Proteste in Ägypten

02. Februar 2011 15:26; Akt: 02.02.2011 15:34 Print

So würden die Schweizer evakuiert

von Joel Bedetti - Sammelpunkte mit Wasservorräten, Flucht per Flugzeug oder Auto: In der Schweizer Botschaft in Kairo feilen Profis an Evakuationsplänen.

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Manöver zur Evakuation aus Krisengebiet: Elitetruppe AAD 10. (Bild: Keystone/Karl Mathis)

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In der Schweizer Botschaft im Herzen von Kairo herrscht Ausnahmezustand. «Wir arbeiten, essen und schlafen im Gebäude», sagt Botschafter Dominik Furgler gegenüber 20 Minuten Online. Furgler und sein Stab kümmern sich um die 1600 sesshaften Schweizer und Hundertschaften von helvetischen Touristen im aufständischen Land. Sie informieren – und bereiten sich hinter den Kulissen auf eine allfällige Evakuation vor. «Wenn die Staatsmacht zusammenfallen und ein Chaos ausbrechen würde, müssten wir handeln», sagt der Botschafter.

Es wäre kein kleines Manöver. Denn obwohl das EDA am Sonntagabend den Schweizern in Ägypten geraten hat, das Land zu verlassen, leisten nur die wenigsten der Aufforderung Folge. «Höchstens 150 Schweizer sind abgereist», schätzt Furgler.

Vorräte postiert

Zurzeit funktionieren Internet und Mobilfunknetz grösstenteils wieder. Sollten diese Kommunikationsmittel ausfallen, kann die Botschaft ihre Schutzbefohlenen trotzdem informieren. «Wir verfügen über ein Netz von Verbindungsleuten, die in ihrem Sektor die Leute telefonisch erreichen», sagt der Botschafter. Dieser Service wird hoch geschätzt. «Dank der Botschaft sind wir immer auf dem neuesten Stand», sagt die Auslandsschweizerin Helga Walder.

Falls es richtig brenzlig werden sollte, hat die Botschaft ein Netz an Sammelpunkten vorbereitet. Dazu gehört die Botschaft selbst, welche jedoch wegen ihrer zentralen Lage nicht der geeignetste Ort ist. «Auch meine Privatresidenz und der Swiss Club Cairo sowie weitere Gebäude wären dafür vorgesehen», so Furgler. An diesen Orten habe man Wasser- und Nahrungsvorräte postiert.

Schweizer Armee im Einsatz?

In einem zweiten Schritt würden die Personen aus dem Land gebracht. «Wir klären zurzeit ab, ob wir genügend Flugzeuge dafür auftreiben könnten», so der Botschafter. Doch auch für einen Transport auf dem Landweg seien Vorbereitungen getroffen worden. Unterstützt wird das Botschaftsteam von zwei Evakuationsspezialisten, welche das EDA in den letzten Tagen nach Kairo einfliegen liess. «Das sind Profis, die haben schon im Libanonkrieg solche Manöver durchgeführt», sagt Dominik Furgler.

Ob sich auch das Schweizer Armee-Aufklärungsdetachement 10 (AAD 10), das eigens für solche Situationen geschaffen wurde, auf einen Einsatz vorbereitet, ist beim EDA nicht zu erfahren. Auch Botschafter Furgler will sich dazu nicht äussern.

Der Schweizer Botschafter betont aber, dass die Zeichen nicht auf Krise stünden – im Gegenteil. «Die Alteingesessenen kommen gut zurecht. Die Touristen in den Badeorten wollen nicht gehen. Unser Care-Team steht alleine am Flughafen.»