Bahrain

19. Februar 2011 23:07; Akt: 19.02.2011 23:07 Print

Demonstranten fordern Nichtangriffspakt

Nach dem Rückzug der Panzer aus dem Zentrum Manamas fordert die Opposition Garantien. Sie will sichergehen, dass die Demonstranten keine Angriffe mehr fürchten müssen.

Proteste in Bahrain. (Video: YouTube/AP)

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Nach gewaltsamen Zusammenstössen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten in Bahrain hat die Herrscherfamilie am Samstag Panzer und Soldaten aus den Strassen der Hauptstadt Manama abgezogen und damit eine Kernforderung der Opposition erfüllt. Einige Bürger reagierten mit Jubel auf den Abzug - sie hupten, schwenkten bahrainische Flaggen und spreizten ihre Finger zum Victory-Zeichen.

Kronprinz Salman bin Hamad al Chalifa rief in einer kurzen Fernsehansprache die Bevölkerung zur Ruhe und politischem Dialog auf. Der britische Aussenminister William Hague begrüsste in einem Telefonat mit dem Kronprinzen den Abzug der Panzer und stellte sich hinter die Aufnahme von Gesprächen mit den Regierungsgegnern. Der Kronprinz, der auch stellvertretender Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist, hat vom Königshaus den Auftrag erhalten, einen Dialog mit den Anführern der Proteste aufzunehmen.

Der Abzug der Panzer aus Manama allein sei jedoch nicht ausreichend für die Eröffnung eines Dialogs, sagte der Oppositionsaktivist Ibrahim Scharif, Kopf der Waad Gesellschaft, unter deren Dach sich verschiedene Protestbewegungen organisiert haben. Er forderte Garantien dafür, dass die Demonstranten ihre Kundgebungen ohne Angst vor Angriffen durchführen können.

Demonstranten errichten Lager

Tausende jubelnde Menschen marschierten nach der Räumung des zentralen Perlen-Platzes von den Sicherheitskräften dorthin. Sie trugen Flaggen, Blumen und Schilder. Auf einem stand «Friedlich, friedlich.» «Wir haben gesiegt», riefen einige Demonstranten.

Bei Einbruch der Nacht errichteten Demonstranten Barrikaden und ein Erste-Hilfe-Zelt auf dem Platz, verkabelten ein Warnsystem und stellten Wachposten auf, die vor einem Heranrücken der Sicherheitskräfte warnen sollten. Die Gewerkschaften riefen für Sonntag zu einem Generalstreik auf.

Bei Protesten von Regierungsgegnern in Bahrain hatten Soldaten am Freitag das Feuer auf Tausende Demonstranten eröffnet und den Perlen-Platz geräumt. Mindestens 50 Menschen wurden nach Angaben von Ärzten verletzt. Am Donnerstag waren bei der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten fünf Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden.

Obama verurteilt Gewalt

US-Präsident Barack Obama verurteilte die Gewalt in dem Golfstaat am Freitag und forderte König Hamad bin Isa Al Chalifa in einem persönlichen Telefongespräch zu Zurückhaltung auf. Obama forderte auch, dass diejenigen, die für die Gewalt verantwortlich waren, zur Rechenschaft gezogen werden müssten.

Bahrain müsse die «universellen Rechte» der Menschen respektieren und sinnvolle Reformen einleiten, forderte Obama weiter. Der Golfstaat ist Stützpunkt der 5. US-Flotte.

Begonnen hatten die Proteste in Bahrain zunächst mit der Forderung nach politischen Reformen. Inzwischen richtet sich der Protest aber gegen das gesamte Regime und das sunnitische Königshaus des Golfstaats. Die Bevölkerungsmehrheit besteht aus Schiiten.

(ap)