In extremis

02. Februar 2011 12:51; Akt: 02.02.2011 13:04 Print

Armee rettet Ägyptens Kunstschätze

von Christopher Torchia, AP - In Ägypten standen offenbar einige Museen und Kulturdenkmäler kurz vor ihrer Zerstörung. Nun hat die Armee die Lage unter Kontrolle gebracht.

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Die Armee hat nach ersten Plünderungsversuchen die Bewachung von ägyptischen Kulturgütern übernommen, wie hier im Ägyptischen Museum in Kairo. (Bild: Keystone)

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Nach tagelangen Protesten, versuchten Plünderungen und schweren Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei fürchten viele Ägypter um ihr historisches Erbe. Nun gab die ägyptische Regierung vorerst Entwarnung und bezeichnete die antiken Kunstschätze des Landes als sicher. Vor den Pyramiden in Giseh, der Tempel-Stadt von Luxor und in Assuan hätten Einheiten der Streitkräfte Stellung bezogen, sagte der Leiter der ägyptischen Altertumsverwaltung, Sahi Hawass, der Nachrichtenagentur AP. Militärfahrzeuge blockieren die Zufahrt zu den Pyramiden in der Nähe der Hauptstadt Kairo, das Tal der Könige in Luxor ist für Touristen hingegen weiterhin geöffnet.

In einer antiken Grabstätte in Sakkara hätten Diebe ein Vorhängeschloss aufgebrochen, jedoch nichts gestohlen oder zerstört, sagte Hawass. Er erklärte, die wichtigsten Museen des Landes, darunter das Koptische und das Islamische Museum in Kairo, seien sicher.

Hawass zum Altertumsminister ernannt

Hawass wurde in dem neuen Kabinett von Präsident Hosni Mubarak zum Altertumsminister ernannt. Dass die Demonstranten die Museen und Kunstdenkmäler des Landes kaum antasteten, zeige den Stolz der Ägypter auf ihr historisches Erbe, sagte Hawass. «Wir können nicht wie Afghanistan sein», erklärte der neu gekürte Minister. Dort waren die Kulturschätze des Landes in einem jahrzehntelangen Krieg weitgehend zerstört worden. «Die Zivilisation wohnt den Ägyptern inne.»

Ganz verschont blieben die historischen Städten des Landes am Nil während der Unruhen in den vergangenen Tagen jedoch nicht. In Kantara nahe des Suez-Kanals plünderten Beduinen in der vergangenen Woche ein Lager für antike Kunstgegenstände. Ein Grossteil der rund 300 Stücke wurde später jedoch wieder zurückgegeben.

Am Freitag hatten Dutzende Plünderer das Gelände des Ägyptischen Museums in Kairo gestürmt. Die meisten wurden von jungen Männern aufgehalten, die vor dem Haupttor am zentralen Tahrir-Platz eine Menschenkette zum Schutz des Museums bildeten. Einige konnten jedoch in das Gebäude eindringen und plünderten den Museumsladen. «Sie dachten, der Laden sei das Museum», sagte Hawass. «Diese Menschen sind ignorant. Sie sind Gesetzlose.»

Neun mutmassliche Plünderer gelangten auch in die Ausstellungsräume. Neben dem Saal mit der goldenen Totenmaske des Pharaos Tutanchamun richteten sie einigen Schaden an. Insgesamt seien etwa 70 Ausstellungsstücke beschädigt worden, doch sie könnten repariert werden, teilte das Museum mit. Zunächst war berichtet worden, zwei Mumien seien die Köpfe abgerissen worden. Später stellte sich jedoch heraus, dass die Artefakte unbeschädigt waren. «Ich hatte Tränen in den Augen, weil ich dachte, meine Arbeit der vergangenen neun Jahre sei umsonst gewesen», rief Hawass in einer emotionalen Ansprache. «Ich bin so glücklich verkünden zu können, dass alles in Sicherheit ist.»

Bedenken über Sicherheit der Kunstschätze

Bereits vor den Unruhen in den grossen Städten des Landes hatte es immer wieder Bedenken über die Sicherheit der Kunstschätze in Ägypten gegeben. Im vergangenen Jahr richtete der Diebstahl eines Gemäldes von Vincent van Gogh aus einem Museum in Kairo die Aufmerksamkeit auf das veraltete Sicherheitssystem der Ausstellungshalle.

Hawass kämpft seit Jahren für die Rückgabe ägyptischer Kunstschätze aus der ganzen Welt. Im vergangenen Monat forderte er die Büste der Nofretete aus dem Neuen Museum in Berlin zurück. Zudem kritisierte er die Stadt New York wegen des Zustands der Nadel der Kleopatra, ein Obelisk im Centralpark.

Während ein Grossteil der Demonstranten die jüngste Kabinettsumbildung Mubaraks als lediglich kosmetische Korrektur zurückwiesen, forderte der neue Altertumsminister Hawass seine Landsleute zur Geduld auf. «Die Menschen in den Strassen müssen dieser Regierung eine Möglichkeit zur Veränderung geben», sagte Hawass. «Grossartige Dinge sind in den vergangenen Tagen geschehen.»