Nicht mehr in Ägypten?

14. Februar 2011 06:30; Akt: 14.02.2011 11:02 Print

Wilde Gerüchte um Mubaraks Flucht

Verwirrung um den Aufenthaltsort des gestürzten Präsidenten Mubarak. Dem «Stern» zufolge ist er ins Emirat Schardscha aufgebrochen. Offizielle Stellen dementieren.

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Diktatoren ist es nur selten vergönnt, ihren Lebensabend unter normalen Bedingungen zu geniessen. kam durch einen Militärputsch 1969 an die Macht und formte das ehemalige Königreich in einen sozialistischen Staat um. Erunterstützte zahlreiche Befreiungsbewegungen und Terrorgruppen. Im Frühling 2011 erhob sich sein Volk gegen ihn. Rebellen verjagten ihn mit Unterstützung der NATO im August aus Tripolis. Am 20. Oktober, nach zwei Monaten auf der Flucht, wurde er bei der Einnahme seiner Heimatstadt Sirte getötet. Der in Frankreich ausgebildete tunesische Offizier putschte sich nach der Absetzung von Staatsschef Habib Bourguiba 1987 an die Macht. Mehrfach liess er sich in (manipulierten) Wahlen im Amt bestätigen. Angesichts sich ausweitender Unruhen ging er mit seiner Familie Mitte Januar 2011 ins Exil nach Saudi-Arabien. Gelder der Familien von Ben Ali und dessen Ehefrau Leila Trabelsi werden auch auf Banken in Europa vermutet. Politiker und Oppositionelle fordern, dass die Behörden auch in der Schweiz mutmassliche Konten aufspüren. Drei Jahrzehnte lang regierte Mubarak Ägypten im Ausnahmezustand. In dieser Zeit war er der wichtigste Partner Israels und der USA in der arabischen Welt. Am 11. Februar 2011 beugte er sich dem Druck des Volkes und verliess die Hauptstadt Kairo, vorerst Richtung Sharm El Sheik am Roten Meer. Dort wurde er am 13. April von der Staatsanwaltschaft festgenommen. Am 2. Juni 2012 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Der in einem blutigen Volksaufstand im April 2010 aus dem Amt gejagte kirgisische Präsident setzte sich zunächst ins Nachbarland Kasachstan ab. Wenige Tage später gab ihm der autoritär regierende Präsident Alexander Lukaschenko Asyl in Weissrussland. Der äthiopische Staatschef, der seit 1977 diktatorisch herrschte, wurde im Mai 1991 nach Niederlagen im Bürgerkrieg gestürzt. Er flüchtete zunächst nach Simbabwe, mit dessen Machthaber Robert Mugabe er befreundet ist. 1999 suchte er Exil in Nordkorea und später wieder in Simbabwe. Im November 2000 setzte sich Perus Präsident nach seiner von Betrug geprägten Wiederwahl nach Japan ab, dessen Staatsbürgerschaft er - neben der peruanischen - besitzt. 2005 wurde er bei einer Reise nach Chile verhaftet und nach Peru überstellt. Anfang 2010 verurteilte man ihn dort wegen Menschenrechtsverbrechen zu 25 Jahren Gefängnis. Im Zusammenhang mit der Affäre um Fujimoris Geheimdienstchef Vladimiro Montesinos waren in der Schweiz zwischenzeitlich rund 100 Millionen Dollar blockiert gewesen. Liberias Präsident trat im August 2003 nach Wiederaufflammen des Bürgerkrieges in dem westafrikanischen Land unter internationalem Druck ab und ging ins Exil nach Nigeria. Ab 2007 musste sich der Ex-Diktator vor einem Sondergericht in Den Haag verantworten, weil er Ende der 1990er-Jahre blutrünstige Rebellen in seinem Nachbarland Sierra Leone gesteuert hatte. Am 30. Mai 2012 wurde er deswegen zu 50 Jahren Haft verurteilt. Die Schweiz war das erste Land, welches Guthaben mit möglichem Bezug zum Bürgerkrieg in Sierra Leone blockierte: 2003 wurden Schweizer Konten mit fast sechs Millionen Franken gesperrt, die Taylor und seiner Entourage zugerechnet wurden. Die Bundesanwaltschaft gab die Konten aber später wieder frei, da sich keine strafrechtlich relevanten Tatbestände erhärten liessen. liess sich 1971 in Haiti als Präsident auf Lebenszeit bestätigen. 1986 wurde er abgesetzt und floh nach Frankreich ins Exil. Der ehemalige Dikator wohnte in Paris und ist praktisch mittellos. Am 16. Januar 2011 kehrte er überraschend nach Haiti zurück. Dort wurde er unter Hausarrest gestellt. ernannte sich 1976 zum Kaiser des Zentralafrikanischen Kaiserreichs. 1979 flüchtete er nach einem Putsch nach Frankreich und wohnte dort auf Schloss Hardricourt. Er starb 1996 und hinterliess 17 Frauen. , auch der Schlächter von Afrika genannt, war von 1971 bis 1979 ugandischer Diktator. 1978 musste er nach einer gescheiterten Invasion Tansanias nach Saudi-Arabien ins Exil flüchten. Er starb 2003. herrschte von 1965 bis 1997 als Diktator in Zaire. Nach Aufständen von Tutsi-Rebellen und der Eroberung der Hauptstadt Kinshasa musste er 1997 nach Marokko ins Exil flüchten, wo er kurz darauf starb. war von 1976 bis 1989 Staatsratsvorsitzender der DDR. 1991 floh er nach Moskau und 1993 weiter nach Chile, wo er mit 81 Jahren an Leberkrebs starb. war von 1965 bis 1986 Präsident der Philippinen. Er musste 1986 nach einem Volksaufstand nach Hawaii fliehen. Sein Leichnam wird seit 20 Jahren von seiner Frau Imelda in einem gekühlten Glassarg aufbewahrt. war fast 4 Jahrzente der Schah von Persien (Iran). Sein Regime, das die Unterstützung der USA und Westeuropas genoss, wurde infolge der islamischen Revolution gestürzt. Er verliess das Land und starb 1980 in Kairo. war von 1952 bis 1958 diktatorisch regierender Staatspräsident Kubas. Nach einem lange andauernden Guerillakrieg wurde er von Fidel Castro gestürzt. Ab 1961 lebte Batista in Portugal und Spanien im Exil.

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Der gestürzte ägyptische Präsident Hosni Mubarak hat sich nach Informationen der Online-Ausgabe des Magazins «Stern» ins Ausland abgesetzt. Mubarak habe den Badeort Scharm-el-Scheich verlassen und sei mit einer Maschine der privaten Fluggesellschaft Air Arabia ins Emirat Schardscha am Persischen Golf geflogen. Dies sei bereits am Freitag geschehen, berichtete Stern.de am Sonntagabend unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen.

Mubaraks Familie habe Ägypten bereits am Dienstag mit Ziel Schardscha verlassen. Auch der frühere Handels- und Industrieminister Raschid Mohamed Raschid sei in das Emirat ausgeflogen worden. Gegen ihn war laut Stern.de bereits ein Ausreiseverbot verhängt worden.

Air Arabija unterhalte eine normale Linienverbindung zwischen Schardscha und Scharm-el-Scheich, deshalb sei die Flucht nicht aufgefallen. Mubaraks Familie kam nach Informationen von Stern.de in einem Palast von Herrscher Scheich Sultan bin Mohammed Al Kasim unter.

Ein Sprecher der Luftfahrtbehörde von Schardscha hat dem Bericht des «Stern» jedoch widersprochen. Mubarak befinde sich nicht in den Vereinigten Arabischen Emiraten, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur WAM den Sprecher. Auch der neue Ministerpräsident Ägyptens, Ahmed Shafik, beteuerte in Kairo, Mubarak befinde sich weiterhin im ägyptischen Badeort Scharm-el-Scheich.

Treffen zwischen Militär und Jugendlichen

Zwei Tage nach dem Sturz von Staatspräsident Hosni Mubarak ist die ägyptische Militärführung am Sonntag mit Vertretern der Jugendbewegung zusammengetroffen, die den Volksaufstand massgeblich geprägt hat.

Der prominente Aktivist Wael Ghonim beschrieb das Treffen auf einer vom ihm betreuten Facebook-Seite als ermutigend. Die Streitkräfte hätten die Übergangsregierung, in der viele Anhänger Mubaraks vertreten sind, als im Interesse der Stabilität notwendig verteidigt, erklärten Ghonim und ein weiteres Mitglied der Protestbewegung, Amr Salama.

Sie hätten aber baldige Veränderungen in der Regierung zugesagt. Ausserdem wolle die Militärführung nach eigenen Angaben gegen korrupte Personen vorgehen, ungeachtet deren früherer oder aktueller Position.

Änderungen an der Verfassung sollten in den kommenden zehn Tagen von einem unabhängigen Ausschuss erarbeitet werden. Über die Vorlage solle dann innerhalb von zwei Monaten das Volk in einem Referendum entscheiden, hiess es in der Erklärung der beiden Aktivisten.

Parlament aufgelöst und Verfassung ausser Kraft

Die Vertreter der Streitkräfte hätten die Jugendlichen darüber hinaus ermutigt, die Gründung von Parteien zu erwägen, und zugesagt, sich regelmässig mit ihnen zu treffen. «Wir haben einen echten Wunsch gespürt, die Erfolge der Revolution zu schützen und einen beispiellosen Respekt für das Recht junger Ägypter, ihre Meinung zu sagen», erklärte Ghonim.

Der Oberste Militärrat in Ägypten hatte am Sonntag das Parlament aufgelöst und die Verfassung ausser Kraft gesetzt. Damit kamen die Generäle zwei wichtigen Forderungen der Protestbewegung nach. Die Streitkräfte würden das Land für sechs Monate führen, sollten nicht vorher Präsidentschafts- und Parlamentswahlen abgehalten werden können, hiess es in der Mitteilung weiter.

Die noch vom gestürzten Präsidenten Mubarak ernannte Übergangsregierung unter Ministerpräsident Ahmed Schafik bleibt unterdessen weiter im Amt. Die repressiven Notstandsgesetze wurden zunächst nicht aufgehoben.

(aeg/rub/sda/ap)