«Martkprobleme»

19. Februar 2011 22:25; Akt: 19.02.2011 22:44 Print

Ägyptische Börse bleibt zu

Nicht wie erwartet am Sonntag, sondern später, und nur dosiert wird der Handel an der Börse in Kairo wieder aufgenommen. Dafür wurde die erste islamische Partei legalisiert.

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Archivbild. Handelsraum der Kairoer Börse am 2. Dezember 1999. (Bild: Keystone)

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Die Wiedereröffnung der wegen der wochenlangen Proteste geschlossenen ägyptischen Börse lässt weiter auf sich warten. Der Handelsplatz wird nicht, wie allgemein erwartet wurde, am Sonntag geöffnet. In einer Erklärung teilte die Börse am Samstag mit, das Datum der Wiedereröffnung werde später bekannt gegeben.

Gleichzeitig kündigte die Börse an, es sollten Mechanismen in Gang gesetzt werden, die «Martkprobleme» verhindern und es erlauben sollten, dass der Aktienmarkt «schrittweise wieder zu einem normalen Betrieb zurückkehrt».

Demnach soll in der ersten Handelswoche der Kauf und Verkauf von Aktien auf drei Stunden am Tag begrenzt werden. Bei Kursschwankungen von über 5 Prozent werde der Handel um eine halbe Stunde und bei über 10 Prozent für längere Zeit ausgesetzt, hiess es weiter.

Der ägyptische Leitindex war am 26. und 27. Januar unter dem Eindruck der Massendemonstrationen gegen den damaligen Staatschef Hosni Mubarak um insgesamt 17 Prozent abgestürzt. Seit dem 28. Januar ist die Kairoer Börse ganz geschlossen. Die Banken im Land sind inzwischen wieder offen.

Islamische Partei erhält Zulassung

Nach 15 Jahren des Verbots ist eine gemässigt islamischen Partei am Samstag von einem ägyptischen Gericht zugelassen worden. Die Zulassung sei «eine positive Frucht der Revolution des 25. Januar der Generation der Freiheit», sagte Parteigründer Abu al Ila Madi nach dem Urteil des Obersten Verwaltungsgerichts.

Al Wasat al Jadid (neues Zentrum) war 1996 von Aktivisten gegründet worden, die sich von der konservativen Muslimbruderschaft lossagten, um eine politische Bewegung zu gründen, die sich für einen toleranten Islam mit liberalen Tendenzen einsetzt. Unter der Regierung des abgetretenen Präsidenten Hosni Mubarak wurden vier Anträge auf Anerkennung abgelehnt.

Die Partei werde sich unverzüglich ans Werk machen um ihre Mitglieder zu organisieren. Zweigstellen sollen eröffnet werden, um an Ägyptens politischem Leben teilzuhaben, sagte Madi.

Die Regierungspartei NDP von Ex-Präsident Hosni Mubarak war die einzige bedeutende politische Partei. Zwar waren auch kleinere Oppositionsparteien im Parlament vertreten, allerdings waren diese nahezu unbedeutend. Human Rights Watch warf Mubarak und der NDP 2007 vor, das Gesetz zur Zulassung von Parteien zur Unterdrückung von Opposition zu missbrauchen.

(ap)