Nach Rücktritt

12. Februar 2011 09:03; Akt: 12.02.2011 10:18 Print

Ägypten feiert die ganze Nacht Mubaraks Rücktritt

Nach dem Rücktritt von Staatschef Hosni Mubarak kennt der Jubel der Ägypter keine Grenzen mehr. Das Land am Nil feierte die ganze Nacht die grösste Party seit Jahrzehnten. Überall gab es Hupkonzerte, Feuerwerke und Freudenschüsse.

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19. März: Die Bürgerinnen und Bürger Ägyptens stimmen über Verfassungsänderungen ab, die Parlaments- und Präsidentenwahlen ermöglichen sollen. Die Abstimmung stösst nicht bei allen auf Zustimmung: Ein Jugendlicher protestiert dagegen auf dem Tahrir-Platz, 18. März 2011. 15. Februar: Ein Kommitee wird mit der Erarbeitung der neuen Verfassung beauftragt. Sie soll den Weg für Wahlen frei machen. 14. Februar 2011: Ein Vertreter des Obersten Militärrats ruft die Ägypter dazu auf, die Arbeit wieder aufzunehmen und zum Alltag zurückzukehren. 12. Februar 2011: Am Tag nach dem Rücktritt von Hosni Mubarak feiern die Demonstranten ihren Sieg. Auf den Strassen Kairos zelebrieren die Menschen die neue Ära. Demonstranten räumen den Tahrir-Platz in Kairo, wo sie während 18 Tagen für mehr Demokratie gekämpft hatten. An einem Stein legen die Demonstranten Blumen nieder – in Erinnerung an den Sieg der Strasse. Grenzenloser Jubel am 11. Februar 2011 auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Die Demonstranten feiern Mubaraks Rücktritt nach zweieinhalb Wochen langen Protesten in Ägypten. Menschen brechen in Tränen aus. Wildfremde Menschen umarmen sich auf der Strasse in Kairo. Hupkonzerte auf den Strassen Kairos. Der Aufstand hat Wirkung gezeigt: Der verhasste Tyrann ist weg. Ein Kind küsst einen Soldaten: Offiziell hat jetzt ... ... die Armee die Macht über das Land. Tahrir-Platz am 11. Februar: Ein historischer Tag für Ägypten. Die Ägypter und Ägypterinnen im Freudentaumel. Auf dem zentralen Tahrir-Platz, seit Beginn der Proteste am 25. Januar das Herz des Volksaufstands, tanzten und hüpften hunderttausende Regimegegner unter ägyptischen Fahnen, wie Augenzeugen berichteten. Ausserhalb des Präsidentenpalasts in Kairo. Die Ägypter lassen ihrer freude freien Lauf.

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Auf dem Tahrir-Platz, dem Zentrum der Demokratiebewegung in Kairo, tanzten und hüpften Hunderttausende Regimegegner unter ägyptischen Fahnen. «Das Volk hat das Regime gestürzt», skandierten Demonstranten.

Auch im Ausland kam es spontan zu zahlreichen Freudenfeiern. Im Jemen, wo kürzlich der seit 32 Jahren regierende Präsident Ali Abdullah Saleh erklärte, auf eine erneute Kandidatur zu verzichten, strömten am Freitag im ganzen Land Menschen auf die Strassen, um den Ägyptern zu gratulieren.

Hunderte waren es allein in der Hauptstadt Sanaa. «Herrscher, es wird Zeit aufzuwachen! Hosni Mubarak ist gestürzt», riefen einige.

Palästinenser feiern

Im Gazastreifen brachten Tausende Palästinenser den Verkehr zum Erliegen, als sie in Gaza-Stadt Feuerwerke zündeten und durch die Strassen zogen. Im Westjordanland feierten in Ramallah etwa 300 Palästinenser das Ende der Ära Mubarak.

Im Londoner Nobel-Viertel Mayfair bejubelten etwa 200 Menschen vor der ägyptischen Botschaft mit Sprechchören wie «Bye bye, Mubarak» den Rückzug des Autokraten. Anschliessend zogen sie mit Trommeln weiter.

Im New Yorker Bezirk Queens fielen sich Dutzende Menschen mit ägyptischen Wurzeln auf einer Strasse in die Arme. In Berlin feierten zahlreiche Menschen vor dem Brandenburger Tor den Abgang Mubaraks. Auch Ägypter in der Schweiz freuten sich über den Rücktritt (siehe Seitenbild).

Vergleich mit Mauerfall

US-Präsident Barack Obama verglich die Vorgänge in Ägypten mit dem Fall der Berliner Mauer. Man könne nicht anders, als Echos der Geschichte zu hören - etwa das Echo der Deutschen, als sie die Mauer niederrissen oder das von Gandhi, der sein Volk auf den Pfad der Gerechtigkeit geführt habe, sagte Obama nach Mubaraks Rückzug.

Ägypten werde nie mehr so sein wie zuvor. «Mit seinem Rücktritt hat Präsident Mubarak auf den Hunger des ägyptischen Volks nach Wandel reagiert», sagte Obama, nachdem sich die US-Regierung, wie alle anderen westlichen Regierungen, bis zum Schluss dagegen gesträubt hatte, Mubarak zum Rücktritt aufzufordern.

Obama lobte auch das Militär für dessen verantwortungsvolles Verhalten. Jetzt müsse es sicherstellen, beim Übergang zur Demokratie sämtliche politischen Kräfte Ägyptens einzubinden. Zugleich versicherte er, dass die USA ein «Freund und Partner Ägyptens bleiben».

Armee an der Macht

Mubarak hatte nach 18 tägigen Protesten dem Druck von Millionen Demonstranten nachgegeben und nach 30 Jahren an der Macht seinen Rückzug erklären lassen. Der Oberste Militärrat unter dem bisherigen Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi übernahm die Macht.

Tantawi grüsste am Abend vor dem Präsidentenpalast in Kairo feiernde Demonstranten. Mubarak selbst setzte sich nach Scharm el Scheich auf den Sinai ab.


(Quelle: APTN-Video)

(sda)