Ex-Präsident am Ende

08. März 2011 17:21; Akt: 08.03.2011 18:29 Print

Ägypten sackt Mubaraks Vermögen ein

Der Mubarak-Clan hat über die Jahre Milliarden beiseite geschafft. Dieses Geld wird nun definitiv blockiert. Mubaraks Einspruch wurde abgelehnt.

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Während 30 Jahren hat Hosni Mubarak ein autoritäres Regime in Ägypten angeführt. Am 11. Februar 2011 trat er angesichts der Massenproteste gegen sein Regime im Zuge des Arabischen Frühlings zurück. Am 2. Juni 2012 ist der Ex-Präsident, der gesundheitlich angeschlagen ist, wegen seiner Rolle bei der blutigen Niederschlagung der Proteste zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Am 29. November 2014 wurde er in einem Berufungsprozess freigesprochen. Mubarak (links) (rechts), der am 6. Oktober 1981 ermordet wurde. Das Bild zeigt die beiden kurz vor dem tödlichen Anschlag. Am 14. Oktober 1981 wurde Hosni Mubarak im ägyptischen Parlament in Kairo Mubarak war ein der USA (Präsident Bill Clinton im Zentrum) und Israels (Jitzhak Rabin, links) für den Frieden im Nahen Osten. Mubarak (rechts) schüttelt die Hand von Palästinenserführer Yassir Arafat nach der Unterzeichnung eines Abkommens im Weissen Haus in Washington, 28. September 1995. Gleichzeitig reparierte er die nach dem Camp-David-Friedensvertrag schwer gestörten hier bei einem Treffen mit dem libyschen Revolutionsführer Muammar al Gaddafi im Oktober 1989. Treffen mit dem irakischen Diktator Mubarak hat viele gesehen. Im Bild mit Ronald Reagan beim Weissen Haus am 4. Februar 1982. Mubarak zu Besuch bei George H. W. Bush am 4. April 1989. US-Präsident George W. Bush zu Besuch bei Mubarak in Scharm el Scheich am 3. Juni 2003. Treffen mit Barack Obama am 1. September 2010. Mubarak mit Ehefrau Suzanne und den Söhnen Gamal (r.) und Alaa sowie dessen Ehefrau Heidi al Sakher. Besonders verhasst ist Gamal Mubarak, den der Präsident angeblich als Nachfolger installieren wollte.

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Ein ägyptisches Gericht hat am Dienstag einen Einspruch des ehemaligen Präsidenten Hosni Mubarak gegen die Beschlagnahme seines Vermögens abgewiesen. Anwälte der Familie des nach heftigen Protesten am 11. Februar zurückgetretenen Staatschefs hatten einen Antrag auf eine Fristverlängerung gestellt, um ihre Verteidigung vorbereiten zu können. Wie aus Justizkreisen verlautete, wurde dieser von dem Richter jedoch abgelehnt. Mit der Entscheidung steht nun der Weg für strafrechtliche Ermittlungen gegen Mubarak offen.

Das Vermögen von Mubarak und Mitgliedern seiner Familie war am 20. Februar eingefroren worden, acht Tage später ordnete ein Gericht die Beschlagnahme an. Der ehemalige Präsident und seine Frau sowie seine zwei Söhne und deren Frauen dürfen seither das Land nicht verlassen.

Kein Leben in Saus und Braus

Über die Höhe des Vermögens der Familie gibt es keine genauen Angaben. Es soll sich jedoch um Werte in Milliardenhöhe handeln. Ein Grossteil des Vermögens wird im Ausland vermutet.

Anders als einige Machthaber in anderen ölreichen arabischen Staaten, pflegte Mubarak während seiner rund 30-jährigen Herrschaft keinen auffallend opulenten Lebensstil. Die Wirtschaft des Landes war jedoch fest in der Hand von Mitgliedern seiner Familie und getreuen Verbündeten, die vor allem von einem ausgeprägten System der Korruption profitierten. Gleichzeitig lebte rund die Hälfte der rund 80 Millionen Ägypter an oder unter der Armutsgrenze.

Al-Adil liess auf Demonstranten schiessen

Unterdessen wurde bekannt, dass der ehemalige ägyptische Innenminister Habib al-Adli während der Proteste gegen Mubarak Schiessbefehle gegen gewaltlose Demonstrationen erteilte.

Dies werde durch elektronische Datenträger belegt, die in einer Geheimdienstzentrale sichergestellt werden konnten, berichtete die Tageszeitung «Al-Masry Al-Youm» am Dienstag unter Berufung auf Justizkreise.

Ein Datenträger enthalte Mitschnitte von Telefongesprächen des Vize-Innenministers Ahmed Ramsi mit Polizeikommandanten im ganzen Land. In einem der Gespräche gab Ramsi dem Polizeichef in der Stadt Suez den Befehl Al-Adlis weiter, dass er Schusswaffen gegen die Demonstranten einsetzen solle.

In einem anderen Gespräch befielen den Vize-Minister selbst Zweifel in Hinblick auf die Vorgangsweise seines Vorgesetzten. «Der Mann sitzt in seinem Büro und gibt schreckliche Befehle», soll Ramsi gesagt haben. «Ich werde auf niemanden schiessen lassen.»

Gegen Al-Adli begann am letzten Samstag ein Strafprozess in Kairo, der auf den 2. April vertagt wurde. In dem Verfahren werden ihm bislang allerdings nur Geldwäsche und Betrug vorgeworfen. Bei den Massenprotesten, die zum Rücktritt von Mubarak führten, töteten die Sicherheitskräfte im ganzen Land nach offiziellen Angaben mehr als 350 Menschen.

(sda/ap)