Krieg in Syrien

14. Mai 2012 16:04; Akt: 14.05.2012 17:59 Print

Aktivisten melden schwere Kämpfe

Die EU hat ihre Sanktionen gegen Syrien ausgeweitet, während syrische Truppen weiter eine von Aufständischen kontrollierte Stadt beschossen haben. Für Aufsehen sorgt das Video eines verletzten Kindes.

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Ungeachtet einer Ausweitung der Sanktionen durch die Europäische Union haben die syrischen Regierungstruppen am Montag eine von Aufständischen kontrollierte Stadt beschossen. Syrische Aktivisten des Londoner Observatariums für Menschenrechte und der Örtlichen Koordinationskomitees berichteten, dass verletzte Zivilpersonen in Krankenhäuser eingeliefert worden seien.

Ein Amateurvideo (unten) zeigte ein junges Mädchen, das in Rastan in einem Behelfslazarett behandelt wurde und vor Schmerzen schrie. Auf die Frage, wo ihre Mutter sei, schluchzte sie: «Sie ist tot.»

Rastan liegt in der mittelsyrischen Provinz Homs, nördlich der gleichnamigen Provinzhauptstadt, die eine Hochburg des Aufstands gegen das Regime von Präsident Baschar Assad ist. Rastan ist seit Januar unter Kontrolle der Aufständischen. Den Aktivisten zufolge begann der schwere Beschuss Rastans bereits am Sonntag.

Observatoriums-Leiter Rami Abdul Rahman sagte, die Rebellen hätten einige Militärfahrzeuge zerstört und Soldaten getötet. Eine unabhängige Bestätigung für die Angaben war nicht zu erhalten.

Sunnitisches Dorf überfallen

Vor dem Angriff auf Rastan hatten syrische Truppen ein sunnitisches Dorf in der Provinz Hama angegriffen. Sie steckten Wohnhäuser in Brand und plünderten Geschäfte, hiess es in Aktivisten-Meldungen. Mindestens fünf Menschen seien getötet worden. Beobachter befürchten, dass dies eine Verschärfung der Spannungen zwischen religiösen Gruppen in Syrien ankündigen könnte. Die Mehrheit der Syrer gehört der sunnitischen Richtung des Islams an, die Machtelite um Assad besteht überwiegend aus Alawiten.


Video: YouTube/UgaritNews

Zusammenstösse im Zusammenhang mit dem Aufstand in Syrien griffen unterdessen auch auf die nordlibanesische Grenzstadt Tripolis über. In Strassenkämpfen zwischen libanesischen Sunniten und alawitische Anhängern Assads sei am Montag ein Mensch getötet worden, hiess es. Bereits am Sonntag seien bei Zusammenstössen vier Menschen getötet worden.

Die andauernden Kämpfe in Syrien untergraben den seit dem 12. April geltenden UN-Friedensplan. Die EU weitete am Montag ihre Sanktionen gegen Syrien bereits zum 15. Mal aus: Die Aussenminister belegten drei weitere Regimevertreter mit Einreise- und Vermögenssperren auferlegt, zwei Unternehmen müssen mit Kontensperren rechnen. Damit umfasst die «Schwarze Liste» nun 128 Personen und 43 Firmen. Die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton erklärte, die Sanktionen richteten sich gegen die syrische Regierung, nicht gegen die Zivilbevölkerung.

Bildt sieht keine Alternative zum Friedensplan

Ausserdem stellten die Aussenminister weitere Unterstützung für den Friedensplan des UN-Sondergesandten Kofi Annan in Aussicht. Bereits am Wochenende seien der Mission einige Spezialfahrzeuge zur Verfügung gestellt worden, sagte Ashton. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen handelte es sich dabei um rund 25 gepanzerte Fahrzeuge.

Der schwedische Aussenminister Carl Bildt räumte zwar ein, dass 300 UN-Beobachter angesichts der Grösse des Landes wenige seien und ihr Erfolg ungewiss sei. Die Alternative sei jedoch «das Horrorszenario, dass das Land im Bürgerkrieg versinkt». Die Erfahrung zeige zudem, dass die Kampfhandlungen überall dort eingestellt würden, wo die Beobachter hinkämen.

Auch Kämpfe im Libanon fortgesetzt

Am Wochenende hatte der Syrien-Konflikt auch auf den benachbarten Libanon übergegriffen. In der Stadt Tripoli im Norden des Landes lieferten sich Gegner und Anhänger der syrischen Regierung am Montag den dritten Tag in Folge heftige Gefechte. Dabei wurden mindestens zwei Menschen getötet und 16 weitere verletzt, wie ein Sicherheitsbeamter sagte.

Bei den Kämpfen stehen sich Sunniten aus dem Stadtviertel Bal al- Tebbaneh und alawitische Anhänger des syrischen Staatschefs Assad aus Dschabal Mohsen gegenüber. Die libanesische Regierung wird von der mit Syrien und dem Iran verbündeten schiitischen Hisbollah dominiert.

Die syrische Bevölkerung ihrerseits ist mehrheitlich sunnitisch. Weite Teile der Führung um Staatschef Assad gehören dagegen den Alawiten an, einer schiitischen Glaubensrichtung. Die Führung in Damaskus hatte mehrfach beklagt, dass die syrische Opposition Waffen und Kämpfer für den Aufstand gegen Assad über die libanesische Grenze nach Syrien schmuggle.

(sda/ap)