Ausland reagiert

11. Februar 2011 19:03; Akt: 11.02.2011 22:15 Print

«Ägypten wird nie mehr sein wie zuvor»

Die internationalen Reaktionen auf den Rücktritt von Hosni Mubarak sind überwiegend positiv. Nur in einem Land hält sich die Begeisterung in Grenzen.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel, US-Präsident Barack Obama und der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad reagierten aus unterschiedlichen Gründen erfreut auf Hosni Mubaraks Rücktritt.

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Mubaraks Abgang fand an einem geschichtsträchtigen Tag statt, stellte die BBC fest. Vor genau 32 Jahren kollabierte das Schah-Regime im Iran endgültig, die islamische Revolution von Ayatollah Chomeini hatte gesiegt. Und vor 21 Jahren wurde Nelson Mandela vom südafrikanischen Apartheid-Regime nach 27 Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen. Nun wird der 11. Februar 2011 seinerseits als historischer Tag in die Geschichte eingehen.

Die ersten Reaktionen aus dem Ausland auf den Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak sind fast ausnahmslos positiv. Als Erste meldete sich die oft gescholtene EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton. Der Präsident habe «die Stimme des ägyptischen Volkes» erhört und den Weg bereitet für schnellere und tiefere Reformen, erklärte Ashton in Brüssel. Nun müsse der Dialog beschleunigt werden, der zu einer breit abgestützten Regierung führen müsse. Die EU sei bereit, Ägypten zu helfen.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit Erleichterung und Freude auf den Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak reagiert. «Heute ist ein Tag grosser Freude», sagte Merkel in Berlin. Die Kanzlerin sprach von einem «historischen Wandel». Sie freue sich mit den Menschen in Ägypten und wünsche ihnen Mut. «In ihren Augen kann man sehen, welche Kraft die Freiheit entfalten kann.» Sie verlangte von den künftigen Regierungen in Ägypten, dass die Sicherheit Israels garantiert werde.

Katar spricht von positivem Schritt

Aus der arabischen Welt gab es vorerst nur wenige Reaktionen. Nur das relative liberale Emirat Katar liess sich mit einer offiziellen Stellungnahme vernehmen: Der Rücktritt Mubaraks sei «ein positiver, wichtiger Schritt im Hinblick auf die Hoffnungen des ägyptischen Volkes auf Demokratie, Reformen und ein Leben in Würde». Katar erwarte, dass Ägypten seine führende Rolle in der arabischen und muslimischen Welt wieder herstellen werde.

US-Präsident Barack Obama, der sich am Donnerstag noch gedemütigt fühlen musste, wusste laut CNN schon vor der Bekanntgabe von Mubaraks Rücktritt. Er sei während einer Sitzung im Oval Office unterrichtet worden, wenige Stunden vor der offiziellen Bekanntgabe, berichtete der US-Fernsehsender. Obama habe sich daraufhin die Ereignisse im Fernsehen angeschaut. Er bezeichnete den Rücktritt des ägyptischen Staatschefs Hosni Mubarak als Beginn des Übergangs zur Demokratie in dem Land. Die neue Führung in Kairo müsse «glaubwürdig den Weg zu freien und fairen Wahlen ebnen», sagte Obama am Freitag im Weissen Haus.

«Die Menschen haben klar gemacht, dass sie nichts weniger als eine echte Demokratie akzeptieren werden», sagte der Präsident weiter. «Ägypten wird nie mehr sein wie zuvor.» Obama äusserte die Erwartung, dass noch «schwierige Tage» vor dem Land liegen werden: «Das ist nicht das Ende des Übergangs, sondern erst der Anfang.» Obama würdigte das Vorgehen der ägyptischen Streitkräfte als «patriotisch und verantwortungsvoll». Er stellte eine Reihe von Forderungen an die neue Führung: Sie müsse die Bürgerrechte schützen, den Ausnahmezustand aufheben sowie die Verfassung reformieren, «um diesen Wandel unumkehrbar zumachen».

In der Übergangsphase müssten «alle Stimmen Ägyptens mit an den Tisch gebracht werden». Der Präsident hob insbesondere die Gewaltlosigkeit und «menschliche Würde» hervor, mit denen die Opposition den Wandel bewirkt habe. «Ägypten hat uns inspiriert», sagte Obama.

Israel besorgt, Iran erfreut

Sehr verhalten äusserte man sich bislang in Israel. Ein ungenannter Regierungsbeamter äusserte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters die Hoffnung, dass Mubaraks Rücktritt die friedlichen Beziehungen zwischen Ägypten und Israel nicht beeinträchtigen wird. Noch am Donnerstag hatten sich israelische Politiker erleichtert gezeigt, dass Mubarak nicht sofort zurücktreten wollte. In Jerusalem fürchtet man eine Phase der Instabilität und vor allem eine Machtübernahme durch die islamistische Muslimbruderschaft.

Seine eigene Interpretation in Kairo hat der Iran: Die Ägypter hätten einen «grossen Sieg» errungen, heisst es laut der Agentur AFP in Teheran. Bereits zuvor hatte Präsident Mahmud Ahmadinedschad am Revolutionsfeiertag seine eigene Interperation der Ereignisse in Ägypten geliefert. Der Volksaufstand zeige, dass die USA und Israel keinen Einfluss im Nahen Osten mehr hätten. Gleichzeitig tut das Regime alles, um eine für Montag geplante «Solidaritätskundgebung» mit Ägypten zu verhindern, zu der die Opposition aufgerufen hat.

(pbl/sda)