Selbstmordanschläge

12. Mai 2012 22:07; Akt: 12.05.2012 22:39 Print

Al-Kaida gewinnt in Syrien an Boden

von B. Mroue und B. Hubbard, dapd - Die Lage in Syrien wird immer unberechenbarer. Regierung und Opposition werfen sich gegenseitig Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida vor. Experten befürchten eine Zunahme von Anschlägen.

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Der jüngste Selbstmordanschlag in Damaskus zeigt die zunehmende Skrupellosigkeit der Täter: Die Angreifer schlugen während des Berufsverkehrs zu und zündeten zunächst eine Bombe, um eine Menschenmenge anzulocken. Kurz danach zündeten sie ihren zweiten, viel stärkeren Sprengsatz und rissen damit 55 Menschen in den Tod. Viele fühlten sich angesichts dieser Taktik im Stil von Al-Kaida an das Nachbarland Irak erinnert.

Die Sorge wächst, dass sich der Konflikt in Syrien von den Forderungen des Arabischen Frühlings nach politischem Wandel entfernt und auf einen blutigen Aufstand zubewegt. «Syrien wird langsam aber sicher zu einem zweiten Irak», sagt Bilal Saab, ein Syrien-Experte am Monterey-Institut für Internationale Studien in Kalifornien.

Die Präsenz von Al-Kaida-Kämpfern und anderen Extremisten fügt dem Konflikt ein Element der Unberechenbarkeit hinzu, das die internationalen Bemühungen um ein Ende des Blutvergiessens erschweren könnte. Während die Grossmächte und UN-Beobachter in Syrien Druck auf Regierung und Opposition ausüben können, den Friedensplan des Sondergesandten Kofi Annan einzuhalten, haben sie keinerlei Einfluss auf militante Islamisten im Untergrund, die sich oft noch nicht einmal zu ihren eigenen Anschlägen bekennen.

Westliche Beobachter sagen, es gebe wenig Zweifel, dass Extremisten mit Verbindungen zu Al-Kaida seit Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar Assad vor 14 Monaten auf dem Vormarsch seien. Über die Zahl der Al-Kaida-Mitglieder, ihren Einfluss und ihre Aktivitäten in Syrien ist aber wenig bekannt. «Wir haben Geheimdienstinformationen, wonach es in Syrien eine Al-Kaida-Präsenz gibt, aber ehrlich gesagt haben wir keine guten Geheimdienstinformationen darüber, was genau sie machen», sagte US-Verteidigungsminister Leon Panetta am Donnerstag in Washington.

Ganze Serie von Anschlägen in syrischen Städten

Amateurvideos im Internet geben hin und wieder Hinweise auf extremistische Aktivitäten. Ein Video, das in dieser Woche ins Netz gestellt wurde, zeigt einen Anschlag in der nordsyrischen Stadt Idlib, der sich am 2. Mai ereignet haben soll. Darin ist ein weisser Kleinbus zu sehen, der auf einen Militärposten zurast und dort in einem riesigen Feuerball aufgeht. Soldaten werden in die Luft geschleudert. Im Februar rief Al-Kaida-Führer Ajman al Sawahri die Muslime in den Nachbarstaaten Syriens auf, sich an dem Aufstand zu beteiligen. Die Rebellen dürften sich nicht auf den Westen stützen.

Der Doppelanschlag vom Donnerstag war der fünfte in einer Serie grösserer Anschläge in syrischen Städten, die das Bild des Kampfes der Opposition gegen das Regime überschatten. Es war der bislang folgenschwerste.

Die Regierung und ihre Gegner werfen sich gegenseitig Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida vor. Der Vorsitzende des oppositionellen Syrischen Nationalrats, Burhan Ghaliun, beschuldigte die Regierung der Kooperation mit Al-Kaida, um die Anschläge in Damaskus auszuführen. Die Regierung setze die Gewalt ein, um den Aufstand zu diskreditieren. Der syrische UN-Botschafter Baschar Dscha'afari sagte vor dem Sicherheitsrat, Al-Kaida stecke gemeinsam mit nicht genannten ausländischen Regierungen hinter der Tat.

Rebellen nutzen Guerilla-Taktik

Der Führer der militanten libanesischen Hisbollah und Assad-Verbündete Scheich Hassan Nasrallah erklärte am Freitag, derartige Anschläge könnten Syrien zerreissen. Dieselben, die im Irak Tod und Zerstörung gebracht hätten, wollten heute Syrien zerstören.

Die UN unterstützen Annans Friedensplan, der eine Waffenruhe mit dem Ziel eines Dialoges und einer politischen Lösung des Konflikts vorsieht. Doch wurden die Bedingungen des Plans seit dessen Inkrafttreten am 12. April von beiden Seiten nie vollständig eingehalten. Die Präsenz internationaler Beobachter hat die Feindseligkeiten immerhin etwas eingedämmt. Nach UN-Angaben halten sich seit Freitag 145 Militärbeobachter der Vereinten Nationen und 56 zivile Mitarbeiter in Syrien auf.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • frosch grün am 12.05.2012 23:06 Report Diesen Beitrag melden

    danke al-kaida!

    ak-kaida! al-kaida hier, al-kaida dort, wenns die nicht gäbe müsste man sie erfinden. multifunktionel und jeder hat was davon. ist wie ein joker, man kann sie einsetzen für seine eigenen ziele. es dankt cia, mi5, mossad, isi, gaddafi, assad, navy seals. auch bedanken sich die flughafensicherheit, die bodyscannerverkäufer usw. die al-kaida verschaft mehr menschen arbeit als die banken vernichten. danke al-kaida!

  • Tom am 13.05.2012 00:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch 

    Bei solchen Meldungen gibt es fast keine Rückmeldungen. Bei vereitelten Terroranschlägen durch die USA schaukeln sich die Verschwörungstheorien in die Höhe und es wird fast kein gutes Haar an den Amis gelassen. Ich verurteile diese Selbstmordanschläge auf jedenfall aufs Schärfste. Aber für Al-Kaida wahrscheinlich völlig normal. Ich hoffe, die Lage normalisiert sich bald!

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  • Ds am 12.05.2012 23:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das sehen/merken auch Laien

    Ich bin auch Experte und sehe es... Haha, dafür muss man kein Experte sein, laie reicht

Die neusten Leser-Kommentare

  • J. Meyer am 13.05.2012 20:45 Report Diesen Beitrag melden

    Alles spekulativ

    Krieg in jeder Form ist immer undurchsichtigt, dass niemals die ganze Wahrheit ans Licht kommt oder kommen wird, selbst in der heutigen modernen Zeit mit medialer Technik, wo nahezu in Echtzeit alles übertragen werden kann. Wer für diese Anschläge nun wirklich verantwortlich ist, dürfte rein spekulativ bleiben. Aber wäre ich Assad, so würde ich solche Anschläge inszenieren, um die Weltöffentlichkeit angesichts vorheriger Taten an die Zivilbevölkerung, auf meine Seite zu ziehen versuchen. Wie gesagt, es bleibt reine Spekulation u ehrlich gesagt, ich täte es ihm zu zutrauen.

    • Patrick am 13.05.2012 21:40 Report Diesen Beitrag melden

      Oho...

      Wird da der Herr Meyer, der andere immer als Verschwörungstheoretiker bezeichnet selbst zu einem?

    • J. Meyer am 14.05.2012 12:48 Report Diesen Beitrag melden

      Ganz sicher nicht!

      Nein, werde ich ganz sicher nicht. Hab ja nur gesagt, im Gegensatz zu diesen Vt., das alles rein spekulativ ist. Vt. behaupten, ich nicht. Hab nur überlegt, obs sein könnte, das Assad vielleicht selbst dahinter stecken könnte u mir gedacht, wäre ich Assad, würd ich's vielleicht so machen, da es mir von grösserem Nutzen wäre, als der Oppostion. Verschwörungstheoretiker behaupten u glauben auch ihre Thesen, während ich nur eine reine Vermutung als Frage/These in den Raum gestellt habe, über die man auch diskutieren kann. Wenn das aber gleichzusetzen ist mit Verschwörungstheorien, dann...

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  • Shinobi am 13.05.2012 01:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und nun?

    Und was nun? Unsere Regierung interesiert es sowiso nicht. Solange man die eigene profietgier nicht befriedigen kann schaut man weg. Also wiso wirt weiter über syrien berichtet wenn niemand was unternimmt. Am besten Europa macht das was es am besten kann. Augen uund ohren zu. Oder ganz nach dem motto von brüssel ' aus dem auge aus dem sinn".

    • Beobachter am 13.05.2012 19:27 Report Diesen Beitrag melden

      Was sollte die EU tun?

      Al Kaida Unterstuetzt die "Rebellen" ist also gegen Assad. Soll die EU nun Assad unterstuetzen? Bisher hat man ihm im Kampf gegen die Al Kaida nur das Leben schwer gemacht. Und das obwohl Al Kaida offiziell bekannt gegeben hat das sie die Revolution ausnuetzen und vermehrt mitmischen und steuern werden.

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  • Tom am 13.05.2012 00:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch 

    Bei solchen Meldungen gibt es fast keine Rückmeldungen. Bei vereitelten Terroranschlägen durch die USA schaukeln sich die Verschwörungstheorien in die Höhe und es wird fast kein gutes Haar an den Amis gelassen. Ich verurteile diese Selbstmordanschläge auf jedenfall aufs Schärfste. Aber für Al-Kaida wahrscheinlich völlig normal. Ich hoffe, die Lage normalisiert sich bald!

    • John Holt am 13.05.2012 13:13 Report Diesen Beitrag melden

      Komisch ist

      Komisch ist, dass Qatar und Co inklusive NATO diese Al-Qaida-Ableger unterstützt hat. Niemand hatte in Libyen Befürchtungen, dass die Al-Qaida an Einfluss und Boden gewinnen könnte. Zumindest niemand in den Medien. Ron Paul beispielsweise hat ausdrücklich davor gewarnt und die richtigen Fragen gestellt, "ob wir in Libyen den nicht die Al-Qaida unterstützen". Heute ist es Offiziell. Schon traurig, dass die meisten nicht sehen, dass der "Arabische Frühling" ein Deckmantel für weiteren Imperialismus ist.

    • manuel am 13.05.2012 13:33 Report Diesen Beitrag melden

      darum

      es gibt wenig rückmeldungen weil diesmal die medien aus meiner sicht objektiv berichten. es wurde nicht automatisch assad die schuld zugeschoben. konnte man auch schwer wenn sich eine organisation zu den anschlägen bekennt.

    • Patrick am 13.05.2012 18:42 Report Diesen Beitrag melden

      Also

      Richtig, ausserdem wurde genau das, seit Monaten schon in den Kommentaren zu vergangenen Berichten erwähnt, aber leute wie sie glauben es ja erst wenn es ''offiziell'' durch die Medien verbreitet wird.

    • Stojan Stojkovic am 13.05.2012 23:30 Report Diesen Beitrag melden

      guter Diktator, böser Diktator

      DIe USA spielen seit Jahrzehnten "guter Diktator, böser Diktator". Beide Kategorien unterdrücken ihr eigenes Volk, missachten Menschenrechte und müssten aufs schärfste kritisiert werden! Nur gibt es eben zwei Kategorien...Solche die Erdöl in Dollar verkaufen und solche, die dafür andere Währungen akzeptieren. Die letzteren gilt es zu bekämpfen, denn nur sie sind seeehr böööse!

    • Patrick am 14.05.2012 01:25 Report Diesen Beitrag melden

      Aus dem Auge aus dem Sinn.

      Nicht nur Erdöl. Der Ansatz ist richtig. Aber korrekterweise muss man sagen jeglichen Vorteil, sei das jetzt Gas, Öl oder andere Materialien. Die Geschichte zeigt auch das x sogenannte Rebellionen durch westliche Geheimdienste ausgelöst wurden. zb 1954 Guatemala wegen Bananen. Später X Versuche in Kuba, 73 Chile, später Iran und viele kleinere Aktionen um mal nur die offiziell bekannten zu nennen. oder auch Operation Phoenix in Vietnam, in welcher die USA knapp 20000 protokolierte Neutralisierungen durchführten.(wobei man von deutlich höheren zahlen ausgeht) Und viele davon waren Zivilisten.

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  • Ds am 12.05.2012 23:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das sehen/merken auch Laien

    Ich bin auch Experte und sehe es... Haha, dafür muss man kein Experte sein, laie reicht

  • frosch grün am 12.05.2012 23:06 Report Diesen Beitrag melden

    danke al-kaida!

    ak-kaida! al-kaida hier, al-kaida dort, wenns die nicht gäbe müsste man sie erfinden. multifunktionel und jeder hat was davon. ist wie ein joker, man kann sie einsetzen für seine eigenen ziele. es dankt cia, mi5, mossad, isi, gaddafi, assad, navy seals. auch bedanken sich die flughafensicherheit, die bodyscannerverkäufer usw. die al-kaida verschaft mehr menschen arbeit als die banken vernichten. danke al-kaida!