ägyptische Aktivisten verlangen nun von den Streitkräften eine Untersuchung der Vorfälle, Blogger forderten für Mittwoch zu Online-Protesten auf.

Der regierende Militärrat hat zugesagt, die Führung des Landes nach den Wahlen im September einer zivilen Regierung zu übergeben. Viele vor allem junge Aktivisten befürchten jedoch, dass das autokratische Regime Mubaraks nun durch eine Militärdiktatur ersetzt wurde. Der anonyme General wies diese Befürchtungen zurück: «Der Übergang zur Demokratie kann nicht früh genug erfolgen. Die Armee will unbedingt zurück in die Kasernen und das tun, was sie am besten kann – die Grenzen des Landes verteidigen.»

(pbl/ap)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eric am 01.06.2011 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    änliche sachen passieren auch hier!

    die islamische macho kultur wieder & leider sehen wir männer mit den gleichen ansichten auch in der Schweiz,vor ein paar monate wurde eine pakistanerin von ihrem vater getötet weil sie wie er sagt ''zu Schweizerisch war'' vor ein paar tagen wurden eine türkin & ihre mutter aus den gleichen gründen getötet,WACHT AUF LEUTE!

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  • malo am 02.06.2011 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Dingue

    Es tut mir im Herzen weh, wie man(n) Frauen behandelt. Es tut mir nicht nur weh, nein, ich werde auch richtig zornig und ich weiss nicht wohin mit diesem Zorn um Männer, die ihren Machtanspruch und sexuellen Trieb gegen Frauen anwenden müssen.

  • Jenny am 01.06.2011 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    eher wie?

    mich würde eher interessieren, wie in einer solchen Militärbarracke ein solcher Test durchgeführt wurde. Das ganze ist irgendwie total sureal...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • malo am 02.06.2011 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Dingue

    Es tut mir im Herzen weh, wie man(n) Frauen behandelt. Es tut mir nicht nur weh, nein, ich werde auch richtig zornig und ich weiss nicht wohin mit diesem Zorn um Männer, die ihren Machtanspruch und sexuellen Trieb gegen Frauen anwenden müssen.

  • Laredo am 01.06.2011 23:20 Report Diesen Beitrag melden

    Vom Regen in die Traufe

    Als die Revolution ausbrach in Ägypten und anderswo, habe ich erst gedacht, das musste eines Tages so kommen und erst gehofft, diese Menschen bauen sich eine neue bessere Zukunft. nach vielen Berichten aber muss ich ernüchternd feststellen, dass das hoffende u demontrierende Vol vom Regen in die Traufe fällt u alles beim Alten bleibt, oder gar noch schlimmer kommt. Für was sind all die Toten nun gestorben?

  • Manuela am 01.06.2011 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehs nicht...

    Wie geht so ein Test eigentlich? :-/

    • Shedwan Moursi am 24.11.2011 10:33 Report Diesen Beitrag melden

      Das geht so

      Jungfrauen sind nicht aus Holz. Und Holz schwimmt ja bekanntermassen. Daraus folgern wir, wenn die zu testende Person ertrinkt wenn man sie ins Wasser wirft, war sie eine Jungfrau.

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  • Feministin am 01.06.2011 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ägypten ist primitiv

    Das geht ja in die selbe Richtung wie die Geschichte US Journalistin, welche während der Revolution belästigt wurde. kein Land für Frauen!

  • sep binder am 01.06.2011 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Grauenhaft

    Es kommt einfach nichts besseres nach

    • Monique am 01.06.2011 18:02 Report Diesen Beitrag melden

      @sep binder

      Warten Siemal ab, das ist erst der Anfang, oder was haben Sie erwartet, wenn doch die Muslimbruderschaft bald die Macht übenehmen wird?

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