Aufstand in Syrien

15. Dezember 2011 11:47; Akt: 15.12.2011 11:48 Print

Soldaten erhielten Schiessbefehl

Die syrischen Sicherheitskräfte haben freie Hand bei der Bekämpfung der Opposition. Menschenrechtler berichten von eindeutigen Schiessbefehlen an die Soldaten.

storybild

Sicherheitskräfte patroullieren in der Stadt Daraa. In der Region wurden 27 Soldaten von Deserteuren erschossen. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Zur Niederschlagung der Proteste in Syrien haben die Soldaten nach Angaben von Menschenrechtlern eindeutige Schiessbefehle erhalten. Sie hätten «mit allen nötigen Massnahmen» gegen die Demonstranten vorgehen sollen, zitierte Human Rights Watch Überläufer aus den Reihen des Militärs.

Die Männer hätten Namen und Dienstgrad von über 70 Führungskräften genannt, die ihnen befohlen hätten, zu schiessen und zu töten, heisst es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der in New York ansässigen Organisation. Die Veröffentlichung stützt sich auf mehr als 60 Gespräche mit Deserteuren aus Militär und Geheimdienst.

«Jeder einzelne der in diesem Bericht genannten Offiziellen, bis hin in die höchsten Ebenen der syrischen Regierung, sollte sich für seine Verbrechen gegen das syrische Volk verantworten», forderte HRW. Es gehe um Verbrechen gegen die Menschlichkeit, der UNO- Sicherheitsrat müsse Syrien vor den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) bringen. Nach Schätzung der UNO wurden bei der brutalen Niederschlagung der seit neun Monaten andauernden Proteste bislang mehr als 5000 Menschen getötet, unter ihnen 300 Kinder.

27 Soldaten getötet

Auch am Donnerstag kam es wieder zu Unruhen. Deserteure der syrischen Armee töteten nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mindestens 27 Soldaten und Sicherheitskräfte.

Wie die in Grossbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, gab es am Morgen in der südlichen Provinz Daraa an drei verschiedenen Kontrollposten heftige Zusammenstösse. Daraa gilt als Hochburg des Protests der Oppositionsbewegung gegen Staatschef Baschar al-Assad.

Aus Protest gegen das harte Vorgehen gegen Zivilisten haben Soldaten den Dienst quittiert. Die Angaben lassen sich nur schwer überprüfen, da Syrien ausländische Journalisten des Landes verwiesen hat.

Nach Angaben von Aktivisten wurden am Mittwoch erneut mindestens 21 Zivilisten von Sicherheitskräften in Syrien getötet, darunter auch eine Irakerin, die nahe der Hauptstadt Damaskus erschossen wurde.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.