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18. Februar 2011 06:00; Akt: 18.02.2011 10:24 Print

Militär soll Elektroschocks eingesetzt haben

Tritte, Peitschenhiebe, Elektroschocks: Die ägyptische Armee soll Regimegegner während der Proteste gegen Hosni Mubarak misshandelt haben.

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Ein 29-Jähriger berichtete Amnesty International, er sei am 3. Februar 2011 von Soldaten in einem Anbau des ägyptischen Museums in Kairo gefoltert worden: «Sie nannten mich einen Verräter und ausländischen Agenten. Ich musste mich bis auf die Unterwäsche ausziehen und mich mit dem Kopf nach unten auf den Boden legen. Die Soldaten schlugen mich mit einer Peitsche und drückten ihre Stiefel auf meinen Rücken und auf meine Hände. Sie gaben mir Fusstritte. Auch viele andere Gefangene wurden ausgepeitscht.»

Ein 18-Jähriger sagte aus, an einem unbekannten Ort gefoltert worden zu sein. Soldaten hatten ihn am 3. Februar 2011 in der Nähe des Tahrir-Platzes in Kairo verhaftet: «Sie legten eine Kette oder etwas Ähnliches um meine Füsse und zogen mich hoch, so dass ich kopfüber hing. Immer wieder tauchten sie mich in ein Fass mit Wasser. Sie sagten, ich solle gestehen, von Israel oder dem Iran ausgebildet worden zu sein. Sie misshandelten mich auch mit Elektroschocks, bis ich in Ohnmacht fiel.»

Militär soll Übeltäter bestrafen

Die in London ansässige Organisation erklärte, die Streitkräfte in Ägypten hätten sich öffentlich dazu verpflichtet, nach «so vielen Jahren der Unterdrückung ein Klima von Freiheit und Demokratie zu schaffen». Jetzt müssten den Worten Taten folgen, forderte der Regionaldirektor der Organisation, Malcolm Smart. «Niemand darf gefoltert oder misshandelt werden. Daran wird der Reformwille des ägyptischen Militärs zu messen sein», doppelte Patrick Walder, Experte für Folter und Todesstrafe bei Amnesty International Schweiz, nach.

«Das Militär muss sofort unmissverständliche Anweisungen an alle Armeeangehörigen geben. Alle Folter-Vorwürfe müssen schnell und unabhängig untersucht, die Täter und Verantwortlichen zur Verantwortung gezogen werden», forderte Walder. Ausserdem müssten die Behörden sofort Namen und Aufenthaltsort aller Gefangen veröffentlichen. «Wer nicht wegen kriminellen Vergehen angeklagt wird, ist sofort freizulassen.»

Militär weist Vorwürfe zurück

Ein Militärsprecher wies die Vorwürfe zurück. «Woher stammen diese Informationen?», fragte Generalleutnant Ismail Etman im staatlichen Fernsehen. Die Streitkräfte hätten von Aktivisten eine Liste mit festgehaltenen Bürgern bekommen und suchten nach ihnen.

(ast/sda)