«Blutiger» Grand Prix

07. Juni 2011 09:18; Akt: 07.06.2011 10:26 Print

Bahrain als Schandfleck der Formel 1

Der Rennzirkus kehrt noch dieses Jahr nach Bahrain zurück – obwohl das Regime die schiitische Opposition brutal unterdrückt und sogar Fussball-Helden ins Gefängnis steckt.

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Weltmeister Sebastian Vettel beim Grand Prix von Bahrain 2010. (Bild: Keystone/AP/Hasan Jamali)

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Alaa Hubail war ein Nationalheld. Mit seinen Toren führte er Bahrain bis in den Halbfinal der Asienmeisterschaft 2004 – der grösste Fussball-Erfolg in der Geschichte des kleinen Landes mit weniger als einer Million Einwohnern. Er war auch wesentlich daran beteiligt, dass Bahrain in den Qualifikationen für die Fussball-Weltmeisterschaften 2006 und 2010 erst in der letzten Playoff-Runde gescheitert war, wobei jeweils nur ein Tor fehlte.

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Nun ist Alaa Hubail kein Held mehr, sondern ein Häftling. Zusammen mit seinem Bruder Mohamed und Sayed Adnan, einem weiteren Nationalspieler, wurde er im Februar verhaftet, als das sunnitische Königshaus die Kundgebungen der schiitischen Bevölkerungsmehrheit für mehr Demokratie und Mitsprache brutal niederschlagen liess. Die drei Fussballer wurden gemäss CNN von ihren Klubs gefeuert und aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen.

Die Fifa bleibt stumm

Nun droht ihnen ein Prozess vor einem Militärgericht. Ihnen werde «Gewalt gegen Regierungsbeamte» vorgeworfen, wie Scheich Ali bin Chalifa al Chalifa, Vizepräsident des nationalen Fussball-Verbands und Mitglied der Königsfamilie, gegenüber CNN erklärte. Die Fifa blieb bislang untätig, obwohl der Weltverband sonst rigoros gegen die Einmischung der Politik in die Belange des Fussballs vorzugehen pflegt. Man habe «noch keine offiziellen Informationen in dieser Angelegenheit erhalten», sagte ein Fifa-Sprecher.

Fifa-Kenner halten einen Zusammenhang mit der Präsidentenwahl von letzter Woche für möglich. Weder Sepp Blatter noch sein Gegenkandidat Mohamed Bin Hammam aus dem Nachbarland Katar hätten die bahrainische Königsfamilie verärgern wollen. Nabil Radschab, Präsident des bahrainischen Zentrums für Menschenrechte, reagierte bestürzt: «Die Fifa muss ihre Stimme erheben. Fussballer haben die gleichen Rechte wie alle Menschen.»

Angestellte der Rennstrecke in Haft

Doch nicht nur die Fifa zeigt sich blind gegenüber der Gewalt in Bahrain. Auch die Formel 1 will den zu Saisonbeginn wegen der Unruhen abgesagten Grand Prix noch in diesem Jahr nachholen, genauer am 30. Oktober. Der Entscheid wurde am Freitag bekannt gegeben. Am gleichen Tag schoss die Polizei in der Hauptstadt Manama mit Tränengas und Gummigeschossen auf Demonstranten. Zwei Tage zuvor war der Ausnahmezustand aufgehoben worden, doch die Behörden warnten ausdrücklich vor weiteren Kundgebungen.

Mindestens 30 Personen sind bei den Protesten in Bahrain bislang ums Leben gekommen und mehr als 800 verhaftet worden. Darunter befinden sich laut dem britischen «Observer» auch 108 Angestellte der Rennstrecke, die der schiitischen Mehrheit angehören. Nabil Radschab vom Zentrum für Menschenrechte forderte Fahrer, Journalisten und Zuschauer auf, sich mit den Inhaftierten solidarisch zu zeigen und nicht an den GP zu reisen.

Ecclestone und die Demokratie

Bislang hat sich nur Red-Bull-Pilot Mark Webber mit leiser Kritik vernehmen lassen: «Wenn Menschen in einem Land verletzt werden, gibt es Wichtigeres als Sport», teilte er auf Twitter mit. «Hoffen wir, dass die richtige Entscheidung getroffen wurde.» Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone dürfte davon wenig beeindruckt sein. Der 80-jährige Brite hält bekanntermassen wenig von Demokratie. Vor zwei Jahren sorgte er für Empörung, als er in einem Interview mit der «Times» Adolf Hitler lobte, weil der «die Dinge auf die Reihe gekriegt hat».

Das Risiko ist dennoch beträchtlich, denn die bahrainische Opposition dürfte versuchen, die mit dem Grand Prix verbundene Publizität mit Protesten zu verbinden. Ein neues Blutbad ist nicht auszuschliessen. Der «Observer» meint, der GP von Bahrain 2011 könne dereinst in einem Atemzug genannt werden mit den Olympischen Spielen 1936 in Berlin (die «Hitler-Spiele») und jenen von 1968 in Mexiko City, als das Militär nur zehn Tage vor der Eröffnungsfeier mit Schüssen gegen eine Studentendemo vorging und 44 Menschen tötete.

(pbl)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Rhyner am 07.06.2011 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Das gute alte Geld

    Man kann es drehen wie man will, es von einer Seite oder der anderen anschauen, schlussendlich regiert GEld die Welt. Das heisst wir lassen uns seit hunderten von jahren von bedrucktem Papier an der Nase herumführen. Schlimm schlimm. Sowas nennt man dann Krone der Schöpfung....

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  • gstar am 07.06.2011 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Problem wäre gelöst

    Naja die Sache wäre mehr oder weniger einfach. Die Rennfahrer streiken einfach einstimmig, somit ist das Problem gelöst.Schlisslich geht aus auch um deren Sicherheit. Ich hätte keine Lust auf ner Rennstrecke zu sein wo ne primitive Rakete vo irgendwelchen Oppositionen einschlägt.

  • KLio am 07.06.2011 17:03 Report Diesen Beitrag melden

    Vettel gewinnt einfach

    Lass uns doch das Rennen absagen, es wird ja eh nur wieder Vellel das Rennen gewinnen, also wirds sowieso nicht interessant...

Die neusten Leser-Kommentare

  • KLio am 07.06.2011 17:03 Report Diesen Beitrag melden

    Vettel gewinnt einfach

    Lass uns doch das Rennen absagen, es wird ja eh nur wieder Vellel das Rennen gewinnen, also wirds sowieso nicht interessant...

  • gstar am 07.06.2011 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Problem wäre gelöst

    Naja die Sache wäre mehr oder weniger einfach. Die Rennfahrer streiken einfach einstimmig, somit ist das Problem gelöst.Schlisslich geht aus auch um deren Sicherheit. Ich hätte keine Lust auf ner Rennstrecke zu sein wo ne primitive Rakete vo irgendwelchen Oppositionen einschlägt.

  • Peter Rhyner am 07.06.2011 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Das gute alte Geld

    Man kann es drehen wie man will, es von einer Seite oder der anderen anschauen, schlussendlich regiert GEld die Welt. Das heisst wir lassen uns seit hunderten von jahren von bedrucktem Papier an der Nase herumführen. Schlimm schlimm. Sowas nennt man dann Krone der Schöpfung....

    • jolly bolly solly kolly molly dolly am 07.06.2011 12:08 Report Diesen Beitrag melden

      wäre werden würde

      Da stimm ich dir zu.... Was ich dir aber nicht glauben würde, wäre die tatsache das du das Geld nicht nehmen würdest wenn es dir nachgeworfen werden würde.

    • Franz Feigenwinter am 07.06.2011 12:09 Report Diesen Beitrag melden

      Blinder Gehorsam

      Nicht nur Geld, sondern auch Religion macht blind! Schon mal von "Religiösem Fanatismus" gehört? Auch das ist "Blinder Gehorsam"!! Die "Krone der Schöpfung" hat nicht nur ein Übel hervorgebracht...

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