Raus aus Tunesien

08. März 2011 23:02; Akt: 08.03.2011 23:04 Print

Die spektakuläre Flucht der Tina R.

Die Deutsche Tina R. konnte sich mit ihrer Tochter in letzter Minute auf ein Flüchtlingsboot retten. Sie floh vor ihrem tunesischen Mann.

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Endlich wieder vereint: Tina R. und ihre Tochter Amira. (Bild: AFP)

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Mit einem der überfüllten Flüchtlingsboote aus Tunesien ist auch eine Deutsche mit ihrer neunjährigen Tochter in Italien angekommen. Sie sei vor ihrem Exmann geflohen, erklärte sie nach ihrer Ankunft auf der Insel Lampedusa. Die Flucht per Boot sei ihre einzige Chance gewesen. Sie habe zwar alle notwendigen Papiere gehabt, doch ihr Mann habe ihre Ausreise verhindert.

So nahm sie die lebensgefährliche Überfahrt durch das Mittelmeer in Kauf, um zurück nach Deutschland zu kommen. Das Flüchtlingsboot erreichte Lampedusa in der Nacht zum Montag. Die rund 100 Menschen an Bord hätten sich wie Brüder und Schwestern verhalten, sagte die Deutsche im Gespräch mit Medien.

Die deutsche Botschaft in Rom teilte am Dienstag mit, man habe der Frau und ihrer Tochter Hilfe angeboten. Mehr Informationen würden aus Rücksicht auf die Privatsphäre der beiden zunächst nicht bekannt gegeben.

«Es war eiskalt»

Die Geflüchtete selbst äusserte sich jedoch gegenüber Medien. Demnach heisst sie Tina R., ist 39 oder 40 Jahre alt und Lehrerin aus Düsseldorf. «Es war eiskalt», zitiert spiegel.de die Frau. «Ich habe bis zum Bauch im Wasser gestanden, als wir bei Abfahrt zu den Beibooten gewatet sind.»

Im Gespräch mit dem ARD-Studio Rom erzählte Tina R. laut tagesschau.de: «Am Anfang, wo ich die Schiffe gesehen habe, wird mir ganz flau, weil die Schiffe wirklich alte, ausrangierte Boot sind. Wir hatten Glück, wir hatten ein ganz gutes Boot. Eins von den drei Booten ist kaputtgegangen. Es ist untergegangen, aber vor der Küste Italiens, wo schon die italienische Polizei die Schiffe begleitet.»

Sie hat nach eigenen Angabe jahrelang mit ihrem Exmann um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter gekämpft. Den tunesischen Arzt habe sie vor elf Jahren in einem Urlaub kennengelernt. Das Leben in Tunesien wurde für sie irgendwann unerträglich. «Er hat mich dann geschlagen, er hat mich zu Hause eingesperrt. Ich war völlig isoliert», sagte sie im Telefongespräch mit dem ARD-Studio.

Überfahrt für 1000 Euro

Sie fand einen Schlepper, der ihr einen Platz im Flüchtlingsboot vermittelte. 1000 Euro koste die Überfahrt pro Person, hiess es. «Es wird so perfekt organisiert, das ist unglaublich», sagte Tina R. «Man ist ständig in Bereitschaft, man sieht aber nichts, hat ständig falsche Informationen - und auf einmal geht's los.»

Die Flüchtlinge sitzen dicht gedrängt in den Fischkuttern, völlig ungeschützt und ohne irgendeine Versorgung. «Es gab kaum Essen, und es gab keine Toilette. Und wenn man dann 24 Stunden auf dem Boot ist, voller Menschen und es gibt keine Toiletten, das ist schon irgendwie menschenunwürdig. Aber man macht das, weil man weiss, es geht nicht anders», sagte die Deutsche laut tagesschau.de. Dem Bericht zufolge hat sie Lampedusa verlassen und wollte über Rom nach Deutschland zurückfliegen.

(ap)